Mittwoch, 27. Januar 2016

Ein bisschen mehr zum Jahr der Barmherzigkeit

Eine heute schon etwas antik klingende Aufzählung der Werke der Barmherzigkeit ist in ihrem Inhalt unglaublich aktuell. Hier ist sie:
Geistliche Werke der Barmherzigkeit:
  • die Unwissenden lehren
  • die Zweifelnden beraten
  • die Trauernden trösten
  • die Sünder zurechtweisen
  • den Beleidigern gern verzeihen
  • die Lästigen geduldig ertragen
  • für die Lebenden und Verstorbenen beten
Leibliche Werke der Barmherzigkeit
  • Hungrige speisen
  • Obdachlose beherbergen
  • Nackte bekleiden
  • Kranke besuchen
  • Gefangene besuchen
  • Tote begraben
  • Almosen geben

Der deutscher Bischof Wanke hat diese Werke - etwas komprimiert - sprachlich in unsere Zeit ge-beamt:

  • Du gehörst dazu
  • Ich höre dir zu
  • Ich rede gut über dich
  • Ich gehe ein Stück mit dir
  • Ich teile mit dir
  • Ich besuche dich
  • Ich bete für dich

Papst Franziskus hat ja das Jahr 2016 zum Jahr der Barmherzigkeit erklärt. Das Timing hätte mit den unendlichen Diskussionen und dem Aktionismus rund um die Flüchtlingsthemen nicht besser sein können. Alle, die sich noch als "Christliche Abendländerinnen und Abendländer" fühlen, sollten sich intensiv mit seinen Worten dazu auseinandersetzen. Nicht alles wird mit den Haltungen der Verteidiger dieses Abendlandes zusammenpassen. Hier sind zwei Hinweise auf Worte des Papstes Franziskus:
Vielleicht machen 2 Zitate neugierig oder gar nervös:

Aus der päpstlichen Bulle: "Die Barmherzigkeit ist auch über die Grenzen der Kirche hinaus bedeutsam. Sie verbindet uns mit dem Judentum und dem Islam, für die sie eine der wichtigsten Eigenschaften Gottes darstellt. Das Volk Israel hat als erstes diese Offenbarung erhalten, die in der Geschichte als der Beginn eines unermesslichen Reichtums bleibt, den es der ganzen Menschheit anzubieten gilt. Wie wir gesehen haben, sind die Seiten des Alten Testamentes voll von Barmherzigkeit, denn sie erzählen von den Werken des Herrn, die dieser für sein Volk in den schwierigsten Momenten seiner Geschichte vollbracht hat. Der Islam seinerseits zählt zu den Namen für den Schöpfer auch den Namen Allerbarmer und Allbarmherziger. Diese Anrufung ist oft auf den Lippen der gläubigen Muslime, die sich in der täglichen Schwachheit von der Barmherzigkeit begleitet und getragen wissen. Auch sie glauben, dass niemand der göttlichen Barmherzigkeit Grenzen setzen kann, denn ihre Tore stehen immer offen".

Aus dem Schreiben zum Welttag 2016 der Migranten: "In diesem Augenblick der Menschheitsgeschichte, der stark von den Migrationen geprägt ist, ist die Frage der Identität keineswegs zweitrangig. Wer auswandert, ist nämlich dazu gezwungen, einige Eigenheiten zu verändern, die seine Person ausmachen, und zugleich, selbst ohne es zu wollen, zwingt er auch denjenigen, der ihn aufnimmt, zur Veränderung. Wie kann man diesen Wandel leben, dass er nicht zum Hindernis der echten Entwicklung wird, sondern Gelegenheit für ein wahrhaft menschliches, soziales und spirituelles Wachstum wird und dabei jene Werte respektiert und gefördert werden, die den Menschen immer mehr zum Menschen werden lassen in der rechten Beziehung zu Gott, zu den anderen und zur Schöpfung?"

Aber bitte, lesen Sie selbst! Papst Franziskus schreibt nicht für die Theologen, er schreibt als Seel-Sorger für unsere Seele.

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