Sonntag, 21. Januar 2018

Predigt

Pfarrer Markus Beranek predigte heute über Bilder und Gerüche...

Predigt 3. Sonntag im Jahreskreis

Das Evangelium ist für mich voll von Bildern und Gerüchen. Auch bei unserer Pfarrreise nach Israel vor einigen Jahren sind wir von Jerusalem durch die trockene Wüste Juda in den Norden Israels nach Galiläa gefahren. Am Abend sind wir dann in dieser grünen, fruchtbaren Gegend um den See Genesareth angekommen. Jesus kommt aus der Wüste wo er vierzig Tage gefastet hat, aber er tritt im blühenden Galiläa auf. Die Landschaft unterstreicht seine Botschaft vom anbrechenden Reich Gottes. Dieses Reich Gottes wird in der Nähe Jesu lebendig, wenn seine Worte Menschen ins Herz treffen, wenn in seiner Nähe Menschen neues Vertrauen fassen, wenn in seiner Nähe Menschen gesund werden. Die Botschaft vom anbrechenden Reich Gottes erinnert auch uns daran, dass wir in der Nähe Jesus aufatmen und lebendig werden dürfen.

In einem Satz fasst Markus die Botschaft Jesu zusammen „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium.“

Umkehr bedeutet, dass wir unsere Blickrichtung, unsere Perspektive verändern. Der Ruf zur Umkehr ist die Einladung, dass auch wir in das blühende Galiläa des Lebens kommen. Umkehr ist die Entscheidung unsere innere Aufmerksamkeit auf die Spuren des anbrechenden Gottesreiches zu richten.

Was wir Menschen im Blick haben, das leitet unsere Aufmerksamkeit. Es ist wie beim Autofahren: wer panisch die Bäume am Straßenrand fixiert erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass er in einen hineinkracht. Wer ständig auf der Suche nach Katastrophen ist, der wird jeden Tag einen neuen Grund finden, sich zu beklagen und vom Leben enttäuscht zu sein. Es geht nicht um die rosarote Brille, sondern Umkehr ist die Einladung, trotz aller negativen und mühsamen Dinge die Knospen und Blühten des anbrechenden Gottesreiches zu sehen. Jeden Tag Austausch zu halten, wo – vielleicht trotz aller Mühsamkeit – Gott da ist. Die klassische Gewissenserforschung ist für mich dabei eine gute Hilfe. Wenn sie missverstanden wird, dann verkommt sie zu täglichen Selbstbeschuldigung und Fehlersuche. Richtig verstanden, dann würde ich sie auch lieber „Gebet der liebenden Aufmerksamkeit“ nennen, stellt sie eine Chance dar, Tag für Tag neue Hoffnung und Freude am Leben zu schöpfen. Was mir unserer Aufmerksamkeit wahrnehmen, das können wir auch gezielt einüben. Wenn Menschen nach den Spuren Gottes, nach dem Suchen, was ihr Leben froh und lebenswert machen, dann werden sie auch zumindest kleine Knospen finden.

Kehren wir noch einmal zum weiteren Verlauf des heutigen Evangeliums zurück. Jesus tritt im blühenden Galiläa auf, verkündet seine Botschaft vom anbrechenden Gottesreich und von der Umkehr und er beruft Menschen, dass sie mit ihm unterwegs sind: Simon, Andreas, Jakobus und Johannes.

Wir können hier auch unsere Namen einfügen. Uns von Jesus rufen lassen heißt, dass wir wie die Jünger damals in seine Schule gehen, um einen neuen Blick auf das Leben – auf unser eigenes Leben und auf die Welt zu bekommen. Wir Christen in aller Vielfalt der verschiedenen Konfessionen sind da, um Menschen der Hoffnung und der Lebensfreude zu sein. Menschen, die durch nicht davon abzubringen sind, dass Gottes Einladung für alle Menschen eine Einladung in ein erfülltes Leben ist.

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