Sonntag, 26. März 2017

Predigt vom 4. Sonntag der österlichen Bußzeit

Pfarrer Markus Beranek's Predigt vom 4. Sonntag der österlichen Bußzeit

Die Evangelien dieser Sonntag der österlichen Bußzeit begleiten ganz besonders auch die Menschen, die sich auf die Taufe vorbereiten. Immerhin, heuer sind es ca. 240 Erwachsene in unserer Diözese, die zu Ostern und in den Wochen danach getauft werden. So will auch das heutige Evangelium hinführen zu dem, was Glaube bedeutet.
Das Johannesevangelium erzählt uns eines der „Zeichen“ Jesu: Die Heilung eines Mannes, der seit seiner Geburt blind ist. Am Ende kann er nicht nur mit den Augen sehen, sondern er kommt auch zum Glauben an Jesus. In dieser Bildsprache des Johannesevangeliums heißt „Glauben“ sehend werden. Auch die Bibel weiß, dass Glauben nicht selbstverständlich ist. Das Leid der Welt, die Erfahrung, dass Gott mitunter gerade dort nicht spürbar ist, wo wir ihn so sehr ersehnen würden, macht glauben nicht leichter. Aber manchmal ist es ja doch ähnlich bei Menschen, mit denen wir zusammenleben. Die haben auch mitunter ihre mühsamen und dunklen Seiten. Wenn man sie nur aus der einen Perspektive kennt oder nur einzelne Erfahrungen mit ihnen gemacht hat, wird man ihnen vielleicht aus dem Weg gehen. Mitunter entdecken wir aber im Laufe der Zeit ganz andere, liebenswerte Seite und auf einmal wird dann aus einem Mensch mit seinen Ecken und Kanten ein ganz kostbarer und wichtiger Mensch.
„Glaube“ ist so ein Weg des Kennenlernens, wo wir durch alles Dunkle und alle Hindernisse hindurch das Licht Gottes wahrnehmen lernen, das mitunter auch im Finstern leuchtet. Glaube bewahrt uns nicht vor den dunklen Erfahrungen, vor den vielen kleinen Todeserfahrungen des Alltags, aber er hilft uns, tiefer zu sehen und dran zu bleiben. Sehend werden hat auch etwas mit Übung zu tun. Es gilt, in all den vielen Gedanken, Eindrücken, Aufgaben und Herausforderungen eines Tages und unseres Lebens die Momente wahrzunehmen, wo sich in uns Trost, Freude, innerer Frieden und Zuversicht regen. Sehend werden braucht einen achtsamen Umgang mit uns selbst, mit unserer Seele, mit unserem Inneren.
So könnt es eine Hilfe sein, am Abend des Tages vor dem Schlafengehen ein paar Minuten lang, dem vergangenen Tag nachzuspüren und diese Momente des Trostes, des Friedens und der Freude wahrzunehmen. Vielleicht geht es uns dann manchmal wie dem Mann im Evangelium, dass wir stauend sagen „Ich glaube Herr!“

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