Sonntag, 31. Dezember 2017

Predigt am Sonntag der Familie

Heute predigte Manfred Plattner, Pastoralassis tent in Stockerau, in den Sylvestersonntagmessen über die Hl. Familie und entpuppte sich als großer Fan des Stiefvaters Josef. Er hat sich auch bei der Krippe den Josef ausgeborgt , der jetzt auf dem Ambo steht.  Hier ist seine Predigt:

Mein Augenmerk am Fest der Heiligen Familie möchte ich heute auf eine Person lenken, die eher im Schatten steht, von der nicht viel erzählt wird. Trotzdem ist diese Person maßgeblich am Geschehen in dieser Familie Jesu beteiligt. Es ist jene Gestalt in der Krippe, die heute fehlt. Ich hab sie zu mir genommen: es ist JOSEF. Er war sozusagen der Stiefvater Jesu.

Im Hebr. bedeutet der Name Josef: Gott möge [noch andere Kinder] hinzufügen). Verlobt mit einem Mädchen, das von einem anderen geschwängert wird - darauf stand zur damaligen Zeit von Rechts wegen die Todesstrafe (denn Verlobung galt als Heiratsversprechen). Das Recht war eindeutig auf Josefs Seite. Er wollte die Verlobung aber heimlich lösen, um Maria nicht zu schaden, und um nicht von anderen gedemütigt zu werden. Im Traum erscheint ihm aber ein Engel und stimmt ihn um:
Zuerst war da sicher eine tiefe Enttäuschung von seiner Geliebten - aber dann sollte er sie aus ihrer Not retten, eine Umpolung von Demütigung in Rettung.
Wer bringt das wohl aus eigener Kraft zustande?
Ob Josef das auch gleich auf Anhieb verstanden hat - wohl nicht ganz.
Aber statt seine Verlobte seinerseits zu demütigen, gewinnt er nach und nach Wertschätzung Maria gegenüber. Die Botschaft des Engels hat ihm etwas aufgeschlossen, ihm Zugang zu einer anderen Kraft gegeben. Er hat sich wie Abraham, Simeon, Hannah ... durch ein spirituelles Geschehen auf einen Weg eingelassen, der ihn tiefer geführt hat und verstehen ließ:
  • Er lernt Marias Größe schätzen und zu fördern. 
  • Er unterstützt Maria in ihrer Mission, ihrem Geheimnis, ihrem Auftrag 
  • Er beherrscht Maria nicht (wie damals üblich), sondern tritt in den Hintergrund, wo sie ihren Freiraum bekommt, den sie braucht.
Andere haben sich wohl lustig über seine Weichheit gemacht, weil es so aussieht, als wolle Maria ihm überlegen sein, aber:
  • Er bezähmt diese Befürchtung. 
  • Er stutzt nicht die Entfaltung seiner Frau, die anders ist, als seine Entwicklung. 
  • Er ist nicht neidisch wegen ihrer Vorzüge, sondern freut sich über ihr Entscheidung, über ihr Leuchten.
Und genau damit wird Josef zu einem reifen Mann und Vater:
Auch er hat der inneren Stimme Gehör geschenkt und hat die Wucht des Missverstehens umgeschmolzen in die Kraft der Wertschätzung. Er hat Marias Mission ermöglicht und ist daran selbst gereift und stark geworden - als Mann, als Familienvater.

Aber damit es mir nicht wie dem kleinen Fritz ergeht, bring ich jetzt den lieben Josef lieber zurück in die Krippe. Sie kennen die Geschichte?

Der kleine geht vor dem Heiligen Abend in die Kirche und macht sich an der dort aufgestellten Weihnachtskrippe zu schaffen. Der Pfarrer beobachtet ihn unbemerkt dabei, sagt aber nichts. Nachdem Fritz wieder gegangen ist, schaut sich der Pfarrer die Krippe an und stellt fest, dass Fritz den Josef mitgenommen hat.
Am nächsten Tag erscheint Fritz wieder in der Kirche. Er geht wieder zur Krippe und nimmt etwas weg. Der Pfarrer beobachtet ihn, sagt aber wieder nichts. Nachdem Fritz wieder gegangen ist, schaut sich der Pfarrer die Krippe an und stellt fest, dass Fritz die Heilige Mutter Maria mitgenommen hat.
Jetzt wird´s dem Pfarrer aber zu bunt und er beschließt, Fritz am nächsten Tag auf frischer Tat zu ertappen. Am nächsten Tag kommt Fritz wieder, geht zur Krippe, nimmt allerdings nichts weg sondern legt einen Brief in die Krippe. Der Pfarrer beobachtet dies wieder und wartet erst einmal ab. Fritzchen geht wieder.
Der Pfarrer geht zur Krippe, nimmt den Brief und öffnet ihn. Darin steht Folgendes geschrieben: Liebes Christkind! Wenn Du mir dieses Jahr wieder kein Mountainbike zu Weihnachten schenkst, siehst Du Deine Eltern nie wieder!


Ja in unseren weihnachtlichen Familienbegegnungen versuchen wir Freude durch gemeinsame Zeit und Geschenke zu bereiten. Das ist auch schön und macht Freude.
Wir können viel machen und vorbereiten, aber dieses Licht, das da kommt, das "machen" nicht wir - auch nicht durch noch so perfekte Vorbereitungen.
Weihnachten kam nicht durch Vorbereitungen von Menschen, sondern weil Gott wollte, dass Weihnachten wird. Ja, Menschen haben mitgewirkt, haben Ja gesagt zu diesem Licht. Aber das eigentliche Licht von Weihnachten besteht darin, dass Gott es ist, der uns so nahe kommt, wie nie zuvor. Seine Liebe bekommt Hände und Füße, ein Gesicht. Vor diesem Gott mit Menschengesicht ist Platz für jeden, für alle.
Und es kommen auch viele: die Zufriedenen, die Überarbeiteten, die Genervten, die vom Leben Enttäuschten, die Sehnsüchtigen, die Gescheiterten, die, die Angst haben, die Zweifler, die Frommen, die Kinder, die Alten, die Familien... um die Krippe herum scharen sie sich alle, Menschen, sogar Tiere, und sie merken: GOTT KOMMT GANZ NAHE.

Er kommt auch in deine Familie. Ganz gleich wie friedlich oder unleidlich es derzeit auch ist oder war. Er kommt zu uns, zu dir. Wie bei Josef schmilzt er unser Unverständnis in die Kraft der Wertschätzung füreinander. Das Kind berührt, es öffnet Augen, Mund und Herz. Christus der Retter IST DA!

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