Mittwoch, 1. März 2017

Die Aschermittwochpredigt

Predigt von Pfarrer Markus Beranek am Aschermittwoch
Die erste Lesung ist ungewohnt für den Aschermittwoch. 40 Jahre ist das Volk Israel durch die Wüste gewandert und nun ist der Zeitpunkt gekommen, in das von Gott Gelobte Land einzuziehen und den Jordan zu überschreiten. Der Durchzug durch den Jordan ist ähnlich gestaltet wie der Durchzug durch das Rote Meer. Gott, so will die Erzählung sagen, bahnt seinem Volk einen Weg durch alle Hindernisse hindurch.
Der Durchzug durch das Rote Meer ist ein Bild für unsere Taufe. Fast alle von uns haben sie vor langer Zeit als kleine Kinder erlebt. Was damals geschehen ist, das will an jedem Tag von uns als einzelnen Personen und als Kirche ins Leben übersetzt werden.
Die vierzig Tage der österlichen Bußzeit knüpfen an die 40 Jahre der Wüstenwanderung des Volkes Israel an. Die Zeit war notwendig als ein Prozess der Läuterung und des Bewusstwerdens. Denn zunächst hat die Angst das Volk daran gehindert, das Gelobte Land zu betreten. Wenn wir so viele tausend Jahre nach der Wüstenwanderung des Volkes Israel auch heute als Volk Gottes, als Kirche unterwegs sind, dann braucht es auch heute solche Phasen der Reflexion und der Besinnung. Denn auch als Kirche heute, als Erzdiözese Wien, als Pfarre Stockerau fallen wir immer wieder in den Trott des Gewohnten. Vieles läuft weiter, wie es immer war, nur es passt nicht mehr. Gleichzeitig merken wir das Ergebnis: dass viele junge Menschen – und nicht  nur sie – sich schwer tun ihren Platz in der Kirche zu finden. Dass viele Menschen ihre spirituelle Sehnsucht und Suche nicht mehr mit dem in Verbindung bringen, was in der Kirche passiert.
Die österliche Bußzeit will uns dazu helfen neu aufzubrechen, um das weite Land unseres Lebens neu zu entdecken, aber nicht nur das. Heuer lade ich aber ganz besonders dazu ein, dass die österliche Bußzeit auch für uns als Pfarre eine Zeit des Suchens, des Nachdenkens und Betens ist, wie wir im Bild gesprochen heute als Kirche über den Jordan gehen können.
Was müssen wir zurücklassen, weil die alten Gewohnheiten nichts mit unserem Auftrag zu tun haben?
Was sollen wir mitnehmen, weil es sich bewährt und auch weiterhin trägt?
Was gilt es neu zu entdecken, damit Glaube neu lebendig werden kann?
Eine kleine Gruppe in unserer Pfarre beschäftigt sich seit knapp 4 Jahren mit diesen Fragen. Wir sind an den Punkt gekommen, dass wir nicht nur hinter verschlossenen Türen reden wollen. Deshalb habe ich einen Brief an alle geschrieben, die regelmäßig oder hin und wieder zum Gottesdienst kommen. Ich bitte darum, dass wir gemeinsam nachdenken, wie wir als Pfarre Stockerau unser Kirchesein in dieser Zeit des Umbruchs und der Veränderung leben können.
Es geht um den Weg durch den Jordan. Es geht darum persönlich und gemeinsam Hindernisse zu überwinden. Es geht darum, dass wir das weite Land des Lebens entdecken, das Gott uns schenkt und in das wir mit vielen Menschen als Weggefährtinnen und Weggefährten unterwegs sind.
Ich bitte sie: lesen sie den Brief, der beim Ausgang aufliegt, reden sie darüber, denken sie persönlich nach, geben sie uns Rückmeldung.

Es geht darum, dass wir die Freude am Glauben persönlich tiefer entdecken und mit anderen teilen.

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