Montag, 17. April 2017

Predigt vom Ostersonntag

Immer wieder bringen wir den Text einer Predigt unseres Pfarrers Markus Beranek. Heute die Predigt vom Ostersonntag.

Predigt von Markus Beranek vom Ostersonntag, 16.4.2017


Was die Auferstehung Jesus bedeutet war auch schon für die ersten Christen nicht einfach zu verstehen. Maria von Magdala, Petrus und Johannes und den anderen Frauen und Männern aus dem Umfeld Jesu saß die Erschütterung über seinen Tod tief in den Knochen. Erst langsam haben sie sich mit dem Gedanken vertraut gemacht, dass Jesus lebt. Das war nicht zuerst eine intellektuelle Erkenntnis, sondern eine starke Erfahrung, der Gegenwart Jesu, die den Alltag verändert hat.

Natürlich hatten auch die frühen Christen die Hoffnung, dass sie eine Zukunft über den Tod hinaus haben – aber die haben sie mit den allermeisten ihrer jüdischen Zeitgenossen geteilt und auch mit sehr vielen anderen Menschen.  Die Gegenwart des auferstandenen Jesus aber hat ihren Alltag grundlegend verändert.

Ein Beispiel hören wir in der Lesung aus der Apostelgeschichte. (Das 10. Kapitel erzählt uns, dass Petrus durch ein starkes Erlebnis im Gebet zu der Erkenntnis kommt, dass es der Auftrag Gottes ist, den heidnischen Hauptmann Kornelius zu taufen. Dieser Schritt ist bemerkenswert. Denn die ersten Christen sind Juden und sie gehen zunächst davon aus, dass die Botschaft des Juden Jesus zu allererst dem jüdischen Volk gilt. Die Taufe des Kornelius durchbricht dieses bisherige Denken. Petrus und später mit allem Einsatz der Apostel Paulus entdecken, dass die Botschaft der Bibel hinausdrängt und alle Menschen umfasst. Petrus und Paulus erfahren die Gegenwart des Auferstandenen, indem sie ihre gewohnten Denkmuster überwinden. Dieser Schritt löst für sie schließlich nicht Angst, sondern Staunen über das Wirken des Heiligen Geistes aus.)

Anlässlich der Taufe des Kornelius hält Petrus eine leidenschaftliche Predigt, aus der wir in der Lesung einen Ausschnitt gehört haben. Ganz kurz fasst er dort zusammen, was ihm an Jesus wichtig ist. Er ist gestorben, er ist auferstanden, er schenkt uns die Vergebung der Sünden. (Wenn von Sünde die Rede ist, dann kommt nochmals das Thema der Begrenzung in den Blick.) Sünde heißt, unter seinen Möglichkeiten zu bleiben. In sich selbst gefangen zu bleiben. Die Sünde ist das graue Land der Leblosigkeit, wo wir in unseren Denkmustern, Gewohnheiten und Querelen des Alltags stecken bleiben. Sünde ist, wo keine Entwicklung passiert. Sündigen macht – ganz entgegen einer weit verbreiteten Meinung - das Leben langweilig. Sünde ist wirksam, wenn wir bei unseren Defiziten stehen bleiben und uns unsere eigenen Fehler immer wieder blockieren. Wenn uns Jesus die Vergebung der Sünden schenkt, dann hilft er uns über uns hinauszuwachsen. Vergebung der Sünden verschiebt unsere Grenzen. Die ungeliebte Nachbarin kann ich auf einmal mit neuen Augen sehen. Eine alte persönliche Fehde kann ich begraben, weil sie absurd geworden ist. Eine kleine, unspektakuläre Entschuldigung. Ich kann meine Stärken entfalten und brauche meine Defizite nicht zu verleugnen. Und mit jedem dieser Schritte fällt eine Mauer, die mich einengt, die mir Lebenskraft nimmt. Hier strömt die Weite der Auferstehung in den Alltag herein. Totes in unserem Leben wird lebendig. Auferstehung geschieht aus den vielen kleinen Toden unseres Lebens.

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