Donnerstag, 18. Februar 2016

Zulehner zieht

Paul M. Zulehner, Jesuit, Universitätsprofessor und Bücherautor, war wieder einmal zu Gast in Stockerau. Und er zog sehr viele Menschen an. Selten ist der Pfarrsaal so voll, dass auch die ganze Bühne und der danebenliegende Gruppenraum voller Zuhörerinnen und Zuhörer sind.

Gleichzeitig wurde der Abend als Eröffnungsabend des Hauses Ibrahim in der Manhartsstrasse 39 für unbegleitete Jugendliche aus Afghanistan gestaltet. Auch die 16 neuen, jungen Stockerauer Mitbürger waren gekommen und werden trotz intensiver Deutschkurse noch nicht alle der geschliffenen Formulierung Paul M. Zulehners verstanden haben. Aber der Vortrag war ohnedies eher an uns österreichische Mitbürger gerichtet. Es war schön, dass eine Vertreterin des Bezirks und etliche politische Vertreterinnen und Vertreter der Stadtgemeinde mit dem Bürgermeister an der Spitze gekommen waren.

Pfarrer Markus Beranek begrüßte die Zuhörerinnen und Zuhörer und wies auf die Geschichte der Entstehung des Vereines hin, der heute das Haus Ibrahim organisiert und betreut. Vier Jahre ist es schon her, dass - moderiert von der Stadtgemeinde - die Evangelischen, Katholischen  und  Moslems sich zum Thema Integration zusammensetzten und auch eben im Herbst 2015 den Trägerverein für dieses Haus gründeten. Katrin Rother aus dem Führungsteam des Hauses Ibrahim führte uns mit vielen Fotos durch den Alltag des Hauses und seiner Bewohner.

Dann trat Paul M. Zulehner ans Mikro und fesselte die Zuhörerinnen und Zuhörer eine gute Stunde mit dem Thema "Entängstigt euch" - und er meinte auch uns.. Wenn Sie alles hören wollen, dann gehen Sie in den nächsten Tagen auf Paul M. Zulehners Webseite www.zulehner.org/site/vortraege, wo Sie den ganzen Vortrag nachhören und vielleicht auch die gezeigten Folien  ansehen können.

Im Wesentlichen ging es um die Frage, warum ärgert sich ein Mensch über die Flüchtlinge bis zum Hass und zur Gewalt oder warum hat er große Sorgen oder warum hat er keine Sorgen und geht an die Sache positiv heran bis zur aktiven Hilfe. Als Wesentlich beschreibt Paul M. Zulehner hier das Thema Angst, denn Europa ist laut einem zitierten Autor "ein Kontinent der Angst" und zwar vor allem möglichen. Wenn man zukunftsorientiert an das Thema herangehen will, dann muss man erst seine Ängste loswerden - P.M. Zulehner meint, dass sich hier "spirituelle Menschen" leichter tun, weil sie angstfreier und in einem Grundvertrauen leben können. P.M. Zulehner plädierte für eine achtsamere Wortwahl ("Flüchtlingsströme", "Abschottung" usw,) und eine größere Achtung der Menschen ohne Angst für die, die aus Ängsten heraus, Ablehnung bis zum Hass verspüren und artikulieren.

Der Vortrag endete mit einem Friedensgebet - auf Arabisch und arabisch geschrieben - für das der Vortragende einen Vorleser im Publikum suchte und fand. Eine schöne Geste.

Man konnte auch das druckfrische Buch kaufen und signieren lassen (Paul M. Zulehner, Entängstigt euch, erschienen 2/2016 im Patmos-Verlag). Mit intensiven Diskussionen der Besucherinnen und Besucher untereinander endete der interessante Abend, bevor sich alle nach einer Spende ins große Körberl wieder in den Winterregen verabschiedeten.

Bilder von F. Bauer und W. Flandorfer gibt es in unserem Album.

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