Dienstag, 11. Oktober 2016

Bericht eines Verkündschafters

Bild: Begrüßung durch den Bischof.
Über das komplizierte Titelwort haben wir unsere Leserinnen und Leser bereits hier aufgeklärt. Wolfgang Flandorfer von unserer Web & Print-Redaktion war beim ersten österreichweiten  Verkündschafter-Kongress in Linz am 7. und 8. Oktober dabei und berichtet in Wort und Bild (hier gehts zum Album).



200 Pfarrblatt & Internetauftritt-Macherinnen und Macher aus ganz Österreich hatten sich im Veranstaltungszentrum im ehemaligen Ursulinenkloster im Zentrum von Linz am Freitag Nachmittag eingefunden. Auf einem langen Tisch wurden die mitgebrachten Pfarrblattbeispiele aufgelegt. Von einfachen Pfarrblättchen mit einigen Seiten über von "Amateuren" gestalteten Pfarrblättern - wie unserem - bis zu wunderschönen von professionellen Grafikerinnen und Grafikern und angestellten Journalistinnen und Jornalisten gestalteten Medien konnte man alles hier bewundern und als Beispiele mit nach Hause nehmen.

Beim Kaffee lernte man die ersten "Kolleginnen und Kollegen" aus anderen Teilen Österreichs kennen. Im großen Saal fand dann die Begrüßung durch den Linzer Bischof Manfred Scheuer statt. Ein kurzer Status der Pfarrmedien ließ mich lernen, dass alle Pfarrmedien, wenn sie am gleichen Tag


Pfarrblätter
(unseres liegt ganz hinten)
erscheinen würden, zusammen eine Auflage von 3,5 Millionen Exemplaren hätten, doch eine eindrucksvolle Zahl (die Krone als auflagenstärkste Zeitung hat - natürlich hinkt der Vergleich, weil sie täglich erscheint - eine Auflage von ca. 850.000).
Die ganze Veranstaltung wurde entlang von Zitaten aus der Botschaft des Evangeliums von der Brotvermehrung (Evangelium nach Markus, Kapitel 6, Verse 33-40) organisiert.

Manfred Scheuer, Cecily Corti und Manfred Riccabona (Diakon, Pressesprecher in der Diözese St. Pölten und Pfarrgemeinderat und Medienverantwortlicher in der Stiftspfarre Heiligenkreuz) diskutierten dann über das Thema "Was braucht die Kirche, damit ihre Botschaft heute gehört wird". Beeindruckend war natürlich der Einsatz und die Authentizität von Frau Corti, die sich um die "Unbedeutendsten" unserer Gesellschaft bemüht - eine starke Botschaft an unserer Gesellschaft. Aber daneben natürlich war auch die Tatsache interessant, dass die wirklichen Botschaften der Kirche, wie zum Beispiel Gott oder Barmherzigkeit, für die Medien von heute nicht interessant sind. Es zählen Themen wie Missbrauch, Frauen als Priester, Geschiedene etc., die wir aus allen Medien kennen. Viele Journalisten sind nicht mehr in christlichem Umfeld aufgewachsen und wissen nur Peripheres über die Organisation und die Inhalte der Kirche(n). Ein wichtiger Diskussionspunkt war auch, wie man die (angeblich) wachsenden Klüfte in der Gesellschaft wieder schließen kann: Zum Beispiel durch menschenfreundliches Schreiben, durch Berichte über das, was an Gutem passiert, als Gegenpol zu den meisten kommerziellen Medien, die unter immensem finanziellem Druck und Wettbewerb stehen und ihren Marktanteil auf andere Weise zu steigern hoffen.

Nach einer netten Abend-Jause ("Sie sollen sich in Gruppen ins grüne Gras setzten" - wir saßen in Gruppen im Saal, aber der Boden war mit grünen Gräsern aus Papier garniert) mit einem oberösterreichischen sehr gut gefüllten  Bschoad-Binkerl (obwohl "bschoad" von "bescheiden" kommt, "Binkerl" ist ein gebundenes Tuch, in dem die Jause verteilt wurde) fand das Abendgebet als Fußweg von den Ursulinen zum Neuen Dom statt. Der Weg war gesäumt von Sprecherinnen und Sprechern, die aus Psalmen rezitierten. Und es wurde auch viel gesungen - so ist es eben bei katholischen Veranstaltungen. Anschließend an das Gebet lud der Linzer Bischof noch zum erholsamen Bier (ohne Gesang) in den Klosterhof (ein Restaurant, das dem Benediktinerkloster Kremsmünster gehört oder gehörte) ein, wo ich am Tisch von höchst motivierten steirischen Frauen und Männern umgeben war. Es macht Spaß zu hören und zu diskutieren, was und wie es andere machen.

Morgengebet im Höhenrausch
Nach einem Morgengebet hoch über den Dächern von Linz auf einem Platz der Installation Höhenrausch (hier finden Sie alles darüber:  www.hoehenrausch.at) gab es 15 Workshops, von denen man zwei besuchen konnte. Ich besuchte Manfred Riccabonas Workshop über das Spannungsfeld zwischen Medien und Kirche und einen praktischen Test von der steirischen Internet-Beauftragten Katrin Leinfellner "Was soll in einer Internetseite drinnen sein". Das war interessant, da wir die Zugriffszahlen auf die einzelnen Kapitel unseres PfarrWeb kennen und diese für die Mehrzahl der Themenseiten klitzeklein sind. Hier könnte man unser PfarrWeb vereinfachen und "auslichten". Auch Kapitel über die Geschichte der Pfarre und der Kirche sind bei anderen Pfarren sehr beliebt (meist bei lokalen Schülern zum abschreiben) und fehlen zum Beispiel bei uns. Bei Manfred Riccabona wurde vor allem besprochen und über ganz Österreich diskutiert, wie man in den kommerziellen Medien vorkommen könnte, das dies sehr mühsam ist  und durchaus auch, ob man es tun soll. Ich lernte zum Beispiel auch, wie die Kirche über die Ausbildung von jungen Journalistinnen und Journalisten in der Katholischen Medienakademie mehr Wissen in die Redaktionen bringen möchte.

Alles in allem genommen war es eine Veranstaltung, die einen motivierte, mit Freude weiterzutun und zu verstehen, was andere hier machen, wo "best practice" zu finden ist. Interessant war für mich auch in den Saal zu blicken und zu verstehen, wer die "Macherinnen und Macher" sind: Sehr viele Frauen, (zu) wenig jüngere Menschen, viele Pensionistinnen und Pensionisten (wie ich) und ein großer Anteil von ausschließlich ehrenamtlich werkenden Menschen. Aber die meisten mit großer Begeisterung und ohne Frust. Schlecht war nur die Botschaft, dass die nächste österreichweite Veranstaltung in fünf Jahren zu erwarten sei. So lange sollte man auf keinen Fall  warten.

Einen herzlichen Dank noch an alle Kirchenbeitragszahler, denn der Kongreß samt einer Nacht im Hotel war für uns ehrenamtliche Pfarrmedien-Macher nicht umsonst aber gratis. Und das war nicht notwendig, hat uns aber als Anerkennung dieser Arbeit allen gut getan.
Wolfgang Flandorfer

Den Artikel in der Webseite der Erzdiözese Wien finden Sie hier. Zwei Artikel auf katholisch.at gibt es hier und hier.


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