Mittwoch, 27. Januar 2016

Einen herzlichen Gruß von der Insel Negros

Unser Pfarrer Markus Beranek ist auf einer "Kundschafterreise" auf den Philippinen. Von Zeit zu Zeit bekommen wir einen  - diesmal ausführlichen - Bericht.  Wer noch mehr nachlesen möchte, findet das im WebLog dieser Reise. Dort gibt es auch mehr Bilder.

Es wird gearbeitet (Foto: WebLog)
Nun sind wir seit etwas mehr als einer Woche im Land. Der Flug über Dubai hat uns zuerst in die Hauptstadt Manila geführt und wir haben dann eine erste Nacht im Haus Maryhill oberhalb der Stadt verbracht. Mit dem Flugzeug ging es dann weiter nach Bacolog auf der Insel Negros, wo wir den ersten großen Teil unserer Lernreise verbracht haben. Das Institut Bukal ng Tipan begleitet Diözesen und Pfarren auf ihrem Entwicklungsprozess. Die Tage hier in Bacolog haben uns einen ersten, doch recht umfassenden Einblick in ihre Arbeitsweise gegeben.

Am Beginn stand ein zweitägiger Einkehrtag zur Stelle von der Brotvermehrung aus dem Johannesevangelium. Die Methoden der Bibelarbeit, die wir dabei erlebt haben, sind jene, die sie auch in der Arbeit mit den Gemeinden einsetzen. Damals waren es viele Menschen, die zu Jesus geströmt sind. Das war die Einladung auch auf uns zu schauen und zu fragen, mit welchen Erwartungen und Sehnsüchten wir zu Jesus kommen und welche Erwartungen und Sehnsüchte Menschen mitbringen. Spannend wird dann der weitere Verlauf des Evangeliums. Als deutlich wird, dass die Menschen Hunger haben ist es Philippus, der etwas resigniert auf die sehr begrenzten Möglichkeiten hinweist, die sie jetzt haben. Andreas dagegen entdeckt eine unscheinbare Ressource: da ist ein kleiner Bub mit fünf Broten zwei Fischen – viel zu wenig, aber immerhin. So geht uns ja als Menschen und auch als Kirche oft. Es gibt viele Begrenzungen, vieles, was unsere kirchliche Arbeit aussichtslos erscheinen lässt. Aber es gibt auch die oft sehr kleinen, aber doch auch vorhandenen Ressourcen.

Insel Negros
 In diesem Spannungsfeld bewegen sich die weiteren Tage. Die Erfahrung zeigt, das in den traditionellen Pfarren auf den Philippinen nur 1-2% der Katholiken in das pfarrliche Leben eingebunden sind. Das große Anliegen des Bukal Institutes ist es eine Kirche zu fördern, in der alle, besonders auch die Armen einen Platz haben und mitbeteiligt sind. Daraus entstand in der Folge des 2. Vatikanischen Konzils die Idee der Basic Ecclesial Communities – kirchlicher Basisgemeinschaften, in denen Menschen miteinander ihr Leben und ihren Glauben teilen. Eine zentrale Säule dieser kleinen Gemeinschaften ist es, im Blick auf das Leben vor Ort, die Lebenssituation der Menschen im eigenen Umfeld miteinander aus der Bibel Nahrung und Orientierung zu schöpfen und dabei Jesus tiefer zu entdecken. Es sind Formen der Bibelarbeit, wo Menschen mit ihren Erfahrungen an den Bibeltext herangehen und sich davon inspirieren lassen. Das hat eng mit der auch bei uns bekannten Methode des Bibel-Teilens zu tun. Ziele sind Pfarren, die eine Gemeinschaft von Gemeinschaften sind, die also aus vielen Basisgemeinschaften bestehen, in denen Menschen wach in engem Dialog miteinander und mit der Bibel die sozialen Herausforderungen ihres Umfeldes angehen.
Diese Basisgemeinschaften dienen einer wachen und menschennahen Kirche. Sie sind eingebettet in breit angelegte Nachdenkprozesse, in denen sich Diözesen und Pfarren darüber Gedanken machen, was in ihrer ganz konkreten Situation vor Ort ihr besonderer Auftrag, ihre Sendung ist. Dazu haben wir kennengelernt, wie das Institut Diözesen dabei begleitet, dass sie eine gemeinsame Vision entwickeln. Vision, das heißt ein Zukunftsbild, das heißt auch klare Priorität, an der die ganze Arbeit ausgerichtet ist. Für mich ist es spannend zu erleben, wie Kirche es hier oft schafft, im Blick auf die Herausforderungen vor Ort zu gemeinsamen Schwerpunktsetzungen zu gelangen. Und wenn alle Gruppen am selben Strang ziehen, dann geht natürlich auch was weiter.

