Sonntag, 19. März 2017

Gott will sich mit Ihnen treffen

Die Fastenpredigt des heutigen Sonntags (19. März) hielt einer unserer Pastoralassistenten, Geri Braunsteiner. Das Evangelium handelt vom Gespräch der samaritanischen Frau mit jesus am Jakobsbrunnen. So deutete Geri uns das Evangelium.

Geri B.
Die Geschichte von der Frau am Jakobsbrunnen ist eine Geschichte, die eigentlich an uns, an jeden von uns persönlich geschrieben wurde:
Gott will sich mit mir treffen! Gott will sich mit dir, mit ihnen treffen.
Stellen Sie sich das einmal vor, Gott will sich mit ihnen treffen, nicht mit dem Papst, nicht mit dem Bischof oder sonst jemandem, sondern mit ihnen – warum nicht! Wären wir dafür bereit, würden wir uns würdig genug empfinden?
Die Frau am Jakobsbrunnen hat sich jedenfalls nicht für würdig gefunden mit Jesus zu sprechen. Zum einen ist sie aus Samaria und Jesus ein Jude aus Judäa und das war damals ein Problem, weil die Juden nicht mit den Menschen aus Samaria verkehrten. Der Grund liegt in der Geschichte: Die Samaritaner leben auf dem Gebiet des Nordreichs, dem Gebiet der Israeliten, die Juden lebten im Südreich im Gebiet Juda.  Zu dieser Teilung kam es nach dem  Tod von König Salomo, dem Sohn Davids. Sein Sohn Rehabeam wurde König, er verhielt sich bei seinem Regierungsantritt aber sehr von oben herab und so spaltete sich das Reich. 10 Stämme bildeten das Nordreich, das Israel genannt wurde, und die restlichen zwei Stämme, Benjamin und Juda, blieben beim Hause Davids, das Südreich, das Juda genannt wurde mit dem Zentrum Jerusalem und dem Tempel.  Juda hielt Israel für ungläubig oder falsch glaubend, weil Israel gleich nach der Trennung eigene Kultstätten mit Stierstatuen aufgebaut hatte. Nach der Eroberung Israels wurden die meisten aus dem Volk verschleppt und andere Völker angesiedelt, der JHWH (Jahwe) Glaube hielt sich dennoch in Teilen der Bevölkerung, aber eben nicht in der Form wie ein gläubiger Jude es für richtig hielt.
Jesus steht offensichtlich über diesen Kategorien, er schaut nicht nur auf die Juden, auf sein Volk, auf seine Glaubensbrüder, oder heute nicht nur auf die Christen oder gar nur auf die Katholiken und bei denen nur auf die, die wirklich richtig glauben, was immer das auch ist.
Für Gott gibt es keine Religionsgrenzen oder Ländergrenzen. Er will sich mit uns Menschen treffen!
Dass die Samariter in den Augen der Juden einen falschen Glauben hatten, dessen war sich die Frau am Jakobsbrunnen bewusst, aber da war noch etwas, ihre ganz persönlichen "Leichen im Keller". Dass die Frau zur Mittagszeit zum Brunnen geht, ist unüblich, denn das ist die heißeste Zeit des Tages, da geht niemand gerne außer Haus, wenn sie das tut, dann kann der Grund nur darin liegen, dass sie beim Wasserschöpfen alleine sein will, nicht in Kontakt mit anderen kommen will. Wenn wir die Geschichte weiter lesen, hören wir bald den Grund, die Frau lebt mit dem 6. Mann zusammen, das ist in der damaligen Zeit ein Skandal. Das geht so gar nicht! Und Jesus weiß das, er spricht sie unverblümt auf ihren Mann an und zeigt ihr, dass er ihre Geschichte kennt, ohne Vorwurf, ohne Kritik. Er nimmt sie an wie sie ist, eine samaritische Frau, die bis jetzt nicht so gelebt hat, wie man es allgemein erwarten konnte.
Jesus will mit dieser Frau in Kontakt treten, Religionsausübung ist nicht so wichtig, Lebensführung ist nicht so wichtig - Mensch sein, das ist wichtig – Gott will zu uns Menschen, er will uns nahe sein – er will sich auch mit uns treffen!
Und Jesus spricht mit der Frau eben nicht über eventuelle falsche Religionsausübung oder über eine falsche Lebensführung, sondern er nimmt sie ernst und bittet sie zuerst um Wasser, nur um ihr dann viel mehr zuzusagen:
Das Wasser, das ich dir geben kann, macht dich nicht mehr durstig, viel mehr wird es in dir zur lebendigen Quelle, deren Wasser ewiges Leben schenkt.
Das Wasser mussten die Menschen damals mühsam täglich vom Brunnen holen, jeden Tag neu, um zu überleben. Wasser als Zeichen des Lebens, das mühsam erkämpft werden will. Die Antwort Jesus ist: wenn wir Gott in unser Leben lassen, dann werden wir selber zur Quelle, dieses Wasser können wir aber nicht selber schöpfen, es muss uns zugesagt, geschenkt werden – oder anders gesagt: wir können uns den Himmel nicht erarbeiten – wir müssen uns den Himmel nicht erarbeiten, er wird uns geschenkt!
Diese Erfahrung teilt auch Paulus im Brief an die Römer, er will ihnen und damit auch uns bewusst machen, dass Jesus für uns sein Leben gegeben hat, noch bevor wir irgendetwas für ihn tun konnten, noch bevor wir in irgendeiner Form JA zu ihm sagen konnten und trotz aller Fehler, die wir immer wieder machen. Jesus stirbt für uns am Kreuz! Wer von uns würde für jemanden anderen in den Tod gehen? Das müsste schon jemand sein, der für uns besonders wichtig und wertvoll ist – und Jesus stirbt für uns, für mich und für Sie – wie wichtig und wertvoll müssen wir wohl für Gott sein!
Wenn nun Gott zu uns kommt, zu mir, zu ihnen, zu jedem von uns, dann will er auch zu meinem Nachbarn kommen, zu meinem Arbeitskollegen, zu dem, der in der Bahn neben mir sitzt – dann sind wir alle für Gott wichtig und geliebt!
Gott geht auf uns Menschen zu, ohne Ausnahme, immer wieder zeigt uns die Bibel diese Zusage Gottes und auch heute noch will Gott zu uns kommen, in unsere Pfarre, zu jedem von uns, zu mir und zu ihnen!
Gott will sich mit dir, mit ihnen treffen, heute noch!


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