Donnerstag, 10. Mai 2018

Die Predigt von Christi Himmelfahrt

Pfarrer Markus Beranek hat uns seine Predigt vom Christi Himmelfahrtstag zukommen lassen.

Predigt Christi Himmelfahrt 2018

„Den Glauben weitergeben“ haben wir als Motto für die heurige Mariazellwallfahrt. Ich persönlich tue mir immer schwer, wenn ich in Dingen des Glaubens solche Imperative höre, die mir sagen, was ich tun soll.

„Den Glauben weitergeben“ – zu allererst erinnert mich dieser Satz deshalb daran, dass ich unter Rahmenbedingungen aufgewachsen bin und leben, die mir geholfen haben und helfen, den Glauben als einen ganz selbstverständlichen Bestandteil meines Lebens zu verstehen und durch den Glauben gleichzeitig zu entdecken, dass Gott immer größer denkt, mich aus den gewohnten Bahnen herausholt, mir hilft, meine gewohnten Denkmuster zu durchbrechen. Zu den Rahmenbedingungen gehören meine Heimatpfarre in Wien, meine Eltern und viele Menschen, die ich im Lauf der Zeit kennengelernt habe – nicht zuletzt hier in Stockerau. Ich erlebe das als ein Privileg, jeden Tag die Möglichkeit zu haben, meinen Glauben mit anderen zu teilen – jetzt in der Messe, in Gruppen und Gesprächen. Es macht mir Freude zu glauben, es gibt mir was und ich profitiere selber davon, dass ich von meinem Glauben rede. Durch das Predigen lerne ich selber viel über die Bibel, lerne ich selber meinen Glauben durchzuformulieren, hinterfrage ich mich, was mich wirklich trägt und drängt. Den Glauben weitergeben, das ist für mich ein gegenseitiges Geben und Nehmen, der Glaube wächst, indem er lebet, benutzt und von ihm geredet wird, sonst wird er schal, müde und verschüttet.

Priester geworden bin ich, weil ich von klein auf gespürt habe, dass die Nähe Gottes mich fasziniert, mir Kraft gibt, mich birgt – und, was im Laufe des Lebens immer stärker geworden ist: mich herauslockt.

Den Glauben weitergeben hat für mich deshalb mit einer ganz tiefen Sehnsucht zu tun. Weil ich eine Ahnung von diesem Gott bekommen habe, deshalb ist es mir ein Anliegen dazu beizutragen, dass auch andere Menschen, den vielleicht verschütteten Brunnen ihres Lebens neu ausgraben.

„Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden“ hat es vorher im Evangelium geheißen. Glauben heißt für mich, mich der Spur der Sehnsucht, dem Geheimnis meines Lebens zu öffnen. Nicht glauben heißt sich abschotten, innerlich verschlossen und leblos zu bleiben. In diesem Sinn kann es sehr sehnsüchtige und für das Geheimnis offene Atheisten geben und Christen, die ihren Glauben dermaßen kaltgestellt haben, dass sie trotz aller frommen Übungen eigentlich ungläubig sind.

Und damit wird deutlich, was „Weitergabe des Glaubens“ bedeutet – es geht darum Menschen Mut und Lust zu machen, auf der Spur der Sehnsucht zu bleiben, nicht zu klein und zu engstirnig zu denken und zu leben. Es geht um das gute Leben, es geht um das große Glück. Es geht um die Entdeckung, dass ich geliebt und geborgen und gleichzeitig in Freiheit gesetzt bin. Es geht um die Erfahrung, dass sich wirkliche Lebensqualität nicht auf Kosten anderer sondern nur in einer gegenseitigen Verbundenheit verwirklichen lässt, in einer gemeinsamen Verantwortung für diese Gesellschaft und diese Welt.

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