Samstag, 2. Januar 2016

Nachtrag zur Jahresabschlußmesse

Wir haben von der Jahresabschlußmesse 2015 schon berichtet. Jetzt gibt es hier auch die Texte der Predigt und der Fürbitten zum Nachlesen und Nachdenken.

Predigt zum Jahresabschluß 2015
Pfarrer Markus Beranek, 31.12.2015

Die Finanzkrise in Griechenland, der Krieg in Syrien, 60 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht – einige davon, die sich in Europa eine neue Heimat erhoffen, der heiße Sommer und der Weltklimagipfel in Paris, die Amokfahrt in Graz und Terroranschläge an unterschiedlichen Orten, in der Diözese der Prozess der Umstrukturierung, der Pfarren herausfordert, in verstärktem Maß über ihre Grenzen hinaus zusammenzuarbeiten – was auch für Stockerau mit Beginn des Arbeitsjahres spürbar geworden ist.
Das Jahr 2015 war ein Jahr der Umbrüche und solche Umbrüche machen auch Angst. Eine Reihe an großen gesellschaftlichen Herausforderungen stehen uns in unserem Land, in Europa und weltweit bevor.
In diese sich wandelnden Zeiten hinein hören wir am letzten Tag des Jahres die alte Geschichte von Abraham, der aus seiner vertrauten Heimat in Ur, in Chaldäa – das ist der heutige Irak – aufbricht.  Abraham begleitet mich seit vielen Jahren. Ich verbinde ihn ganz stark mit dem gewaltigen Sternenhimmel am Berg Sinai „So zahlreich werden deine Nachkommen sein, wie die Sterne am Himmel“. Abraham ist mir ein Wegbegleiter geworden in allen Veränderungen meines eigenen Lebens. Abraham ist die beständige Erinnerung, dass es nicht zwangsläufig gut ist, wenn alles so bleibt wie es ist. Abraham macht mir Mut, die Herausforderung nun auch, wie viele andere, Pfarrer von drei Pfarren zu sein, als Chance zu begreifen. Auch bei Abraham gab es Situationen, die ihm Angst gemacht haben. Aber ausgezeichnet hat es ihn, dass nicht die Angst das Leitmotiv in seinem Leben war, sondern dass er tief in seinem Herzen die Zuversicht hatte: Gott führt mich. Gott schafft Zukunft. Gott begleitet meine Aufbrüche und Veränderungen. Eine erstaunliche Leistung, darauf zu hoffen, dass Gott ihn zu einem großen Volk macht, wo er auch in hohem Alter noch keinen leiblichen Sohn hat.
Das Jahr 2015 war auch ein Jahr, in dem viel von und über den Islam geredet wurde, ganz oft unter dem Vorzeichen, dass wir derzeit im Umfeld des Islam eine besorgniserregende Verbindung von Gewalt und Religion erleben. Auch auf dem Hintergrund sehr wohlwollender Begegnungen hier in Stockerau hat mich diese Diskussion aber vor allem inspiriert, mich mehr und tiefer mit dem Islam zu befassen. Nicht so sehr mit seinen Zerrformen, sondern mit jenen Ansätzen, die  sich um ein erneuertes Verständnis des Islam gerade im europäischen Kontext bemühen. Ich weiß, dass hier noch große Herausforderungen anstehen, aber ich rede davon, weil mir in meiner eigenen Beschäftigung mit dem Islam wieder und unter einem neuen Vorzeichen die Gestalt des Abraham begegnet. Er ist auch der Stammvater der Muslime und der Juden und der Christen. Etwas vom Glauben Abrahms wird für mich spürbar, wenn Muslime selbstverständlich im Laufe des Tages ihre Gebetszeiten halten – und sich inmitten auch unserer modernen Welt Zeit nehmen um auszudrücken: Leben ist Hingabe an Gott, so wie Abraham es sein Leben lang praktiziert hat.
Ja, das Jahr 2015 geht mit großeren Herausforderungen und offenen Fragen zu Ende.  Das neue Jahr bringt viele Baustellen mit sich. Aber wenn ich mich in diese jahrtausendelange Tradition von Menschen eingefügt weiß, die sich wie Abraham Gott anvertraut haben, dann berührt mich die Botschaft von Weihnachten noch mehr. Die Antwort Gottes auf so viel Vertrauen, aber auch auf alle Unsicherheit und Angst ist, dass er uns in dem kleinen Kind in der Krippe entgegenkommt.
Das Kind in der Krippe steht dafür, dass das Heil und der Segen des Neuen Jahres 2016 auch im Stall von Betlehem beginnen wird: die Baustellen unseres Lebens und dieser Welt werden bleiben, wahrscheinlich größer werden. Aber wenn wir mit der Grundhaltung der Neugierde und der Zuversicht auf diese Baustellen zugehen, dann werden wir im Stall von Betlehem diesem Gott begegnen, der uns entgegenkommt. Dann werden wir unser Denken schulen und unsere Entscheidungen nicht in der Schule der Angst fällen, sondern aus dem Vertrauen Abrahams heraus, der in all seinen Veränderungen Gottes Verheißung wahrnehmen konnte.


Fürbitten Jahresschlussmesse 31.12.2015

Lasst uns in den Fürbitten zu Jesus Christus beten, der uns dieses Jahr gegeben hat und der den Lauf der Zeit vollendet,

  • 72  Kinder wurden in diesem Jahr getauft. Beten wir für sie, dass ihnen der Weg des Glaubens viel Freude und Mut schenke.
  • 84  Kinder haben erstmals die Heilige Kommunion empfangen. Beten wir für sie und ihre Familien, dass sie Schritt für Schritt im Glauben wachsen.
  • 77 junge Menschen wurden in diesem Jahr bei uns gefirmt. Beten für sie, dass Gottes Geist sie durch die bewegten und spannenden Phasen ihres Lebens hindurch begleite und ermutige.
  • 6 Paare haben in unserer Pfarre geheiratet. Beten wir für sie, dass sie einander jeden Tag mehr lieben und schätzen.
  • 122 Menschen sind im vergangenen Jahr aus der katholischen Kirche ausgetreten. Beten wir für Sie, dass sie der Stimme ihres Herzens folgen und dem Geheimnis ihres Lebens auf der Spur bleiben.
  • 9 Menschen sind in diesem Jahr in die Kirche eingetreten. Beten wir fürs sie, dass dieser Schritt sie auf ihrem Lebensweg voranbringt und ihre Beziehung zu Gott vertieft.
  • 126 Menschen haben wir in diesem Jahr in unserer Pfarre zu Grabe geleitet. Beten wir für sie und für ihre Angehörigen, dass Gottes Licht ihnen Leben, Hoffnung und Freude schenke.
  • Wir selber stehen vor Gott mit all dem, was dieses Jahr an Freude und an Sorgen mit sich gebracht hat. Beten wir, dass Gott auf alle Freude und alle Mühe seinen Segen lege.
Sei gepriesen Gott, denn du krönst das Jahr mit deinem Segen. Ehre sei dir in Ewigkeit. Amen.

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