Mittwoch, 25. November 2015

Ein herrliches Werk - Erster Teil

Anlässlich des Festtages der Hl. Cäcilia gab es in unserer Stadtpfarrkirche eine Orgelkonzert auf der großen Kauffmann-Orgel. Michael Huber, Gymnasiumslehrer und Organist, leitete das Konzert mit einer interessanten Information über diese Orgel ein. Er hat uns dankenswerterweise den Artikel samt den Quellenangaben zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Es ist ein umfangreiches Werk, daher werden wir es hier im online Pfarrmagazin als Fortsetzungsgeschichte bringen. Daher "Stay tuned" für die nächsten zwei Folgen - alle noch vor Weihnachten.

„Ein herrliches Werk“
Die Entstehung der Kaiser-Franz-Joseph-Jubiläumsorgel in der Stadtpfarrkirche zu Stockerau im Jahre 1888


Von Michael Huber (Teil 1 von 3)

Die alte Orgel


Die Pflege der Orgelmusik hat in Stockerau eine lange Tradition. Albert Starzer schreibt, dass Pfarrer Georg Wolf, gestorben 1589, auch Organist war. Für das Jahr 1629 ist die erste Orgel bezeugt, über die allerdings nichts Näheres bekannt ist. Genau 47 Jahre später stellte ein Wiener Orgelbauer namens Lambertus Ruprecht eine neue Orgel auf, die rund ein dreiviertel Jahrhundert Bestand hatte. Im Jahre 1750 bekam Stockerau eine neue Orgel aus der Werkstätte des Wiener Meisters Johann Hencke, der auch für andere Orte in Niederösterreich Orgeln schuf, so für Großrussbach, Maria Taferl und die Horner Stadtpfarrkirche (letztere ist weitgehend im Originalzustand erhalten). Henckes bedeutendstes Werk ist zweifellos die der Stiftskirche Herzogenburg. Bemerkenswerterweise wurde die Hencke-Orgel auch in den Neubau der Stockerauer Pfarrkirche übernommen und erfuhr durch Henckes Schwiegersohn Anton Pfliegler eine Erweiterung. Auch Pfliegler war ein sehr angesehener Orgelbauer, wie seine bis heute erhaltenen Orgeln in Maria Dreieichen und in der Stiftskirche Altenburg beweisen.

Pläne für eine neue Orgel


Warum musste die Hencke-Pflieger-Orgel im Jahr 1888 dennoch abgetragen und durch ein neues Instrument ersetzt werden? Der Hauptgrund lag in der – aktenmäßig gut dokumentierten – Störungsanfälligkeit des Instruments, das im Laufe seiner 130-jährigen Geschichte nicht nur laufende Reparaturen, sondern auch drei größere Umbauten erfuhr. Zudem dürfte man in dem aufstrebenden Weinviertler Wirtschaftsstandort Stockerau „das Verlangen nach einem zeitgemäßen Instrument“ (Hans Heiling) gehabt haben. Von der alten Orgel ist, sieht man von den musizierenden Engeln und dem König David (letzterer im Bezirksmuseum) ab, nichts erhalten geblieben. Im Gegenteil: das Holz diente als Brennholz und die Zinn- und Zinkpfeifen wurden zum Materialwert abgebeben, wie Pfarrer Ernst Lukaseder im Memorabilienbuch der Pfarre schreibt. Der Genannte dürfte auch die treibende Kraft für den Neubau gewesen sein, war er doch auch sonst Neuerungen gegenüber aufgeschlossen: So etwa wurde im gleichen Jahr 1888 eine Gasbeleuchtung in der Kirche und im Pfarrhof installiert, eine Innovation, die vermutlich nicht zuletzt durch die Erfindung des Gasglühstrumpfes durch Carl Auer von Welsbach zwei Jahre zuvor angeregt wurde.

Wird fortgesetzt.

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