Sonntag, 11. März 2018

Predigt am 4. Fastensonntag

Markus Beranek, Pfarrer von Stockerau und weiteren vier Pfarren des Pfarrverbandes Am Jakobsweg Weinviertel, predigte heute am 11. März zum Thema des Evangeliums. Bei der Familienmesse um 9:30 saßen viele Kinder rund um ihn und der Herr Pfarrer präsentierte ihnen einen Rucksack voller Lasten - von Scherben bis zu Schulheften - der wirklich schwer war. Die Kirchenbesucherinnen und -besucher schrieben dann auf Zettel eine schwere Last, die sie gerade drückt. Diese Lasten wurden eingesammelt und in einem Rucksack zu Jesus ans Kreuz gebracht. Ein schönes Bild, wie er unsere Lasten trägt und zumindest mitträgt. Hier finden Sie die Texte des heutigen Tages, am Ende auch das heutige Evangelium, auf das sich die Predigt bezieht.

Und um 11 Uhr stellten sich dann in der Kirche die rund 100 Erstkommunionkinder des Jahres 2018 in einem Wortgottesdienst vor.

Predigt 4. Sonntag der österlichen Bußzeit
In Jerusalem hat Jesus mit dem Hinauswurf der Händler aus dem Tempel kräftig für Gesprächsstoff gesorgt und sich auch ganz schön Gegner gemacht.
Das hindert einen frommen Juden, Nikodemus, aber nicht daran, Jesus aufzusuchen. Er tut es heimlich, in der Nacht. Er ist kein Jünger Jesu, aber er bleibt Jesus sein Leben lang verbunden und wird ihn auch im Hohen Rat verteidigen und schließlich federführend bei seinem Begräbnis beteiligt sein.
Mir scheint, Nikodemus ist so eine Gestalt, von der wir uns auch heute bei der Hand nehmen lassen können um auch in unserer Dunkelheit des Glaubens, also mit unseren Fragen und Zweifeln auf die Suche zu gehen, wer dieser Jesus ist.
Johannes schildert uns ein ausführliches Gespräch mit Jesus. Es ist so etwas wie ein Express-Kurs des Glaubens von dem wir heute im Evangelium nur den zweiten Teil hören. Glauben das heißt: von der völlig anderen Logik und Lebensweise Jesu erfasst werden – Johannes nennt das „Neugeboren werden“. Aber was heißt das? Es braucht uns nicht peinlich zu sein, wenn uns das zu hoch, weil es auch nicht Nikodemus versteht.
Und dann schaut Jesus nach vorne hin zu seinem grausamen, brutalen Tod am Kreuz. Aber dieser Tod am Folterwerkzeug erscheint bei Johannes auch in einem anderen Licht. Jesus greift dazu zurück auf die Erzählung des Volkes Israel von der Wanderung durch die Wüste. Dort wird das Volk von einer fürchterlichen Schlangenplage heimgesucht. Aber: wer zu der bronzenen Schlange aufschaut, die Mose gemacht hat, der bleibt am Leben. Jesus setzt sich zu dieser Schlangenskulptur des Mose in Beziehung. Das Kreuz wird aufgerichtet, Jesus wird am Kreuz emporgehoben, erhöht. Und zugleich ist „erhöht werden“ ein typisches Wortspiel des Johannes. Jesus ist weit mehr als die Schlange, die Mose in der Wüste an einer Stange befestigt hat. Erhöht werden steht auch dafür, dass Jesus zu seinem Vater heimkehrt – dass der Weg zum Kreuz nicht Untergang und Zerstörung, sondern Leben, Neubeginn und Aufatmen bedeutet.


Für mich selbst war es in den letzten Jahren eine erstaunliche Entdeckung, dass mir gerade dieser verwundete, geschundene, blutige Jesus am Kreuz so nahe gekommen ist. Wenn ich mich selber verwundet erlebe, wenn ich an meine Grenzen stoße, wenn ich an meinen Fehlern leide, wenn ich schlecht aufgelegt bin: immer wieder erlebe ich, wie der Blick auf den Gekreuzigten Jesus mich tröstet, meine Seele nährt, sich für mich anfühlt wie eine Heilsalbe, die ich auf die aufgeschundene Haut auftrage. Meine Verwundungen bleiben – aber ich entdecke, dass es nicht darum geht perfekt und fehlerfrei zu sein, sondern dass meine Wunden und Fehler mich ermutigen, mich selber dem verwundeten Jesus anzuvertrauen – und das führt auch unweigerlich dazu, einen anderen Blick auf die Wunden anderer Menschen zu haben. Ich glaube, wer wirklich einen geistlichen Weg gehen will kommt nicht herum, verwundet zu werden oder zu seinen Wunden - seinen Grenzen, Fehlern, Einseitigkeiten zu stehen. Das heißt kräftig drunter zu leiden und das heißt genau dort vom gekreuzigten Herrn berührt und umarmt zu werden.
Nikodemus kommt in der Nacht und er tappt im Dunkeln. Nikodemus lernt im Blick auf Jesus seiner Sehnsucht zu folgen. Seine ganze Logik stellt sich auf den Kopf und er kommt von Jesus nicht mehr los.

Das wünsche ich ihnen: sie dürfen sich schwer tun mit dem Kreuz, sie dürfen mit dem Herrn Jesus am Kreuz hadern. Sie dürfen sich auch mit den Wunden ihres Lebens schwer tun und darunter leiden. Aber ich wünsche ihnen, dass sie von diesem verwundeten und gekreuzigten Jesus nicht mehr loskommen sondern vielmehr Schritt für Schritt entdecken, wie sehr uns dieser verwundete Jesus im Verwundetsein unseres Lebens nahe ist, tröstet, aufrichtet und im Angesicht aller dunklen Erfahrungen erst recht lebendig werden lässt.

Fotos: Sigi Braunsteiner

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