Samstag, 21. Januar 2017

Das Kreuz mit dem Kreuz

Auf unseren Bericht von den Einweihungsfestivitäten für das neurenovierte P2 - Pfarrzentrum gab es doch einige Kommentare (was in diesem Weblog eine sehr seltene Sache ist). Die neue Architektur fand Gefallen, das neue Kreuz im Eingangsbereich nicht. Das nahm unser Pfarrer Markus Beranek zum Anlass, seine Sicht dieses neuen Kreuzes eines Stockerauer Künstlers zu schildern. Hier ist sein Text.

„Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit; uns aber, die gerettet werden, ist es Gottes Kraft“ schreibt Paulus im 1. Korintherbrief (1 Kor 1,18). Es war tatsächlich für die ersten Christen schwer auszuhalten, dass der Messias auf so schändliche Weise am Kreuz gestorben ist. Das Kreuz ist ein grausames Folterinstrument. Jesu Tod am Kreuz steht dafür, dass Gott dem menschlichen Leid, das es warum auch immer in der Welt gibt, nicht ausweicht. Jesus geht in das Dunkel des Leides hinein, um Leid und Gewalt nicht durch neue Gewalt zu überwinden, sondern den Giftzahn der Gewalt durch seine Gewaltlosigkeit zu ziehen, durch seine Liebe alle Gewalt zu unterwandern. Ja, es bleibt tatsächlich eine Herausforderung, dass Jesus diesen Weg gegangen ist.

Was das neue Kreuz im Pfarrzentrum betrifft, ist mein persönlicher Zugang aber zuerst ein ganz anderer: Ich sehe darin vor allem zwei Weinstöcke, das erinnert mich daran, dass Jesus sich im Johannesevangelium (Joh 15,1-17) mit einem Weinstock vergleicht. Der Weinstock, gerade hier bei uns im Weinviertel, ist für mich ein ganz starkes Lebenssymbol. Jesus als der Weinstock erfüllt uns mit seiner Lebenskraft, das ist für mich ein sehr lebensfrohes Bild.

Mir scheint, dass das eine Chance von Kunst ist: Sie fordert heraus, sie eröffnet ganz unterschiedliche Sichtweisen und hilft mitunter zu den großen und zentralen Themen des Lebens vorzudringen.

Eine abschließende Einladung wäre, die verschiedenen Kreuze auch in und rund um die Kirche zu betrachten, die ganz unterschiedliche Akzente aufweisen – die einen gefallen mehr und die anderen weniger, aber deshalb könnten sie gerade in ihrer Vielfalt etwas vom Geheimnis des Kreuzes deutlich machen.

 Markus Beranek, Pfarrer

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