Montag, 26. Februar 2018

Orgel am Sonntagabend

Die nächste Orgelmesse ist schon wieder nahe. Am 4. März 2018 um 18:30 spielt Beate Kokits bei der Abendmesse. Alles Weitere steht auf dezentem Pink am Plakat:



Zum Eingang
Johann Sebastian Bach (1685-1750): Choralvorspiel „Liebster Jesu, wir sind hier“

Sein sogenanntes Orgelbüchlein hat Bach wohl schon zu Beginn seiner Amtszeit als Organist und Kammermusiker am herzoglichen Hof in Weimar (1708 bis 1717) konzipiert; er legte ein neunzigseitiges querformatiges Buch an und trug bereits alle Titel der 164 geplanten Choräle ein, wobei er schon festlegte, ob sie jeweils eine oder zwei Seiten zu sechs Zeilen umfassen würden. 46 Stücke hat er ausgeführt; sie sind oft kurz gehalten und von hohem künstlerischem Anspruch in ihrer dichten Kontrapunktik und ausdrucksstarken musikalischen Sprache.

Bach setzte den Titel erst um 1720 hinzu; er lautet:
Orgel = Büchlein
Worinne einem anfahenden Organisten Anleitung gegeben wird, auff allerhand  Arth einen Choral durchzuführen, anbey auch sich im Pedal studio zu habilitiren, indem in solchen darinne befindlichen Choralen das Pedal gantz obligat tractiret wird.

Zwischen den Lesungen
J. S. Bach: Choralvorspiel „Da Jesus an dem Kreuze stund“

Auch diese Choralbearbeitung entstammt dem Orgelbüchlein. Sie ist ein eindrucksvolles Beispiel musikalisch-theologischer Textausdeutung, was man freilich beim einmaligen Hören kaum zur Gänze erfassen kann: In der Sechzehntelbegleitung der Mittelstimmen findet sich sehr häufig ein „Kreuzmotiv“ aus vier Noten, deren erste und vierte gleiche Höhe haben, die zweite liegt tiefer, die dritte höher, so dass eine gedachte Linie zwischen der ersten und vierten Note und eine weitere Linie zwischen dem zweiten und dritten Ton die beiden Balken des Kreuzes symbolisieren. Die Choralmelodie liegt in der Oberstimme und ist kaum ausgeziert, während die Pedalstimme mit ihren absteigenden synkopierten Noten Jesu Hängen am Kreuz versinnbildlicht.

Zur Gabenbereitung
J. S. Bach: Choralvorspiel „O Lamm Gottes, unschuldig“

Auch dieser Orgelbüchlein-Choral zeigt eine tiefempfundene Ausdeutung des Liedtextes: Aus der Tonfolge der Liedmelodie beim Wort „getragen“ („all Sünd hast du getragen“) gewinnt Bach die in „Seufzerketten“ absteigende Motivik, die in der ersten und der dritten Stimme teils imitierend, teils parallel geführt wird und das Tragen einer schweren Last suggeriert; sie umspielt die kanonisch im Quintabstand in der zweiten Stimme und im Pedal liegende Liedmelodie – kontrapunktisch meisterhaft und dabei von höchster melodischer Ausdruckskraft.

Zur Kommunion
Josef Gabriel Rheinberger (1839-1901): Choralbearbeitung „O Haupt voll Blut und Wunden“

Die Choralmelodie liegt im Bass, die beiden Manualstimmen darüber wirken wie miteinander verflochten, durch das ganze Stück hindurch ist in ihren Linien die Dornenkrone Jesu präsent.
In Vaduz geboren, kam Rheinberger als Zwölfjähriger für seine musikalische Ausbildung nach München, wurde mit 19 Jahren Dozent für Klavier, später auch für Orgel und Komposition am dortigen Konservatorium. Als Kompositionslehrer war er eine Kapazität von internationalem Rang, zu seinen Schülern zählten unter anderen Max Bruch, Engelbert Humperdinck, Richard Strauss und Wilhelm Furtwängler.

Zum Auszug
J. G. Rheinberger: „Vision“

Die zu Beginn vorgestellte Melodie erscheint im Verlauf mehrere Male in verschiedenen Tonarten, dazwischen stehen betont akkordische Takte. Mit seinen warmen Harmonien strahlt dieses freie Stück Trost und Zuversicht aus.

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