Donnerstag, 22. September 2016

Flüchtlinge in der Erzdiözese Wien

In einer Pressekonferenz zog Rainald Tippow, der Beauftragte der Erzdiözese Wien, Bilanz seiner Tätigkeit in den letzten Monaten. Es zahlt sich aus, die Pressemitteilung des Pressedienstes der Erzdiözese Wien (PEW) dazu zu lesen. Und noch was - wir glauben, Sie konnten in unserem online PfarrMagazin oder im Pfarrblatt auch lesen, wieviele sich in unserer Pfarre - gemeinsam mit anderen - für unsere Flüchtlinge eingesetzt haben und noch immer einsetzen. Immerhin gibt es 59 Artikel mit dem Stichwort "Flüchtlinge".

Aber jetzt der Text der Presseaussendung:

1.100 Asylwerber werden in 250 Pfarren langfristig integriert

250 Pfarren im Gebiet der Erzdiözese Wien sind derzeit in der langfristigen Unterbringung von insgesamt 1.100 Menschen auf der Flucht engagiert. Seit September 2015 haben zusätzlich rund 50.000 Übernachtungen in pfarrlichen Not- und Transitquartieren stattgefunden. Der Flüchtlingskoordinator der Erzdiözese Wien präsentierte dabei auch die Broschüre „Gemeinsam haben wir viel bewegt!“ (Die Broschüre kann man hier lesen)

PEW (Wien, 14.09.2016): In einem Hintergrundgespräch hat Dr. Rainald Tippow, Flüchtlingskoordinator der Erzdiözese Wien, Bilanz über die Integrationsarbeit der 250 Pfarren gezogen, die seit einem Jahr Menschen aus der großen Flüchtlingswelle vom Herbst 2015 betreuen. Aus dem "Wir schaffen das" sei ein "Wir haben es geschafft" geworden, so sein Resümee. Das von Kardinal Schönborn 2015 genannte Ziel, in der Erzdiözese Wien zumindest 1000 geflohene Menschen in Pfarren zu integrieren, wurde damit erreicht.

Die Zahl der engagierten Freiwilligen habe laut dem Flüchtlingskoordinator jede Erwartung übertroffen. Besonders berührend sei gewesen, dass eine große Zahl der Freiwilligen ohne kirchliche Bindung sei und in der Not einfach geholfen hätte. Tippow: „Viele haben das erste Mal in ihrem Leben Kontakt mit der Kirche geknüpft. Um das zu tun, was der Kern der kirchlichen Botschaft ist: sich für diejenigen einzusetzen, die am Rand der Gesellschaft stehen, die fremd, arm und obdachlos sind.“

Integration ist laut Tippow machbar. Bewährt hat sich dabei die für Pfarren typische Unterbringung in kleinen Gruppen und mit intensiver persönlicher Begleitung von Engagierten als erfolgreiche Alternative zu Massenunterkünften. Religionskonflikte habe es dabei keine gegeben: „Kein einziger syrischer Vater hat einen Kindergartenplatz in einem Pfarrkindergarten abgelehnt. Es wurden keine Kreuze entfernt und sonstige Zwänge ausgeübt“.

Neben Fragen von Wohnen, Essen oder Heizen seien die Ehrenamtlichen in den Pfarren mit dem Organisieren und Abhalten von Deutschkursen, mit Amtsbegleitungen, der Suche nach Dolmetschern für Arztbesuche, nach Kindergartenplätzen, Ausbildungs- und Arbeitsplätzen beschäftigt. Auch die Trauerbegleitung für die Menschen, die alles verloren haben, ist eine laufende Herausforderung.
Neben den offiziellen Werte- und Orientierungskurse werden  in den Pfarren und Klöstern eigene Projekte geführt, denn „Wertevermittlung gelingt am besten im Mitleben“, so Tippow.

Besonders hebt Tippow den unmittelbaren Austausch zwischen so weit entfernten Kulturen hervor. „Noch nie haben so viele Muslime christliche Gottesdienste mitgefeiert, Frauen mit Kopftuch im Kirchenchor mitgesungen, Christen am islamischen Fastenbrechen im Ramadan und Muslime in christlichen Haushalten Weihnachten mitgefeiert, sowie  junge Afghanen beim Aufbau von Weihnachtskrippen geholfen“, so Tippow.

In seiner Bilanz spricht der Flüchtlingskoordinator aber auch die Schattenseiten an: Die Schwäche der Politik, das Stoßen an administrative Grenzen, unpassende oder mangelhafte Angebote an staatlichen Integrationsmaßnahmen, die Scham der Asylwerber über die Abhängigkeit von staatlichen Geldern und privaten Spenden – v.a. bei hoher beruflicher Qualifikation. „Die Mühlen der Verwaltung halten nach der Überzeugung vieler Freiwilliger die Asylwerber in künstlicher Arbeitslosigkeit“, meint Tippow enttäuscht. Es gebe auch bei den Behörden viel guten Willen, doch die Beamten stießen oft sehr schnell an verwaltungsrechtliche Grenzen. Auch den vielzitierten „Notstand“ in unserem Land könne er nicht nachvollziehen, da Österreich doch nur ein, zwei Promille der globalen Flüchtlinge aufnimmt.


Rückfragen:
Rainald Tippow
r.tippow@edw.or.at
0664 829 44 22

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