Sonntag, 5. März 2017

Eine Fastenpredigt über die Sünde

Predigt von Pfarrer Markus Beranek vom 1.Sonntag der österlichen Bußzeit - 5. März 2017

Ich glaube, wir müssen aufpassen, wenn wir von Sünde reden. Die Gefahr ist groß, dass damit Menschen niedergemacht werden. Wenn wir alle nur als Sünder gesehen werden, dann zieht das runter, dann verstellt das den Blick auf die Ressourcen, die in uns liegen.
Von „Sünde“ zu reden kann aber auch etwas sehr befreiendes haben. Wir merken es ja Schritt auf Schritt in der Welt aber auch in der Kirche und im Leben von Menschen, dass Dinge geschehen, die nicht gut, ja im Blick auf Kriege und Verbrechen ganz dramatisch sind.
Wenn Menschen von außen als „Sünder“ abgestempelt werden, so kann das etwas zutiefst entwürdigendes haben. Wenn Menschen mit großer Gelassenheit sagen können „ja, ich bin ein Sünder“ – dann kann das etwas unglaublich Entlastendes sein. Ein Mensch, der um seine Stärken weiß und sich nicht scheut etwas zu verändern und zu gestalten, tut gut daran, wenn er auch um seine dunklen Seiten weiß. Wenn ich um meine Schattenseiten weiß, wenn ich weiß, dass mich auch im Alltag diese Schattenseiten immer wieder einholen, dann wird es mir leichter fallen, zu lernen, dann wird es einfacher sein, mich einmal zu entschuldigen, dann werde ich gezielter darauf achten können, wo ich Unterstützung und Hilfe brauche. Ja noch mehr: wenn es in meinem Leben Erfahrungen gibt, wo ich weiß, dass war ganz falsch und wo ich aber die Erfahrung gemacht habe: genau an diesem wunden Punkt habe ich Gottes liebenden Blick erfahren, dann kann die Erfahrung von Sünde sogar zu einer lebendigen Quelle der eigenen Gotteserfahrung werden.
Wenn wir heute im Evangelium von der Versuchung Jesus hören, dann hat es etwas sehr tröstliches, dass auch Jesus mit den dunklen Seiten seiner Seele konfrontiert war. Ansehen und Macht können Menschen auf die falsche Spur führen. Die Kirchengeschichte hat oft genug gezeigt, wie Christen der Versuchung erlegen sind. Der heutige Sonntag ruft uns auch in Erinnerung: auch die Gemeinschaft der Christen, die Kirche, ist eine Gemeinschaft von Sündern, von Menschen, die unfertig sind, die am Weg sind, die wachsen und sich entwickeln können.
Man kann das auch als billige Ausrede missbrauchen. Die frohe Botschaft aber lautet: Dort, wo Menschen um ihre dunklen Seiten wissen, wo sie die Wunden und Defizite vor einander und vor Gott nicht verbergen, dort verliert die Sünde ihre Macht. Dort können wir mit unseren Stärken und Schwächen in der Nähe Jesu immer mehr befreite Menschen werden, die nicht an ihren dunklen Seiten verzweifeln, sondern im Licht Gottes leuchten. Amen.

Hier können Sie die tatsächliche Predigt in der Halbzehnuhrmesse nachhören. Planung und Realität müssen nicht immer zusammenpassen. Thats life. (Entschuldigen Sie die nicht besonders gute Qualität der Aufnahme, wir werden uns verbessern...).

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