Sonntag, 1. April 2018

Die Botschaft der Osternacht

Pfarrer Markus Beranek's Predigt in der Osternacht über das Evangelium nach Markus, der ihm laut einer Nebenbemerkung in der Predigt sehr sympathisch ist - schon wegen seines Vornamens... 

Predigt der Osternacht 30.3.2018


Es ist eigenartig, dass ausgerechnet in der Osternacht das Evangelium mit diesen Worten endet „sie sagten niemand etwas davon, denn sie fürchteten sich“. Die meisten Bibelwissenschaftler gehen davon aus, dass das das ursprüngliche Ende des Markusevangeliums ist. Was dann noch kommt wurde angefügt, weil nachfolgende Generationen diesen unfertigen Schluss nicht ausgehalten haben.

Ich habe mir auch lange Zeit damit schwer getan. Mittlerweile glaube ich, dass es zum pointierten erzählerischen Geschick des Autors des Markusevangeliums gehört. So erzählt Markus von den Jüngern, die am Beginn des Evangelium ganz und gar von Jesus in den Bann gezogen sind und die ihn im Laufe des Evangeliums immer weniger verstehen, bis sie dann in der Leidensgeschichte ganz verschwinden. Die Frauen aus dem Umfeld Jesus stehen beim Kreuz, sie kommen zum Grab – aber wie das ausgeht haben wir gerade gehört. (Wir können nicht mit Sicherheit sagen, wo sich die Christengemeinde befand für die Markus geschrieben hat. Ziemlich sicher ist, dass sie von ihrer Herkunft her keine Juden sondern Römer sind. Sie sind also nicht in der biblischen Tradition beheimatet. Mit guten Gründen können wir uns vorstellen, dass dieses Evangelium in Rom abgefasst wurde.) Markus fand in seiner Gemeinde anscheinend genau diese Angst und Zurückhaltung vor, die die Jünger im Evangelium prägt und mit der er auch sein Evangelium enden lässt. Menschen, die in ihrem Glauben eingeschüchtert waren, die schon einmal für Jesus gebrannt haben, aber denen die Realität des Alltags über den Kopf gewachsen ist. Ihr christlicher Glaube hat sie überfordert und ihnen im Alltag mehr Mühe als Freude bereitet.

Auch heute erleben viele Menschen den Glauben als Herausforderung. Den meisten Menschen – auch mir selber – fällt es nicht schwer eine Reihe an Gründen zu entdecken, warum einem die Kirche das Glauben nicht einfacher macht. Zu viele Menschen, die ihre Fehler haben, scheinheilig wirken, viel Macht und persönliches Interesse das sich unter dem frommen Mantel des Glaubens verbirgt. All das war schon vor fast 2000 Jahren dem Autor des Markusevangeliums wohl bekannt, so sehr, dass er sein Evangelium entsprechend angelegt hat. Aber die eigentliche Pointe hat Markus nicht aufgeschrieben: mit seinem provokanten Schluss wollte er den Ball seinen Zuhörerinnen und Zuhörern zuspielen. Wo stehst du im Blick auf den Herrn Jesus, wie hältst du es mit seiner Botschaft? Zweitausend Jahre später sitzen sie am 30. April in der Kirche, weil sie in irgendeiner Weise die Sehnsucht nach Gott und nach der Unbeschwertheit eines neuen Lebens in sich tragen. Diese Osternacht hat sie schon oder wird sie vielleicht noch an der einen oder anderen Stelle berühren und ermutigen. Und wir bemühen uns ja auch die Gottesdienste so geht es mit unseren Mitteln derzeit möglich ist zu gestalten – mit allen Grenzen, weil allein schon im Blick auf die Musik die Geschmäcker unterschiedlich sind. Vielleicht gehen sie auch am Ende enttäuscht weg, weil sie nicht so recht gefunden haben, was sie sich erhofft haben, dann sind sie durchaus in guter Gesellschaft bei den Frauen, die mit Angst und Schrecken weglaufen vom Grab.

Mich tröstet dieses eigenartige Evangelium von der Auferstehung so sehr, weil es nicht aufputschen und Stimmung machen will, sondern weil es die Mühe und Plage des Lebens und des Glaubens beim Namen nennt und ganz nüchtern sagt: es war schon immer so. Indem ich mich mit meiner Trockenheit und Plage verstanden fühle merke ich, wie die Osterbotschaft zu knistern beginnt. Am Anfang steht nicht die Show, stehen nicht die perfekten Menschen sondern steht dieser Jesus, der sich ganz in die Hände der Menschen gibt, der sich ganz dem Unverständnis seiner Jünger aussetzt und der sie trotzdem nicht hinausschmeißt und kündigt. Erst langsam werden die Menschen im Umfeld Jesu die Leichtigkeit des Auferstandenen spüren und im nächsten Moment wird ihnen die Angst das Herz wieder eng machen. Glaube ist nicht die Projektion unserer Allmachtsphantasien. Ich begegne dem Auferstandenen gerade in meinen Wunden und Grenzen, in den Wunden und Grenzen meiner Mitmenschen, der Kirche, der Welt. Ostern ist nicht der Wahn einer perfekten Welt sondern die für mich tröstliche Erfahrung, dass Gott uns Menschen inmitten all unserer Wunden und Grenzen dennoch weiterführt. So wie die Jünger, die nach ihrem völligen Versagen einem Jesus begegnet sind, der zu ihnen gesagt hat „der Friede sei mit euch“.

Diese Botschaft ist zart und zerbrechlich und sie ist für mich unendlich tröstlich.


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