Freitag, 14. Oktober 2016

Ein Jahr Flüchtlinge in Stockerau

Wir haben in diesem online PfarrMagazin die Veranstaltung "Ein Jahr Flüchtlingshilfe in Stockerau" am 12. Oktober angekümdigt. In Facebook gibt es nun einen Bericht, gezeichnet mit Radha & Alex,   über diese Veranstaltung, den wir hier für alle nicht-Facebooker wiedergeben.

Professionalität, Warmherzigkeit, Zivilcourage.
Wo? In Stockerau natürlich!


Der gestrige Info- und Vernetzungsabend war geprägt von intensivem Austausch und großer Freude am gemeinsamen Arbeiten. Der Raum der Sonne im Veggie Bräu verlieh dem Zusammensein der ungefähr 50 – 60 Menschen eine besonders schöne Stimmung.

Von Ehrenamtlichen, Professionistinnen und Asylwerbenden wird berichtet, in welchen Bereichen sie sich in den letzten Monaten eingebracht haben und welche Erfolge unsere neuen Mitbürgerinnen und Mitbürger im Bereich der Integration erzielen konnten.


INTEGRATION DURCH KINDER- UND FAMILIENBETREUUNG
Lisa Pfeiler berichtet, wie die Kinder- und Familienbetreuung im ehemaligen Bezirksgericht in den letzten Monaten dank der ca. 20 Mitarbeitenden Form annehmen konnte. Von Spieleaktionen und Nähkursen, gemeinsamen Festen und täglicher Kinderbetreuung in der Kindergruppe Kunterbunt bis hin zu kulturellen Exkursionen, sportlichen Aktivitäten und Ausflügen in die Natur war das Jahr 2016 geprägt vom Kennenlernen der hiesigen Gemeinschaft und Gepflogenheiten. Negin, eine junge Bewohnerin des ehemaligen Bezirksgerichts unterstützt das Team beim Kinderprogramm. Sie dolmetscht und arbeitet im pädagogischen Umfeld mit.

DEUTSCHKURSE
Rosa Bankmann, unterstützt von Karl Kronberger, hat zu Beginn des Jahres begonnen, den Asylwerbenden im ehemaligen Bezirksgericht Deutschkurse anzubieten. Zahlreiche ehrenamtliche Lehrerinnen und Lehrer unterrichten seither in den mittlerweile sechs D-Kursen. Unsere neuen MitbürgerInnen sind sehr erfolgreich und haben im letzten Jahr große Fortschritte in Deutsch gemacht.

SPENDEN
Lisa und Rosa legen ihr ganzes Wissen und ihre große Motivation in die Projekte. Dank einiger Sach- und Geldspenden konnten notwendige Materialien und Projekte finanziert werden (z.B. Lehrbücher, Tafeln, andere Unterrichtsmaterialen, Exkursionen). Es wird ersucht, weiterhin zu spenden. Mit dem Geld können zusätzliche Lehrmaterialien angeschafft und Integrationsprojekte durchgeführt werden. (Kontakt dafür – siehe bitte weiter unten)

ANDERE PROJEKTE UND INITIATIVEN
Didi Pfeiler und Radha Kamath-Petters erzählen von weiteren Initiativen: Verkehrsschulung, Fahrradworkshops, Schul- und Kindergarteneinschreibung, der Einsatz für gemeinnützige Arbeit – das alles sind Beiträge für Stockerau, um die Selbstaktivität der Menschen und ein positives Miteinander innerhalb der Bevölkerung zu unterstützen. Majit, ein junger Mann vom Georg Danzer Haus, ist zur unerlässlichen Unterstützung bei verschiedenen Projekten geworden.

BESONDERER DANK
Besonderer Dank geht an die verschiedenen Vereine und SportlehrerInnen in Stockerau: ASKÖ, SportUNION, Naturfreunde, Pfadfinder, Naturschutzakademie, Alexandra Kick als Schwimmlehrerin, Markus Betz als Judolehrer, Martin Keiml als Sporttrainer, Nico Müller als unablässig Engagierte und viele, viele, viele mehr! Vielen Dank für finanzielle Beiträge und Sachspenden von Lionsclub, Kiwanis, den Pfarrgemeinden und der muslimischen Glaubensgemeinschaft.

