Donnerstag, 31. März 2016

Die Osterpredigt

Von Zeit zu Zeit gibt es die Predigten von Pfarrer Markus Beranek auch zum Nachlesen auf unserem online PfarrMagazin. Hier die Predigt beim Hochamt am Ostersonntag.

Ostersonntag, 27.3.2016
Das Fest der Zweifler und der Suchenden


Mir scheint, dass eine Vorstellung über den Glauben auch weit verbreitet ist: nämlich, dass man, wenn man nur wirklich glauben würde, keine Zweifel und Fragen kennen würde, dass einfach alles klar ist, ja vielleicht auch noch, in einer noch weiter gesteigerten Vorstellungen, dass der liebe Gott die eigenen als Gebet formulierten Wünsche immer gleich erhören würde.

Die alte Ostererzählung nach Johannes, die wir gerade gehört haben, erzählt aber eine ganz andere Sichtweise. Es ist der Ostermorgen und es herrscht Verwirrung. Maria von Magdala kommt zum Grab, es ist leer, sie kennt sich nicht aus, ist verwirrt und beunruhigt, läuft zurück in die Stadt, Petrus und Johannes kommen zum Grab. Dem Petrus geht es wie Maria: das auch noch, der Leichnam ist weg, auch er kennt sich nicht aus, einzig von Johannes heißt es „er sah und glaubte“.

Die Ostererzählungen, in denen die Erfahrungen der Frauen und Männer mit Jesus nach seiner Auferstehung in eine literarische Form gebracht wurden, schildern uns, dass Glaube an Jesus eigentlich immer in der Spannung steht zwischen verunsichert sein, fragen, zweifeln und aufatmen, entdecken, zutiefst berührt sein und im nächsten Moment doch wieder loslassen müssen. Glaube kann eine emotionale Hochschaubahn sein. Glaube ist bewegt, Glaube sucht und entdeckt und fragt und hinterfragt, Glaube, gerade in unsere Zeit, kommt nicht ohne Zweifel aus. Der Zweifel ist der Bruder des Glaubens. Der Zweifel bewahrt uns vor der falschen Sicherheit zu meinen, wir würden eh alles genau wissen. Die falsche Sicherheit, die gab und gibt es oft – in der katholischen Kirche, in den Kontroversen und Kriegen zwischen den verschiedenen christlichen Konfessionen, in der Ideologie des IS Terrors, der Gewaltausübung mit Religion verwechselt.
Der Zweifel hilft Maria, ihre Erfahrung mit anderen zu teilen. Der Zweifel hilft Maria, nocheinmal zum Grab zu gehen. Der Zweifel macht Maria deutlich, dass Jesus nach seiner Auferstehung anders da ist, als sie es bisher gewohnt war, deshalb kann sie ihn nicht festhalten.
Dieser Zweifel, der leidenschaftlich sucht, der unsere oberflächlichen Bilder von Gott zerstört, der uns immer wieder neu aufbrechen lässt, dieser Zweifel kann uns gerade erst hinführen zur Begegnung mit Jesus. Er macht uns deutlich, dass Glaube nicht Besitz ist, nicht Rechthaben, nicht eine Wunderwaffe, die man auf die angeblich Ungläubigen richten könnte. Dieser Zweifel lebt nicht vorbei an den Wunden des Lebens, er ignoriert nicht das Leid in der Welt, er lässt sich nicht von Zäunen und durch Grenzmauern aussperren.
Dieser Zweifel macht uns verwundbar und dünnhäutig, bescheiden und angewiesen, dieser Zweifel lässt eine alte Kirchengestalt zerbröseln, die auf zu viel falscher Sicherheit gebaut war, dieser Zweifel ermutigt Menschen ihrem ureigenen Empfinden zu vertrauen, Glauben nicht so zu leben, weil es immer so war sondern auf der Basis ihrer eigenen Suche zu entfalten.

Und so wünsche ich Ihnen, dass sie in ihrer Suche, in ihrem Zweifel gefunden werden wie Maria von Magdala, dass sie in sich die zarte Stimme des Trostes wahrnehmen, einen Hauch der Freude spüren… denn das sind die Weisen mit denen Jesus als der Auferstandene mit uns kommuniziert. Und vielleicht lesen sie noch einmal die alte Ostergeschichten von Maria von Magdala beim Grab und verbinden sie mit ihrer Geschichte, ihrer Suche, ihrer Frage, wo Jesus denn für sie ist.

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