Sonntag, 13. Mai 2018

Eine vielleicht nicht gehaltene Predigt

Die Kapelle am Kernhofer Gscheid
am Montag um 6 Uhr früh.
Am Sonntag, den 13. Mai 2018 ist Pfarrer Markus Beranek mit den Fußwallfahrerinnen und Fußwallfahrern Richtung Mariazell unterwegs. Da geht's früh morgens von der Ebenwaldhöhe (1000 m), wo übernachtet wird, hinunter ins Andersbachtal, hinaus nach Hohenberg, dann über St. Aegyd am Neuwald und die Unrecht Traisen hinauf aufs Kernhofer Gscheid, wo die letzte Nacht vor Mariazell im Alpengasthof Gruber wartet - und Markus Beranek mit den angenehm müden Wallfahrerinen und Wallfahrern  die Abendmesse feiert und ein paar Gedanken aus der unten stehenden Predigt predigen wird. Die Lider sind schwer, aber die Ohren offen für die Botschaft.


Predigt 7. Sonntag der Osterzeit (13.5.2018)

Sowohl die Lesung aus der Apostelgeschichte als auch das Evangelium sind vom Übergang geprägt. Wir haben gerade ein Stück aus dem sogenannten „hohepriesterlichen Gebet“ Jesu gehört, das uns nur das Johannesevangelium am Abend des Gründonnerstags am Ölberg überliefert. Dieses Gebet spiegelt stark das Grundgefühl der Christen wieder, für die das Johannesevangelium verfasst wurde. Sie erleben sich in einem nicht christlichen Umfeld in einer sehr angespannten und herausfordernden Situation. Jesus betet um ihren Zusammenhalt und darum, dass sie „in der Wahrheit geheiligt werden“. Das ist die Bitte, dass das Wort Gottes, die Botschaft Jesu inmitten aller Herausforderungen des Lebens die einzelnen Christen  begleitet, stärkt und in ihrer Verbundenheit mit Gott wachsen lässt.

Auch wenn die Apostelgeschichte vom Autor des Lukasevangeliums stammt knüpft sie hier thematisch an. Unmittelbar nach der Himmelfahrt Jesu hat der Kreis der 12 Apostel noch eine ganz hohe Bedeutung. Sie repräsentieren die zwölf Stämme Israels und sie stehen dafür, dass genau diese Menschen Jesus selbst erlebt haben und dass sie ihn ganz authentisch bezeugen können. Nun geht es also darum, ganz konkret einen Nachfolger für Judas Iskariot zu finden. Die Art und Weise, wie das vor sich geht schauen wir uns jetzt etwas genauer an, denn sie kann uns helfen, auch für unser Leben Entscheidungen im Sinne Jesu zu treffen. Entscheidungen, in denen seine Kraft auch an uns wirksam wird.

Zunächst einmal stellt Petrus fest, was Sache ist: Judas ist ausgefallen und es braucht für ihn einen Ersatz. Das ist für Entscheidungssituationen immer ganz wichtig klar zu sagen, worum es geht und was die Frage ist. Petrus redet dann weiter und benennt einige Kriterien für die Entscheidung: der, der da gewählt wird muss mit uns Zeuge der Auferstehung sein, hier entsteht ein Anforderungsprofil für diese Aufgabe. Im gemeinsamen Gespräch kristallisieren sich dann offensichtlich ganz deutlich zwei Männer heraus: Barsábbas und Judas. Wieder für uns der Hinweis: Entscheidungssituationen brauchen immer eine Phase des Hinhörens auf die unterschiedlichen Meinungen und Argumente. Auch wieder ein Punkt, wo Verstand und Vernunft ganz stark gefragt sind. Nachdem die beiden Kandidaten feststehen ist der Gemeinde wichtig deutlich zu machen, dass in ihren Entscheidungen das Wirken Gottes zum Ausdruck kommt. Deshalb beten sie miteinander und treffen dann die Auswahl durch Losentscheidung. Wieder für uns der Hinweis in Entscheidungssituationen mit dem Anliegen ins Gebet zu gehen, das, was uns da beschäftigt Gott anzuvertrauen und ihn, seinen Heiligen Geist um Klärung zu bitten. Nachdenken, der Einsatz der Vernunft und des Verstandes bleiben die eine wichtige Säule, das achtsame Gespräch miteinander ist ein weiterer Bestandteil. In all dem kann Gott auch bereits sich mitteilen. In persönlichen Entscheidungssituationen würde ich an die Stelle des Loses die Wahrnehmung des Trostes setzen. Eine gute Entscheidung, bewirkt inneren Frieden, lässt Freude und Vertrauen wachsen und bestärkt unsere Verbundenheit mit Gott.

Vielleicht sind die Tage vor Pfingsten eine ganz besondere Gelegenheit Gottes guten Geist um seinen Beistand in den kleinen und großen Entscheidungssituationen unseres Lebens zu bitten.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Wir freuen uns über jeden Kommentar. Und da wir mit konkreten Menschen kommunizieren wollen, bitten wir Sie, nicht anonym zu kommentieren.