HAUS IBRAHIM
Katrin Rother vom Haus Ibrahim (Einrichtung für junge Burschen) berichtet kurz über die aktuelle Situation: Die Burschen haben sich sehr gut in Stockerau eingelebt, haben schon viele Freunde gefunden und sind sehr fleißige Lerner. Jeder der Buben hat eine Patin oder einen Paten. Die Burschen leben wie in einem Familienverband: Sie kochen, lernen, spielen, waschen und putzen gemeinsam. Die meisten betreiben viel Sport. Es ist rund um die Uhr eine Betreuung anzutreffen. Michaela Matzinger erzählt über ihre Funktion als Patin: Das Patenkind Naser und ihre Familie unternehmen gemeinsame Freizeitaktivitäten, sie lernen Deutsch miteinander, sie kochen gemeinsam… Es ist unvorstellbar für Michaela und ihre Familie, Naser jemals wieder zu verlieren. Er ist Teil der Familie geworden.

SCHULEN
In den Volks- und Mittelschulen sind Kinder von asylwerbenden Familien aufgenommen worden. Es ist jeden Tag erkennbar, wie ihre Deutschkenntnisse zunehmen und das kulturelle Verständnis wächst. Es wird in den Räumlichkeiten der schulischen Tagesbetreuung 1 Mal pro Woche ein Raum für Mütter zur Verfügung gestellt, damit sie ihre Deutschkenntnisse in einem eigenen Sprachkurs erweitern können. Kinder werden in der Kreativ Mittelschule von Marianne Culik unterstützt Deutsch zu lernen, damit sie dem Unterricht in der jeweiligen Fachsprache besser folgen können. Wir bedanken uns bei Valerie Berger, Felizitas Kral, Marianne Culik und all den anderen Aktiven für ihren Einsatz an den Schulen!

KUNSTPROJEKT
Corinna Christian und Martin Draxler haben mit dem Fotoprojekt Metamorphose gestartet. Mehr verraten wir jetzt mal nicht. Wir sind begeistert und freuen uns auf die Präsentation im Sommer nächsten Jahres.

TERMIN
Am 7. November findet die Benefizveranstaltung "Künstler für Frieden" im Lenautheater statt. Es kommen viele interessante Künstlerinnen und Künstler (Musik, Literatur, Schauspiel) und präsentieren ihre Stücke. Gehen wir doch alle hin!

UNTERSTÜTZUNG für HELFENDE
Psychotherapeut Thomas Atzwanger unterstützt uns. Wer Hilfe braucht, hier sein Kontakt: atzwanger.praxis@aon.at

UND WEITER GEHT‘S
Die Projekte gehen weiter. Ziel ist es jetzt, weiterhin gut koordiniert zu sein und Ansprechpersonen zu haben. Sämtliche Projekte beruhen auf Ehrenamtlichkeit von engagierten BürgerInnen. Wenn du daran interessiert bist mitzumachen oder einfach nur mal reinschnuppern möchtest oder eine Aktivität anbieten willst, dann melde dich entweder bei Lisa Pfeiler (0664/4210603) oder Rosa Bankmann (0676/6384882). Oder du versuchst es bei der jeweiligen Einrichtung. Falls du daran interessiert bist, Patin oder Pate zu werden, melde dich bitte beim Haus Ibrahim.

Viele Ehrenamtliche haben sich zu Wort gemeldet und von ihrer Praxiserfahrung berichtet. Wir bedanken uns sehr für diesen umfangreichen Erfahrungsaustausch.

Radha & Alex

Eine Anmerkung sei gestattet: Diese Art von positiver Berichterstattung ist genau der Weg, der auch im Verkündschafterkongress in Linz (österreichweiter Kongreß der PfarrmedienmacherInnen)  als Heilmittel gegen Spaltung in unserer Gesellschaft vorgeschlagen wurde (zum Beispiel auch von Cecily Corti), da die kommerziellen Medien und auch zum Teil die sozialen Medien in ihrer Wettbewerbssituation und "Gefallenzählsituation" eher das Motto "Brot und Spiele" haben.

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