Sonntag, 18. März 2018

Predigt vom fünften Fastensonntag

Am fünften Fatsensonntag (18. März 2018) war das Thema der Fastenpredigt von Pfarrer Markus Beranek "Wandlung". Im Rahmen des Gottesdienstes wurden auch Heike,  Kandidatin für die Erwachsenen-Taufe in der Osternacht, zur Vorbereitung für die Taufe die Hände gesalbt und Pfarrer Markus Beranek übergab ihr feierlich den Text unseres Glaubensbekenntnisses, das wir anschließend alle gemeinsam beteten. Hier gibt es die Bibeltexte des Sonntages.

Predigt 5. Sonntag der österlichen Bußzeit - Wandlung

Dunkle Wolken stehen am Horizont der Geschichte Israels. Die Babylonier haben entgegen aller Hoffnungen die Stadt erobert und einen König nach ihren Vorstellungen eingesetzt. Der Prophet Jeremia hat schon lange das Unheil kommen sehen. Er hat schwer darunter gelitten, dass seine Volksgenossen sich wenig um die Weisung Gottes gekümmert haben. Damit haben sie ihre Identität als Volk Gottes aufs Spiel gesetzt. Und tatsächlich: die große Katastrophe, die Zerstörung der Stadt Jerusalem steht unmittelbar bevor. In dieser höchst angespannten Situation entsteht das Trostbuch, aus dem wir zuerst einen der Kernsätze gehört haben. Gott selbst ergreift die Initiative und wird den Menschen seines Volkes das Gesetz ins Herz schreiben.

Gesetz meint nach jüdischer Überzeugung nicht eine Ansammlung von Paragraphen, sondern eine von Gott geschenkte Lebensweisheit. Wer aus dieser Weisheitstradition lebt, wer dieses Gesetz befolgt, der wird glücklich. Wenn das Gesetz also aufs Herz geschrieben ist, dann geht es nicht mehr um die Frage „darf ich das tun?“, „muss ich mich daran halten?“, „Habe ich eh nichts falsch gemacht“, sondern dann finden Menschen in ein ganz unmittelbares Verhältnis zu Gott, sie haben die Fähigkeit zwischen wichtigen und unwichtigen Dingen, zwischen dem, was förderlich ist für das Leben und dem, was hinderlich ist zu unterscheiden.

Für uns Christen ist diese Verheißung in Jesus ganz erfüllt. Er ist der neue Mensch, der die Weisung Gottes ganz verinnerlicht hatte, dem das Gesetz ins Herz geschrieben war – das hat ihm seine Weite und seine große Freiheit auch im Umgang mit Normen und Vorschriften geschenkt.

Das Johannesevangelium schildert uns einen Jesus, der mit einer erstaunlichen Gelassenheit und Freiheit von seinem Leidensweg redet und auf seinen Tod zugeht. Bei Johannes ist das Kreuz nicht nur Marter, es ist Wandlung, es zeigt, wie sehr Gott die Menschen liebt, dass er alle Ressourcen einsetzt, um uns entgegenzukommen und, weil das Wesen Gottes, das Herz Gottes am Kreuz Jesu greifbar wird, deshalb sagt Jesus bei Johannes, dass er am Kreuz verherrlicht wird.

Für uns Christen geht es nicht darum, dass wir eine Lust am Leiden entwickeln. Es geht nur darum, dass wir uns von Jesus, von seiner Liebe anrühren lassen. Das kann tatsächlich unser Herz verändern. Das kann uns innerlich frei machen, wachsen lassen, helfen so manche Kleinkariertheit zu überwinden. Es braucht unser Mittun – und es geht doch um viel mehr als angestrengt gute Vorsätze.

Ich glaube, der entscheidende Schritt ist es immer, völlig unbefangen mein Leben, meine Freude am Leben, aber auch meine Mühe, mein Scheitern, meine Sorgen ins Gebet hereinzuholen. Eine hervorragende Art zu beten ist es, einmal am Tag beim Herrn Jesus eine Sprechstunde in Anspruch zu nehmen. Mich mit ihm auszureden. Ihm mein Leid klagen, ihm meinen Dank sagen, so schauen, was er denn da tun würde, was er mir sagt. Diese Übung kann auch unser Herz verwandeln. Sie kann uns helfen, unsere tiefste Sehnsucht freizulegen, die nicht in Enge und Egoismus gefangen ist, sondern wo die tosenden Wasser der Freiheit und der Lebendigkeit in uns eine gewaltige Lebenskraft entfalten.

Franz von Assisi hat als junger Mann diese Sehnsucht gespürt und gleichzeitig eine große Dunkelheit und Schwere ins einem Leben wahrgenommen. In diesen Monaten hat er regelmäßig in dem kleinen, verfallenen Kirchlein von San Damiano vor dem berühmten Kreuz gebetet. Ich bete das Gebet immer am Beginn meiner stillen Zeit. Vielleicht kann es auch ihnen eine Hilfe sein, um eine neues, weites Herz zu beten – um ein Herz nach dem Herzen Jesu.

Altissimo glorioso Dio,
illumina le tenebre de lo core mio
et da me fede diricta,
sperança certa e caritade perfecta,
senno et cognoscemento,
Signore,
che faça lo tuo santo
e verace commandamento. Amen.

Höchster, glorreicher Gott,
erleuchte die Finsternis
meines Herzens
und schenke mir rechten Glauben,
gefestigte Hoffnung
und vollendete Liebe.
Gib mir, Herr,
das rechte Empfinden und Erkennen,
damit ich deinen heiligen
und wahrhaften Auftrag erfülle.
Amen.

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