Sonntag, 22. April 2018

Der gute Hirte

Heute wird das Evangelium vom guten Hirten vorgelesen. Pfarrer Markus Beranek macht sich Gedanken darüber.

Predigt 4. Sonntag der Osterzeit 21./22.4.2018


Den Zuhörern Jesu war das Bild des Schafhirten ein vertrauter Anblick. Deshalb konnte Jesus in seinen Predigten und Gleichnissen ganz selbstverständlich immer wieder darauf zurückkommen. Wie bei allen Bildern gibt es einen zentralen Punkt des Vergleiches – der besteht hier darin, dass ein Hirte seine Tiere mit ihren Eigenarten gut kennt. Genau das entspricht jetzt so sehr der Spiritualität des Johannesevangeliums. Jesus kennt uns. Natürlich sind wir keine Schafe, sondern denkende Menschen. Aber was das Bild in uns bestärken will ist das Vertrauen, dass Jesus um uns weiß, um unsere Geschichte, unseren Alltag, unsere Sorgen und Mühen. Das Bild vom Guten Hirten will uns vor allem Mut machen, die Sorge Jesu, sein Mit-uns-Sein in unserem Leben mehr zu entdecken.

Mir fällt dazu Geschichte jenes alten Bauern ein, der jeden Tag die Kirche besucht und sich lange Zeit still in die Bank setzt. Eines Tages fragt ihn der Pfarrer, was er hier macht und seine einfache Antwort lautet „er schaut mich an und ich schaue ihn an“.

Nehmen sie sich die Zeit, sich jeden Tag ein wenig oder auch ein wenig länger von Jesus anschauen zu lassen – egal wie es ihnen gerade geht. Diese einfache Übung, diese regelmäßige Erinnerung kann uns helfen zu entdecken: ja, er schaut wirklich auf mich, er begleitet mich, mein Leben ist ihm nicht fremd.

Ich kenne eine Reihe alter Menschen, die im Laufe ihres Lebens im Blick des Guten Hirten gewachsen und gereift sind. Es sind Begegnungen, wo ich dann selber gestärkt und getröstet weggehe und mich auf eigene Weise behüte erfahre.

Schenken sie diesen wohlwollenden Blick Jesu auch einander weiter!

Der Evangeliumstext:
In jener Zeit sprach Jesus: Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe. Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, lässt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht; und der Wolf reißt sie und jagt sie auseinander. Er flieht, weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt.
Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich, wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe. Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen, und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten.
Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen. Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es aus freiem Willen hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen.

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