Wir haben viel zugehört in dieser Woche und viel nachgefragt und wir haben gleichzeitig selbst miteinander Gemeinschaft gelebt – beim Arbeiten, Essen, Gottesdienstfeiern und am Abend beim Bier. Ich genieße den Austausch, das gegenseitige Wohlwollen, das gemeinsame Lernen, die Ahnung, dass wir ein Stück verändert, mit einem größeren Horizont nach Hause zurückkehren könnten um aus dieser weltkirchlichen Lernerfahrung auch einen kräftigen Impuls mitzubringen.

Auch hier ist es Winter. Allerdings heißt das Temperaturen zwischen 24 und 30 Grad. Die ersten
Diözese Illoilo auf der
Insel nördlich der
Insel Negros
Tage waren schön warm, sonnig und von blauem Himmel geprägt, die letzten Tage hat uns dann der Regen ziemlich eingeholt. Morgen geht es dann weiter auf die nächste Insel in die Diözese Iloilo. Was wir jetzt im Seminarraum besprochen haben, werden wir dort bei Gesprächen in der Diözese und bei der Begegnung mit den christlichen Basisgemeinschaften näher kennenlernen, es wird also ein intensives Besuchs und Begegnungsprogramm. Was die Begegnungen hier relativ unkompliziert macht ist die Tatsache, dass Englisch Verkehrssprache ist, sodass die Kommunikation sehr unmittelbar und unkompliziert erfolgen kann.

Nach einer Woche doch recht intensiver Arbeit tut ein halber freier Tag ganz gut. Es ist ja zum Glück auch Gelegenheit, ein wenig die Schönheiten dieses Landes kennenzulernen, vor ein paar Tagen beim Ausflug auf den nahegelegenen Vulkan oder einem abschließenden Ruhetag auf einer der unzähligen kleinen Inseln.

Ich bin froh, dass ich dabei sein kann. Ich staune, wieviel Know How im Bereich der Kirchenentwicklung es hier gibt. Wir werden das nicht einfach so auf Österreich übertragen können, aber inspirieren lassen, das können wir uns in reichem Maß – schon ganz grundlegend in diesem Ansatz: schaut euch eure Kultur in euren Ortschaften genau an, nehmt war, wo Menschen Sehnsucht nach Gemeinschaft haben, wie sie Gemeinschaft leben und wie wir so kirchliche Gemeinschaft gestalten können.

Es ist spannend. Jetzt bin ich  ein wenig aufgeregt im Blick auf die kommenden Tage, gespannt, wie sich das bisher Gehörte hier nochmals vor Ort erleben lässt.

So schicke ich Euch allen einen herzlichen Gruß und hoffe, dass wir einige Inspirationen zu Hause aufgreifen können. Die nächsten Tage werden wir wahrscheinlich schlecht per Mail zu erreichen sein, denkt gelegentlich an uns, schließt uns ins Gebet ein, dass wir wohlbehalten (…ohne größere Durchfälle…) unterwegs sind und dass wir die Erfahrungen, dann auch mit Euch teilen können.

Einen herzlichen Gruß, ich freue mich aufs Wiedersehen und Erzählen
Markus

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