Sonntag, 26. Februar 2017

Können Sie kroatisch?

Heute hätten Sie in diese Sprache hineinhorchen können, denn um 9:30 feierte die kroatische Gemeinde den Gottesdienst mit. Und es gab einige kroatische Lesungen und Gebete, aber auch die zu Herzen gehenden kroatischen Lieder.

Ein paar Fotos mehr vom nachfolgenden Pfarrcafe finden Sie hier in unserem Album.

Pfarrer Markus Beranek predigte aber doch auf Deutsch und hier ist seine ganze Predigt:

Predigt 8. Sonntag im Jahreskreis von Pfarrer Dr. Markus Beranek

Viele der Tage des Apostels Paulus haben sich vermutlich in der Werkstatt abgespielt. Paulus stand gebeugt über seinem Webstuhl und ist bei der Arbeit wohl auch mit anderen Arbeitern ins Gespräch gekommen – nicht zuletzt über seinen Glauben. Die Apostelgeschichte nennt Paulus einen „Zeltmacher“. Das passt gut zu seiner Heimat Tarsus im südlichen Kleinasien, das ein Zentrum der Leinenproduktion war. Heute würden wir diese „Zelte“ eher „Markisen“ nennen, so eine Art Sonnenschutz über öffentlichen Plätzen und Gebäuden.
Paulus betont immer wieder, dass er von seiner Hände Arbeit gelebt hat, nur von den Christen in Philippi, seiner ersten Gemeinde in Europa, hat er finanzielle Mittel angenommen. In der heutigen Sprache heißt das: der Einsatz des Paulus als Apostel war ehrenamtlich. Es gab noch keine offizielle kirchliche Struktur im heutigen Sinn, wohl aber die Rückbindung zu den anderen Aposteln und zur Gemeinde in Jerusalem und vor allem in Antiochia, von wo aus er zur zweiten Missionsreise aufgebrochen ist.
Die heutige Lesung gibt uns nun Einblick, wie Paulus gegenüber der Christengemeinde in Korinth seine Rolle zu klären sucht Die entscheidende Legitimation für seinen Auftrag bezieht Paulus aber aus seiner intensiven Begegnung mit Jesus in der Nähe der Stadt Damaskus. Aus dieser Begegnung heraus klärt sich sein Selbstverständnis ganz grundlegend und er kann für sich und die anderen Glaubensboten sagen „als Diener Christi und als Verwalter von Geheimnissen Gottes soll man uns betrachten“. „Verwalter“ ist ein Begriff aus der Wirtschaft, einer der Geld oder Güter verwaltet. Paulus ist überzeugt, dass uns in Jesus eine unglaubliche Fülle eröffnet hat, die sich für die Gläubigen – also auch für ihn selbst – erst Schritt für Schritt erschließt. Verwalter sein heißt, dass ihm etwas zum Wohle anderer anvertraut wurde. Gott traut es seinem Geschick, seinen Worten, seinem Gespür zu, die Botschaft Jesu in stets neue Situationen hinein zu übersetzen. Paulus darf das nicht beliebig tun. Er erfährt freilich, dass er es nicht allen recht machen kann, dass ihn manche in Korinth beschuldigen und Vorwürfe machen. Er ist ja auch nur ein Mensch. Aber er sagt doch deutlich, dass er ein reines Gewissen hat, dass das letzte Wort aber bei Gott liegt.
Mir scheint in einer Zeit des Wandels, des Umbruches und vieler Veränderungen macht es tatsächlich auch Sinn, wenn jede und jeder dieses Wort „Verwalter“, oikonomos, auf sich selber übersetzt. Das, was ich von Gott begriffen habe, was sich aus meinem Glauben mir erschlossen hat ist mir anvertraut, damit ich es in mein Umfeld hinein fruchtbar mache –wie auch immer das genau aussieht. Dass Pfarre lebendig ist funktioniert dadurch, dass viele auf ihre Weise ihre Verantwortung erkennen und Kirche mitgestalten. Aber es geht natürlich um mehr: wie wir unseren Glauben in der Familie, im Beruf, in der Nachbarschaft leben, das beginnt damit, dass wir uns selber diese Zusage geben lassen: ja, auch du bist in dem Bereich wo du stehst VerwalterIn der Geheimnisse Gottes. Wenn ich etwas Kostbares entdeckt habe, werde ich es mit Menschen teilen die mir wichtig sind – so, wie es für sie passend ist.
Wenn ich das an Paulus zurückbinde, dann hat sein „Verwalter“ sein vermutlich ganz oft in der Werkstatt am Webstuhl beim Weben von großen Markisen begonnen. Er hat erzählt, warum er jetzt da ist. Dass er sich von Jesus gesendet weiß. Er hat erzählt von dem, was ihm Freude macht und was ihn mit Hoffnung erfüllt. Verwalter sein heißt Leben teilen, Hoffnung teilen – damals in Korinth und heute in Stockerau.

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