Sonntag, 2. April 2017

Predigt zum 5. Fastensonntag

Predigt von Pfarrer Markus Beranek am 5. Sonntag der österlichen Bußzeit

Hier können Sie das Evangelium lesen, über das die Predigt gehalten wird.

Es gilt auch für diesen Sonntag: das Evangelium begleitet die Taufwerber auf ihrem Weg zur Taufe und es führt uns hin zu dem, was Christsein heißt. Die Antwort scheint ganz schnell zu gehen: Christsein heißt, dass wir darauf hoffen, über den Tod hinaus von Gott zum Leben erweckt zu werden. Das ist nicht falsch. Nur darum geht es in diesem Evangelium nicht. Der Glaube an ein Weiterleben nach dem Tod ist für die allermeisten Zeitgenossen Jesu eine Selbstverständlichkeit.
Lazarus wird zum Leben erweckt und anders als Jesus bei seiner Auferstehung kehrt er in sein irdisches Leben zurück.
Wieder ist das Evangelium eine Symbolgeschichte für uns und unser Leben. Das Grab, in dem Lazarus liegt, steht für all die Situationen in unserem Leben, wo wir uns wie tot, leblos und ohne Perspektiven erleben. Diese Situation charakterisiert Paulus in der Lesung aus dem Römerbrief dass wir „vom Fleisch bestimmt“ sind. Fleischlich meint nicht unseren Körper, sondern eine Dynamik der Enge, wo wir in unserer kleinen Welt gefangen bleiben. Wer vom Fleisch bestimmt ist, ist wie tot: das sind Situationen, wo Menschen einander nicht vergeben können, wo wir an unseren Fehlern verzweifeln, wo wir uns resigniert vor der Not der Welt zurückziehen.
Getauft werden, so erschließen uns der Römerbrief und das Johannesevangelium, heißt dass wir uns aus diesen dunklen Löchern herausrufen lassen. Gott will, dass wir lebendig sind und deshalb schenkt er uns seinen guten Geist. Dieser Geist ist Weite, Großmut, Vertrauen, er bewirkt, dass wir uns lebendig fühlen, dass wir Freude am Leben haben, dass wir diese Freude mit anderen teilen. Es ist ein Auferstehen, das mitten im Leben stattfindet. Es ist ein Hinwachsen in die neue Dynamik Jesu, die Angst und Enge überwindet und innerlich frei macht. Paulus etwa hat auf diesem Weg unzählige kleine Tode erlitten. Er war vielen Gefahren ausgesetzt, konnte mitunter sehr cholerisch werden – aber er hat sich an der Großzügigkeit Gottes immer wieder aufgerichtet und neu gefreut.



„Nur wenige Menschen ahnen, was Gott aus ihnen machen würde, wenn sie sich seiner Führung ganz überließen“ sagt Ignatius von Loyola. Damit meint er einen Menschen, der diese lebendigmachende Kraft Gottes in seinem Leben ausgiebig zum Zug kommen lässt. Das ist der Weg, der aus den Gräbern unseres Leben herausführt.

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