Sonntag, 19. Juli 2015

Heute ist Predigt-Tag

Unser Pfarrer Markus Beranek hat heute in der Halbzehnuhrmesse gepredigt. Aber wie, werden Sie vielleicht fragen. Die Frage kann beantwortet werden und hier ist die Predigt vom Sonntag, 19. Juli 2015. Übrigens: ganz wortgetreu ist der Text nicht, denn er hat uns auch aufgetragen oder vorgeschlagen, den heute gelesenen Psalm 23 vom Guten Hirten einfach auswendig zu lernen, damit wir ihn wie das Vater Unser in unserem Gebets-Repertoir immer mithaben. Waren deshalb heute nachmittags so wenig Menschen auf den Straßen unserer Stadt zu sehen, weil alle im kühlen Wohnzimmer den Psalm memorierten?

Die Predigt

„Und Herr Pfarrer, sind sie mit ihren Schäfchen zufrieden?“ Das ist tatsächlich eine ganz gute Frage, um ins Gespräch zu kommen. Dann erzähle ich von dem, was mir bei meiner Arbeit Freude macht, was ich als Herausforderung erlebe.
„Und Herr Pfarrer, sind sie mit ihren Schäfchen zufrieden?“ Zugleich merke ich dann immer auch, dass mir bei dieser Frage nicht ganz wohl ist. Oben am Berg ist das ja schön, wenn ich eine Schafherde treffe, wenn die Tiere kommen, sich streicheln lassen, sich zusammendrängen. Aber für die Mitchristen in der Pfarre kommt mir das Bild dann doch nicht so passend vor.  Da wünsche ich mir schon eine Begegnung auf Augenhöhe. Und dann werden für mich viele Hirtinnen und Hirten sichtbar: wenn Eltern auf ihre Kinder schauen, wenn Menschen für andere beten, wenn Frauen und Männer sich drum bemühen, im Beruf verantwortungsvoll zu handeln. Jede und jeder ist auf je eigene Weise Hirtin und Hirt.
Dieses Bild des Hirten steht für mich für einen Menschen, der etwas aus seinem Leben macht, sein Potential entfaltet. Der anderen auf Augenhöhe begegnet. Die Gemeinschaft der Getauften ist eine Gemeinschaft von Hirtinnen und Hirten – die Hauptaufgabe des Pfarrers übrigens scheint mir zu sein, dass ich dazu beitrage, dass das immer mehr zur Entfaltung kommt.
Aber zugleich spüre ich – für andere da sein, auf andere schauen, dass kann ich nur, wenn es in mir das Grundvertrauen gibt, dass wer auf mich schaut. Das haben wir von unseren Eltern mehr oder weniger mitbekommen. Der zweite Weltkrieg etwa, obwohl er schon 70 Jahre vorbei ist, wirkt, so scheint mir, bis heute nach, weil durch die Kriegswirren viele Menschen, in diesem Grundvertrauen erschüttert wurden und weil sie so dieses Vertrauen nur eingeschränkt ihren Nachkommen vermitteln konnten. Hier knüpfen für mich die biblischen Texte an und erschließen den Blick auf Jesus als einen, der uns durch all diese Erschütterungen hindurch entgegenkommt, als einer, der auf uns schaut. Jesus hält uns nicht für kuschelige, streichelweiche Lämmchen. Jesus begegnet uns auf Augenhöhe und will uns auf Augenhöhe haben. Die Nähe des Guten Hirten richtet auf. Macht erwachsen. Lehrt den aufrechten Gang. Macht Mut zum Handeln – und nimmt die Angst, dass wir Fehler machen.
Jesus, der Gute Hirt: Gottes Wegbegleiter, dass auch wir unsere Hirtenkraft entfalten.

Und hier sind noch die Segensworte zum abschließenden Segen:

Gott hat euch das Leben geschenkt
Er lasse euer Vertrauen wachsen
Er lasse euch wissen,
dass eure Wege von ihm behütet sind.

Gott braucht euch.
Er will euch auf Augenhöhe
Er öffne euch die Augen und das Herz,
damit ihr eure Angst überwindet,
damit ihr Mut habt zum aufrechten Gang,
damit ihr aufsteht gegen Wölfe und Gefahren
damit ihr Hirtinnen und Hirten seid
nach dem Beispiel Jesu

Dazu segne euch Gott:
Der Vater und der Sohn
Und der Heilige Geist

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