Freitag, 30. März 2018

Die abendliche Karfreitagsliturgie

Kreuzverehrung
Der Einzug der Priester, Diakone und Ministranten in die schmucklose Kirche in völliger Stille ist immer wieder ein Erlebnis. Kein Orgelspiel, nichts, einfach Stille. Und dann werfen sich die Priester und Diakone im Altarraum auf den Boden - im stillen Gebet am Todestag Christi. Ein Tag starker Symbolik.

Nach den Lesungen aus dem alten und neuen Testament wird die Leidensgeschiche Jesu vorgelesen. Dann steigt unser "Pfarrerlehrbub" (das Jahr vor der Diakon-Weihe) Johannes aufs Podium - in der Kirche Ambo genannt - und spricht in seiner eigenen Sprache von seinen sehr persönlichen Gedanken vor Jesus am Kreuz (siehe weiter unten). Man denkt bei seiner  authentischen, ehrlichen, einfachen und offenen Ausdrucksweise spontan an ein Video, das Sie hier in unserem Blog finden können.

Die Verehrung des Kreuzes durch alle Kirchenbesucherinnen und Kirchenbesucher ist ein weiterer Teil der heutigen Liturgie. Wir legen dem sterbenden Christus am Kreuz Blumen zu seinen Füßen hin. Und - welche starke Symbolik - diese Blumen werden der Blumenschmuck in der Osternacht sein und die Freude der Auferstehung unterstreichen.

Die großen Fürbitten für vieles, von der Politik über die Kirche bis zu uns selbst, das uns bewegt schließen die Liturgie ab. Wir begleiten noch den toten Jesus zu seinem Grab, das in Stockerau am Fuße des Altares seiner Mutter liegt. Beim Ausgang bekommt wir noch ein Gebetskärtchen überreicht.

Hier gibt es einige wenige Bilder mehr und das verteilte Gebetskärtchen. 

Und hier gibt es das Statement von Johannes Eibensteiner. Aber gehört muss man es haben...

Was für mich der Kreuzestod Jesu persönlich bedeutet.

Johannes Eibensteiner
(D. Ungrad)
Ich bin davon überzeugt, dass er alles für mein Leben bedeutet – ich hab's nur noch nicht realisiert. Ganz realisieren werd' ich es wohl erst, wenn ich sterbe.
Dass Jesus am Kreuz für mich gestorben ist, glaube ich erst einmal einfach – das ist mir vielleicht so geschenkt – wurde mir so gelernt. Dieser Glaube wurde mir weitergegeben. Wenn ich aber mal tiefer darüber nachdenke, dann wird mir schnell bewusst, dass es genau das ist, wonach ich mich im tiefsten sehne. Es gibt jemanden, der um mich kämpft, sich für mich einsetzt und zwar bis zum Tod sogar. Und dieser jemand ist nicht irgendjemand, sondern es ist Gott selbst. In Jesus hat Gott ja gezeigt, wie er ist und wie er zu uns ist.
Ich erinnere mich, dass wir als Kinder in der Schule oft gewetteifert haben,  wer den stärksten Papa hat. Oder auch jetzt noch: Wie selbstbewusst ist man, wenn man einflussreiche, bekannte Freunde hat...angenommen Dietrich Mateschitz wäre mein bester Freund, der alles für mich tun würde. Ich würde sehr selbstbewusst durchs Leben gehen können. Müsste mir um viele Dinge wie Geld, Job,… keine Sorgen mehr machen. Mein Freund würde mir ja helfen sobald ich in Not geraten würde. Ich könnte also recht befreit dahinleben.
Das echt krasse ist, dass wir – vorausgesetzt das mit Gott stimmt alles – einen Gott haben, der bewiesen hat, dass er alles für uns gibt und der ist immerhin allmächtig. Würden wir das echt glauben, müssten wir uns keine Sorgen mehr machen. Jeden Tag in der Früh versuch' ich mir, das bewusst zu machen: Gott ist da und er kämpft heute für mich, für mein Glück – das hilft mir oft sehr konkret. In schwierigen Situationen versuche ich dann, trotzdem zu vertrauen… und mache oft die Erfahrung, dass Gott eingreift. An diese Momente versuche ich mich, in der Früh nach dem Aufstehen zu erinnern.
Wo ich das noch persönlich erfahren kann, was Jesus für mich am Kreuz getan hat, ist ganz unspektakulär in den Sakramenten. In der Messe feiere ich zwar mit anderen, aber ich begegne ihm dann in der Kommunion ganz persönlich. Oder für mich auch ganz besonders die Beichte. Ich schaue, dass ich da einmal im Monat hingehe. Nicht weil ich muss, sondern weil es einfach ein Geschenk ist. Ich mache sehr oft die Erfahrung, wie erleichtert ich wieder weggehe und wie wieder neu Kraft da ist, um das Leben wieder anzugehen. Weil ich weiß, dass Gott mich so lieb hat, dass er sogar bereit ist, dafür ans Kreuz zu gehen, darum kann ich mich auch ehrlich anschauen – auch mit meinen dunklen Seiten, meiner Sünde. Da tun wir uns heute ja ganz schwer, weil jeder versucht ein möglichst perfektes Bild von sich aufrechtzuerhalten und Schuld ist möglichst immer jemand anders. Ich bin so froh, dass ich in der Beichte die Möglichkeit hab', einmal zu sagen, wo ich Schuld bin ohne Angst haben zu müssen, dann verurteilt und verachtet zu werden vom anderen. Ganz im Gegenteil - hier begegnet mir Jesus selber, der wegen mir Leiden musste und sagt: Fang neu an. Das hat eine Kraft! Oft schon haben sich für mich Situationen nach einer Beichte geändert, die vorher ausweglos schienen.
Und so realisiere und erfahre ich Tag für Tag mehr, was der Kreuzestod Jesu für mich in allen Bereichen meines Lebens bedeutet. Was ich zuerst im Glauben angenommen habe, erweist sich im konkreten Leben immer mehr als verlässlich. 

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