Mittwoch, 10. Februar 2016

Kehrt um und glaubt an das Evangelium!

Das hat heute der Spender und die Spenderin des Aschenkreuzes bei der Aschermittwochmesse zu den Gläubigen (und auch zu den Ungläubigen) gesagt. Und wir wurden dabei mit dem Aschenkreuz auf die Stirn bezeichnet. Die Asche wurde aus den verbrannten Palmzweigen des Palmsonntages 2015 gewonnen.
Unter der Kanzel gibt es seit heute ein neues Bild, nämlich "Die Rückkehr des verlorenen Sohnes" von Rembrandt, das uns jetzt durch die 40-tägige Fastenzeit begleiten wird. Rembrandt hatte dieses berühmte Bild etwa 1663 gemalt und Kunstfreunde brauchen nicht mehr nach Petersburg in die Eremitage zu pilgern, sondern wählen das Bild im Google Art Project aus, wo man bis zum kleinsten Pinselstrich hineinzoomen kann.
Das Gleichnis vom verlorenen Sohn, dessen Bruder gar nicht verstehen kann, wieso der Vater den gescheiterten Bruder so nett willkommen heißt, ist Leitbild für die Fastenzeit im Jahr der Barmherzigkeit.

Zum Bild liegt ein Text in der Kirche auf, den Pfarrer Markus Beranek verfasst hat und den wir unseren Surferinnen und Surfern nicht vorenthalten wollen.

Verwundbar

Auf dem Hintergrund meiner eigenen Lebensgeschichte ist mir die Rolle des älteren Bruders vertraut, der sich gar nicht über die Rückkehr seines kleinen Bruders freuen kann. Ich bin der Älteste von drei
Brüdern, bin ganz selbstverständlich in die Kirche hineingewachsen, habe mir nie die Frage gestellt, ob ich am Sonntag in die Messe gehen muss, weil es mir immer klar war.
Und doch habe ich den kleinen Bruder zunehmend bewundern gelernt. Seine Frechheit und seinen Mut, sich sein Erbe auszahlen zu lassen und in die große Welt hinauszuziehen auch wenn er dabei Schiffbruch erleidet. Aus dem Blickwinkel der Vernunft ist er gescheitert, mir kommt dennoch fast ein Stück Neid hoch – ich würde es mich nicht trauen, so waghalsig aufzubrechen. Denn in Summe ist er durch die Erfahrungen, die er gemacht hat, klüger und menschlicher geworden. Er hat gelebt, riskiert und Fehler gemacht und er war sich nicht zu gut dafür, zu seinen Fehlern zu stehen. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn und vom barmherzigen Vater ermutigt mich, mich in meinen Leben nicht zuerst darauf zu konzentrieren, nur ja keine Fehler zu machen, sondern es macht mir Mut zu leben, zu handeln, verwundbar zu sein – auch mit dem Risiko, manchmal einseitig zu sein und missverstanden zu werden.
Das Gleichnis macht mir Mut, Fehler einzugestehen, weil es mir einen Blick auf Gott eröffnet, der mir zutraut, mein Leben zu gestalten, der unendlich viel Geduld hat, der mir Fehler zugesteht, der verzeiht – denn der größte Fehler ist der, den der große Bruder begeht, indem er vor lauter Pflichtbewusstsein nie zu leben beginnt, engherzig über andere urteilt, sich über die Rückkehr seines Bruders nicht freuen kann, weil er die Freude anscheinend gänzlich aus seinem Leben verbannt hat. Ihm fehlt die Lebendigkeit, weil er in der Überzeugung lebt, ohnehin rechtschaffen zu sein.

Rembrandt hat diese Szene in seinem eindrucksvollen Bild festgehalten um auch uns zu ermutigen, dass auch wir dort, wo wir verwundet und vom Leben, auch vom eigenen Versagen gezeichnet sind, uns in Gottes liebevollen Armen bergen dürfen.

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