Samstag, 26. Dezember 2015

Unser Patron


Der Hl. Stephanus ist der Schutzpatron unserer Pfarre und unserer Kirche. Als erster Diakon und Sozialarbeiter und erster Märtyrer ist er auch Hauptmotiv des Altarbildes unserer Kirche und über dem Altarbild stehen seine letzten Worten "Ich sehe die Himmel offen".
Hier ist auch das Orchester drauf
Pfarrer Markus Beranek versuchte in seiner Predigt (siehe weiter unten), diesen wortgewaltigen Mann ins richtige Bild zu setzten. Er wurde nicht von seinen Mitbürgern und den Autoritäten verfolgt, weil er Christ war - er war ja auch Jude -, sondern weil er vieles Erstarrte der damaligen Zeit in Frage stellte und damit für die, die etwas zu bewahren zu müssen glaubten, im Wege war.

Seine ungewöhnliche Geschichte wurde von einer in unserer Kirche ungewöhnlichen Musik, einer Gospel-Messe, begleitet, die Chorale Totale geleitet von Ulli Neuhold mit einer Solistin, einem Solisten und Klavier und Schlagzeug aufführte. Der US-Amerikaner Robert Ray hatte diese Messe mit den klassischen Teilen von Kyrie bis Agnus Dei im Jahr 1981 komponiert (Hier ist eine Youtube Aufnahme des Kyrie, bei der man Robert Ray dirigieren sieht).

Hier ist der Text der Predigt von Pfarrer Markus Beranek:

Der zweite Weihnachtsfeiertag, der Stephanitag und plötzlich sind wir mit dem brisanten Thema Religion und Gewalt konfrontiert. Stephanus wird im Namen der Religion ermordet.
Das klassische Modell wäre jetzt: hier die bösen Juden, die Stephanus umbringen und dort die guten Christen, allen voran Stephanus. Aber natürlich: so leicht ist es nicht. Stephanus ist selbst eine Jude und seine Rede, die er vor dem Hohen Rat hält, argumentiert mit der jüdischen Bibel und fügt sich ein in die Kritik der Propheten Israels.

Stephanus wird als einer der sieben Diakone eingesetzt, damit eine Gruppe der Armen, die hellenistischen Witwen, bei der Versorgung nicht zu kurz kommen. Kurz darauf tritt er bereits als leidenschaftlicher Prediger in Erscheinung. Als solcher wird er vor den Hohen Rat, das höchste religiöse Gremium, zitiert. Ähnlich wie Jesus wird ihm angelastet, dass er den Tempel und den Tempelkult kritisiert hat. Mit seiner Kritik am Tempelkult steht Stephanus in der Tradition der Propheten Israels. Gott ist größer. Gott lässt sich nicht in eingemauertes Haus, in ein Regelwerk von Opferriten und heiligen Traditionen einfangen. Zum rechten Gottesdienst gehört das praktische Leben, die Nächstenliebe, die Sorge um die Armen untrennbar dazu.
Stephanus stellt den Tempelkult und damit auch alle machtpolitischen und wirtschaftlichen Interessen die mit dem Tempel verbunden sind in Frage. Bei seinen Gegnern löst das eine tumultartige Lynchjustiz aus, die zu seiner Steinigung führt. Jetzt, im Moment seines Todes, gibt Stephanus seine innerste Überzeugung preis. Für ihn ist der Ort der Gegenwart Gottes Jesu, der Menschensohn, den er – wie oben auf unserem Hochaltar – im offenen Himmel zur Rechten des Vaters stehen sieht.
Die Stephanusgeschichte macht deutlich: ein Glaube, der auf äußere Formen, auf bestimmte religiöse Traditionen allein fixiert ist und der nichts mit einer lebendigen, partnerschaftlichen Beziehung zu Gott zu tun, so eine Glaube macht engstirnig und gewaltbereit. In scharfem Kontrast zu seinen Gegnern erscheint Stephanus völlig ruhig und gelassen. Auch wenn hier ein Idealbild gezeichnet wird bleibt doch der Hinweis: wo Menschen in ihrem Inneren tief mit Gott verbunden sind dort haben sie Zugang zu einem inneren Frieden, der auch durch alle Wellengänge des Lebens hindurch tragen kann.
Das Fest des Heiligen Stephanus lädt uns ein, Freundschaft mit dem Kind in der Krippe zu schließen, über alle frommen Gewohnheiten hinaus Gott als Freund und Partner zu entdecken, der uns auf Augenhöhe begegnen will.
Das Fest des Heiligen Stephanus könnte darüber hinaus unseren Blick weiten zu einer Solidarität mit Gläubigen unterschiedlichster Religionen, die sich auf ihre Weise, in ihrer Tradition um eine lebendige, authentische, wache Gottesbeziehung bemühen. Dann kann auch der interreligiöse Dialog uns helfen durch die Erfahrungen der Anderen unseren eigenen Glauben neu zu entdecken und uns so den Blick in den offenen Himmel, in die Herrlichkeit Gottes öffnen.




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