Dienstag, 6. März 2018

Entrümpeln - das Thema der Fasten-Predigt

Der 3 Sonntag der Fastenzeit steht für "Entrümpeln". Das Sonntagsevangelium berichtet davon, wie Jesus voll Zorn die Händler und Geldwechsler aus dem Tempel vertreibt, damit dieser wieder ein Ort der Spiritualität sein kann. Hier ist die Predigt von Pfarrer Markus Beranek.

Predigt 3. Sonntag der österlichen Bußzeit


Auf dem Weg durch die Tage der österlichen Bußzeit ist das Bild von diesem Jesus, der mit einer Geißel auftritt und aufräumt für mich sehr inspiriered. Ich erlebe in unserer Pfarre und in vielen anderen Pfarren das Zuviel an Aktivitäten. Immer mehr Arbeit, die an weniger Menschen hängenbleibt, Erschöpfung, die sich bei vielen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern bemerkbar macht.
Ich frage mich oft: wo ist an der Zeit, Dinge zu beenden, die keine Zukunftsdynamik in sich tragen, die nicht mehr wachsen, die wir einfach nur tun, weil wir sie immer getan haben?
Wenn wir Kirche heute neu erfinden würden – was würden wir dann wirklich für wichtig erachten?
Mir scheint aber auch, dass viele Menschen drunter leider, dass ihr Leben zu voll ist mit allen möglichen Dingen, Terminen und Verpflichtungen. Jesus mit seiner Geißel kann dort zum echten Erlöser werden, weil er uns helfen kann aufzuräumen, zu entrümpeln, damit Raum zum Atmen entsteht. Zeit bleibt zum Verschnaufen. Zum Leben. Zur Begegnung.

Vielleicht kennen sie ja auch die Erfahrung, dass sie in einzelnen Situationen zornig werden oder den Zorn spüren. Nun, es ist schon vorteilhaft, wenn wir uns so weit im Griff haben, dass wir den Zorn nicht unkontrolliert an unseren Mitmenschen auslassen. Aber es lohnt sich, den Zorn genauer anzuschauen, denn vielleicht hat er da und dort auch Facetten vom Zorn Jesu. Vielleicht ist er in Wahrheit ein Freund und Anwalt, der uns drauf aufmerksam macht, dass in unserem Leben etwas zu entrümpeln, umzustellen und neu zu gestalten ist. Vielleicht gibt es ja auch einzelne Menschen, auf die sie immer wieder zornig reagieren. Vielleicht ist das ein Hinweis, dass da im Miteinander etwas anzusprechen und zu klären wäre – und dass wir dadurch in unserem Miteinander einen schritt weiterkommen könnten.
Das Beispiel Jesu ist eine starke Einladung, unsere Gefühle ernst zu nehmen, sie genauer anzuschauen und den vitalen Impuls zu entdecken, der in ihnen liegt.
Wenn die Bibel vom Zorn Gottes redet, dann ist dieser Zorn Ausdruck für das leidenschaftliche Interesse Gottes, dass die Menschen ein erfülltes Leben haben können. Darum geht es auch in den zehn Geboten, die uns in der Lesung begegnet sind. Es sind Leitplanken die uns helfen, in unserem Zusammenleben den Raum zu gestalten, dass wir miteinander gut leben können und dass die Verbindung mit Gott erhalten bleibt.
Das geschäftliche Treiben im Tempel hatte ja viele gute Gründe und es fand unter dem Mantel der Frömmigkeit statt. Vordergründig hat man all das gebraucht, um den Opferbetrieb im Tempel aufrecht zu erhalten. Aber Jesus hat deutlich gespürt: in all dem Treiben bleibt kein Platz für Gott. Und Jesus hat das existentiell gespürt: ohne Verbindung zu seinem Gott kann er nicht sein, da bleibt ihm die Luft weg.
Umkehr heißt auch, unsere Emotionen anzuschauen, besonders auch jene Gefühle, die wir vordergründig als negativ einstufen. Umkehr heißt, sie zu Verbündeten machen, damit in unserem Leben aufräumen, entrümpeln und jene Freiräume entdecken, die Gott uns ja erschießen will.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Wir freuen uns über jeden Kommentar. Und da wir mit konkreten Menschen kommunizieren wollen, bitten wir Sie, nicht anonym zu kommentieren.