Samstag, 1. April 2017

Wozu brauch ma das?

Wir haben den Pfarrer des neuen Pfarrverbandes Am Jakobsweg-Weinviertel Markus Beranek gebeten, uns zu sagen, warum so eine neue Struktur in unserer Kirche sinnvoll ist. Lesen Sie hier seine Antwort:

Wir leben in einer Zeit wo viele Menschen sehr mobil sind: sie pendeln zum Arbeitsplatz, verbringen ihren Urlaub im Ausland, studieren in einem anderen Land. Menschen sind in ihren Lebensstilen auch im ländlichen Bereich immer unterschiedlicher. Deshalb ist es unverzichtbar, dass auch die einzelnen Pfarren über den Kirchturm hinausschauen. Im Pfarrverband ist etwa eine größere Vielfalt an Gottesdiensten möglich, wie wir es derzeit z.B. bei Familienmessen, Jugendmessen oder einem klassischen Hochamt zu Ostern erleben. Eine große Chance und zugleich Herausforderung des Pfarrverbandes wird es sein, der Unterschiedlichkeit der Menschen in diesem Gebiet zu begegnen und ihnen einen Zugang zur kirchlichen Gemeinschaft zu erleichtern.

Zugleich geht es darum, dass Kirche in den einzelnen Pfarren, Filialgemeinden, Stadtteilen lebendiger wird, dass viele Menschen in ihrem Bereich im Kleinen Verantwortung übernehmen. Auch wird es eine große Vielfalt brauchen: da eine Bibelrunde, dort ein Gebetskreis, hier Menschen die sich aus dem Glauben in der Flüchtlingsarbeit engagieren, dort einige, die beruflich gefordert sind und sportliche Betätigung und christliche Spiritualität bewusst miteinander verbinden. Der Pfarrverband ist hier so etwas wie eine Lerngemeinschaft, damit nicht jeder das Rad neu erfinden muss.

Der Pfarrverband erleichtert es dort, wo es Sinn macht, Dinge gemeinsam zu tun. Schon jetzt etwa ist das Pfarrbüro Stockerau Anlaufstelle für drei Pfarren (und die Bürostunde vor Ort gibt es nach wie vor). Wenn es ein Vorteil ist, könnten einzelne Bereiche der Sakramentenvorbereitung  oder Angebote wie Exerzitien im Alltag, Jugendprojekte  etc. gemeinsam für mehrere Pfarren organisiert werden.
Hauptamtliche MitarbeiterInnen und Geld werden in den nächsten Jahren knapper werden (mit und ohne Pfarrverband). Der Pfarrverband ermöglicht es, diese Herausforderungen gemeinsam anzugehen. Schon jetzt sind einzelne Hauptamtliche in mehreren Pfarren im Einsatz und können dort auch gezielter ihre Fähigkeiten und Schwerpunkte einbringen.

Vieles was uns kirchlich durch lange Zeit hindurch vertraut war, wird sich in den nächsten Jahren aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklungen verändern. Als Christen werden wir viel zunehmend von einer Mehrheitskirche in eine Minderheitssituation kommen. Das ist auch ein schmerzhafter Trauerprozess. Zugleich macht mich aber der Blick in die Bibel und die Erfahrung der jungen Kirche hoffnungsvoll. Diese ganz kleinen Gemeinden haben  trotz kräftigem Gegenwind eine gewaltige Ausstrahlungs- und Anziehungskraft entwickelt. Was wir tun können ist gemeinsam nachdenken, suchen, ausprobieren und beten. Wir werden Fehler machen und lernen. Wir werden drunter leiden, wenn wir Dinge aufgeben und beenden müssen. Wir werden zeitweise der „guten alten Zeit“ nachtrauern. Aber ich hoffe, dass wir in zehn Jahren sagen können: es war gut, dass wir uns damals auf den Weg gemacht haben.

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