Dienstag, 8. Mai 2018

Der "liebe" Gott

Die Sonntagspredigt von Pfarrer Markus Beranek etwas verspätet im Weblog der Pfarre Stockerau.. 

6. Sonntag der Osterzeit – Predigt

Ich gestehe, dass ich mir selber ganz schwer tue, wenn in der Kirche so leichtfertig und schnell von der „Liebe“ geredet“ wird. Was mich dran stört, ist, dass es schnell so einen harmlosen, lieblichen Klang bekommt. Wenn der „liebe Gott“ in diesem Sinn zu uns lieb ist klingt das für mich harmlos, zahnlos und letztlich langweilig.

Wenn ich das heutige Evangelium lese, bleibe ich zuerst bei der Stelle  hängen, wo es heißt „vielmehr habe ich euch Freunde genannt“. Dieses Wort ist für mich wirklich ein Schlüssel für meine Beziehung zu Jesus – und es gibt diesem schillernden Wort „Liebe“ ein konkretes Profil. Ein guter Freund ist einer, den ich spät am Abend anrufen kann, um belastende Geschichte zu erzählen oder Rückmeldung in einer Entscheidungssituation zu bekommen. Ein guter Freund ist einer, dem ich kein Theater vorspielen muss, wie genial ich wäre, sondern dem ich erzähle, was mir Freude macht und wo ich wirklich heftig in Turbulenzen bin. Ein guter Freund ist ein Mensch, wo es fein ist miteinander unterwegs zu sein und wo wir gegenseitig ganz gut wissen, wie der andere tickt.

Für meine persönliche Beziehung zu Jesus ist mir dieser Vergleich mit einer Freundschaft sehr hilfreich. Durch die Jahre hindurch ist mir dieser Jesus zu einer spürbaren Realität geworden. Ich glaube, dass mich dabei, die guten alten Don Camillo Filme mit inspiriert haben. Don Camillo ist wahrlich kein Heiliger. Aber was ihn auszeichnet ist sein direkter, unbeschwerter Umgang mit Jesus, seine Zwiesprache mit dem Gekreuzigten. Dort lässt er seine Wut raus, dort erzählt er seine Sorgen und dort artikuliert er, dass er sich jetzt mit dem göttlichen Rat so gar nicht abfinden kann. „Ich nenne euch nicht mehr Knechte“ sagt Jesus. Wir sind im Glauben nicht stumme Befehlsempfänger, denen Gott seinen Willen aufsetzt. Gott ist in Jesus Mensch geworden, um uns ebenbürtig, von Angesicht zu Angesicht zu begegnen, um sich für uns zu interessieren, um unsere Wege mit zu gehen, um mit uns auszutauschen, um mit uns Lebensgemeinschaft zu haben.

Dieses Interesse aneinander, diese Neugierde für einander, diese Haltung des Wohlwollens, dieses gegenseitige Erzählen – das ist Liebe. Das wird für mich lebendig, wenn Jesus zu uns sagt „ich habe euch Freunde genannt“.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Wir freuen uns über jeden Kommentar. Und da wir mit konkreten Menschen kommunizieren wollen, bitten wir Sie, nicht anonym zu kommentieren.