Sonntag, 27. März 2016

Ostern in Stockerau

Die Osternacht

In der dunklen, vollen Kirche beginnt die Lichtfeier in der Osternacht mit der Weihe des Feuers, dem Hereintragen der Osterkerze, dem Austeilen des Osterlichtes und dem feierlichen Hymnus Exsultet - Frohlocket. Nach Lesungen aus dem alten und neuen Testament ziehen Preister, Diakon und Ministrantinnen und Ministranten zum Taufbrunnen, um mit den Mitfeiernden die Taufe zu erneuern.
Mit dem Gloria, der brausenden Orgel und dem Enthüllen des Altarbildes nach 45 Tagen violetter Fastenverhüllung beginnt dann die Ostermesse. Die Predigt finden Sie am Ende dieses Artikels. Zu den vielen Worten gibt es schwungvolle Musik, gesungen und gespielt vom Familienmessen-Ensemble und zum Gloria, Sanktus und zum Auszug das Gebrause der großen Orgel.
Zum Abschluß ziehen allen hinaus auf den Rennerplatz und scharen sich zum Tedeum um das Osterfeuer, das unsere Katholische Jugend organisiert hat, und um ein einsam parkendes Auto, das das Parkverbot für diesen Abend nicht mitbekommen hat.

Am Ostermorgen

Am Ostersonntag gestaltet das große Hochamt unser Kirchenchor mit Orchester unter der Leitung von Beate Kokits, die auch das große Osterhalleluja, das sich vom getragenen Beginn zum hymnischen Ende steigert, selbst komponiert hat. Zur Aufführung gelangen auch die Missa brevis in D-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart und zwei Stücke von Händel und Crüger. Das wunderschöne Licht der einstrahlenden Morgensonne, der Duft des Weihrauches, die schöne Musik, die Gebete und das immer berührende Osterevangelium vermitteln Osterfreude pur.

Ein paar Erinnerungsbilder zur Osternacht und zum Ostermorgen gibt es in unserem Fotoalbum.

Für alle, die die Osternacht nicht mitfeiern konnten, gibt es hier die Predigt von unserem Pfarrer Markus Beranek:

Predigt Osternacht  „ich gebe euch ein Herz aus Fleisch“ 26.3.2016

Josef von Arimathäa hat für Schadensbegrenzung gesorgt. Seinen guten Beziehungen ist es zu verdanken, dass Jesus, der auf eine absolut grausame und entwürdigende Weise hingerichtet wurde, zumindest in einem anständigen Grab beigesetzt werden konnte. Der beginnende Sabbat hat aber die Begräbnisriten, die den Verstorbenen salben und ihn damit nochmals würdigen und wertschätzen nicht mehr möglich werden lassen. Die Frauen aus dem engsten Umfeld Jesu nützen nun die nächste Gelegenheit -  Sonntag früh - um diesen Liebesdienst nachzuholen. Sie sind erschrocken und ratlos, als sie Jesus nicht finden, aber die Männer beim Grab entgegnen ihnen mit einer Frage „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“

Jesus ist der Lebende, der Lebendige. Diese kurze Aussage berührt mich und findet eine starke Resonanz in mir. Da finde ich mich wieder mit meiner schon langen Suche: wo finde ich Lebendigkeit in meinem Leben? Lebendig fühle ich mich, wenn ich mich selber spüre, wenn ich mit meinen Emotionen in Kontakt bin. Lebendig fühle ich mich, wenn mich Begegnungen mit anderen Menschen berühren und verändern. Lebendig fühle ich mich, wenn voll Energie und Gestaltungsfreude bin, lebendig fühle ich mich aber auch, wenn ich einen gewaltigen Zorn in mir spüre und auch einmal eine scharfe Bemerkung mache. Lebendig fühle ich mich, wenn ich misslungenes betrauere, Abschied nehme von meinen Vorstellungen, die sich so nicht umsetzen lassen.

Es ist für mich ein langsamer Lernprozess, eine Entdeckungsreise, wo ich in den unterschiedlichen Gipfeln und Tälern meines Leben dem Leben, der Lebendigkeit auf die Spur komme. Wenn mich mein Zorn nicht nur erschreckt, sondern mir den Impuls gibt, dass – wie vor ein paar Tagen – ganz schnell mit anderen Menschen etwas zu klären ist – dann fühle ich mich lebendig. Wenn ich deutlich Kritik äußere, aber es schaffe, dass aus der Grundhaltung des Wohlwollens zu tun, dann fühle ich mich lebendig. Wenn ich es betrauere, dass manches in diesem Arbeitsjahr anders gelaufen ist, als ich es mir vorgestellt habe, dann fühle ich mich lebendig. Wenn ich mit lieben Menschen zu einem guten Essen und einen guten Wein beisammen bin und wir miteinander ins Gespräch kommen, dann fühle ich mich lebendig. In solchen Erfahrungen, die in Summe für mich dann gar nicht so selten vorkommen, spüre ich die Gegenwart des Lebendigen, die Nähe Jesu. Jesus ist für mich der permanente innere Impuls, dem Leben zu trauen, mich vom Leben erfassen zu lassen, mich dem Leben zu stellen; Jesus ist für mich die Ermutigung anstelle  zu Jammern weiterzugehen.

Ostern ist für mich die Zusage, dass über allem Erstarrten, Engen, über allen Zäunen und Grenzmauern dieser Erde und meines persönliches Lebens einer den Ton angibt, der Grenzen überwindet, Mauern überspringt, Zäune niederbricht. Wenn ich dafür ein anderes biblisches Bild verwende, dann ist es das Herz aus Fleisch, von dem wir in der Lesung aus dem Buch Ezechiel gehört haben.

Umso mehr ich mich dem Leben stelle: meinem Zorn, meiner Trauer, meiner Sehnsucht, meiner Leidenschaft, meiner Lebenslust, umso mehr bricht der Kalkpanzer meiner inneren Begrenzungen auf, umso mehr überwinde ich Grenzen, die ich mir unbewusst selber gesetzt habe, umso mehr lebe ich in den Fußstapfen des Lebendigen, eben in den Fußstapfen Jesu, den das Grab nicht eingrenzen konnte, sondern der von den Toten weitergegangen ist, damit er uns als der Anführer des Lebens vorangeht.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Wir freuen uns über jeden Kommentar. Und da wir mit konkreten Menschen kommunizieren wollen, bitten wir Sie, nicht anonym zu kommentieren.