Samstag, 26. August 2017

Franz von Assisi: Das Leben eines Unangepassten

Wir sind auf der Heimreise von Assisi irgendwo bei Ferrara und können auf eine wunderbare Woche zurück blicken. Folgenden Zeilen sind in Assisi entstanden, die unseren Lesern nicht vorenthalten sein sollen.

Wir haben in den vergangenen Tagen versucht den Pfaden von Franz und auch Klara zu folgen und ihnen näher zu kommen. Zweifellos sind die vielen besuchten Orte, die Impulse, das gemeinsame Gebet und Gespräch wichtige Hilfsmittel dazu. Und doch können die an den Grabstätten vorbeiziehenden Menschenschlangen, die kunsthistorisch aufbereiteten und gedeuteten  Fresken, die tausendfach dupplizierten Damianokreuze und Tau-Anhäger den Blick verstellen oder zumindest vernebeln. So ist das halt, wenn wir, eingebettet in unsere Lebensgewohnheiten, durchschlendern.

Sehr berührt hat mich die Bibelstelle rund um die Frage "Was muss ich darüber hinaus noch tun, um ins Himmelreich zu kommen?" sowie die Antwort, alles zu verkaufen, hinter sich zu lassen und nachzufolgen. Franziskus hat dies mit aller Konsequenz gemacht. Ohne Rücksicht auf Verluste. Er, der Stolz und die ganze Hoffnung des Vaters, schlägt diesen vor den Kopf und gibt ihm all seinen Besitz, ja sogar seinen Namen zurück. Wie sehr war es zu jener Zeit wichtig, dass der Name weiter geht, dass man ihn zur Ehre der Ahnen weiter führt. Heisst es nicht in der Bibel "Du sollst Vater und Mutter ehren"?

Der Weg von Franziskus lässt sich davon nicht dominieren. Er folgt dem Ruf Jesu. Denn die Achtung von Vater und Mutter muss sich einbetten in der Achtung der Würde aller Menschen. Eben ohne Wenn und Aber, radikal in seiner Konsequenz.

Können wir Franziskus in dieser Radikalität folgen? Denn Parallelen zu heute gibt es genug. Auch heute leben wir in einer Zeit des Umbruchs, in der sich verändernde gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedingungen Gewinner und Verlierer hervorbringen. Etwa in der Zeit nach dem Fall des eisernen Vorhangs, in der man mit billiger Arbeitskraft aus dem Osten seine Angehörigen pflegen oder sein Haus sanieren konnte. Oder in der Zeit der Flüchtlingsstöme, die ihre Ursache hat in der Ausnutzung jener Weltgegenden, um unsere Konsumbedürfnisse zu befriedigen. Bräuchten wir da nicht auch einen Sohn wie Franziskus, der die Stoffballen unseres angehäuften Wohlstandes unter die Armen verteilt? Müssen wir nicht dankbar und stolz auf solche Söhne sein?

Der Weg für uns kann ein Weg der kleinen stetigen Schritte sein. Das fängt damit an, Menschen wie Franziskus, die es auch heute gibt, als Vorbilder und nicht als Wirklichkeitsfremde zu sehen. Dies ehrlich gedacht kann schon Vieles bewirken. Denn dann werden wir diesen Weg automatisch unterstützen, dann werden wir dazu Mut machen, dann können wir ein Stück dieses Weges mitgehen.

Franziskus war von der Liebe derart stark eingenommen, dass sonst kein Platz war. Die Leitung "seiner" Bewegung wurde jemand anderem übertragen, er wurde nie zum Priester geweiht, er hatte nichts über für honorige Ämter. Dies kann vielleicht auch ein Hinweis für das Heute sein, wenn es darum geht, ob man den Zugang zum Priesteramt öffnen soll. Der Glaube ist keine Karriereleiter in den Himmel.

Und noch was können wir von Franziskus lernen. Die Vertiefung im Glauben bedeutet nicht, dass wir in irdischen  Maßstäben tüchtiger werden (als die anderen). Denn das ist oftmals eine Sache der Darstellung. Gott aber kennt die Regungen und Gedanken in unserem Innersten. Franziskus ging es nicht um die gute Vermarktung seiner Anliegen, sondern er folgte einfach dem Ruf aus seinem Herzen.

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