Samstag, 11. Juli 2015

1000 Jahre Pfarre Stockerau, die Jahre 1600 - 1700

In unserer Stadtzeitung gab es 2012 eine Serie von Berichten über die Geschichte der Stadt Stockerau im letzten Jahrtausend, die natürlich auch den Hintergrund der Pfarrgeschichte unserer im Jahr 2014 1000-jährigen Pfarre bildet. Wir haben freundlicherweise von der Redaktion der Stadtzeitung und der Autorin Gabriele Gruber-Redl die Freigabe zur Veröffentlichung in unseren Medien bekommen. Hier ist wieder ein Jahrhundert. Alle bisherigen sieben Jahrhunderte finden Sie unter dem Tag "Stadtgeschichte".

Die Stadt

Die "neue" Burg Kreuzenstein
Die Häuser des Marktes waren klein, hatten nur wenige Räume und mit Stroh gedeckte Dächer. Die Bewohner waren meist Handwerker, Händler und Kaufleute. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) kamen die Schweden 1645 und 1646 auch bis nach Stockerau, wo der schwedische Feldherr Lennart Torstensson sein Hauptquartier aufschlagen ließ. Das Land verarmte, das Leben kam zum Stillstand und, um noch ärgeres zu verhindern, mussten die Bewohner eine „Brandsteuer“ bezahlen. Als die feindlichen Truppen nicht mehr ausreichend Nahrung und Lebensunterhalt fanden, zogen sie ab. Vorher sprengten sie noch die Burg Kreuzenstein in die Luft, die lange eine Ruine blieb, bis sie im 19. Jahrhundert wieder neu aufgebaut wurde und ihre jetzige Gestalt erhielt.
Auch in Stockerau verwüsteten die Schweden das Land und ganze Ortsteile. Die Bewohner bauten die Häuser wieder auf, jedoch schöner, größer und geräumiger und die Dächer waren nicht mehr mit Stroh sondern mit Schindeln gedeckt.
Im Jahr 1698 bestand Stockerau aus 146 Häusern.  Vor allem die große Anzahl von „Inleuten“  machte der Marktgemeinde Sorgen. Im Jahr 1696 wurden 1297 Einwohner gezählt, davon waren 566 sogenannte „Inleute“ (Mieter). Um zu verhindern, dass die Inleute noch mehr wurden, machte der Markt einen Zuzug von einer Bewilligung abhängig. Nur junge, arbeitswillige Menschen sollten Unterkunft bekommen, „damit sie der Gemeinde nicht zur Last fielen“.

Quelle: Brückner, Johannes: Sozial- und Wirtschaftsgeschichte des Marktes Stockerau, Dissertation, 1953.


Klostergründung

Im Jahr 1652 wurde das Koloman-Kloster fertiggestellt. Doch schon vor Vollendung des Baus bezogen am 21. Dezember 1647 die ersten Mönche das Kloster. Zehn Mönche, darunter zwei Priester, zogen an diesem Tag in einer feierlichen Prozession in das neue Kloster. Begleitet wurden sie von vielen Andächtigen, dem Pfarrer von Stockerau und dem Marktrat. Erbaut wurde das Kloster an der Stelle an der der heilige Koloman den Märtyrertod fand. Bereits im 12. Jahrhundert bauten die Stockerauer hier eine Kapelle, die im 15. Jahrhundert zu einer kleinen Kirche ausgebaut wurde.
Im 17. Jahrhundert verhandelte der Marktrat von Stockerau mit dem Franziskanerorden über die Errichtung eines Klosters bei der Colomani-Kirche. Am 8. November 1641 gab der Kaiser und am 13. Mai 1643 der Bischof von Passau die Zustimmung zum Bau eines Klosters in Stockerau. Mit Unterstützung der Gemeinde, der benachbarten Herrschaften und der Bürger begann der Bau einer neuen Kirche und des Klosters, in das 1647 die Mönche einzogen und das 1652 fertiggestellt wurde. Die Kirche wurde am 22. August 1660 feierlich eingeweiht.
Als besonders freigiebiger Förderer dieses Projektes wird unter anderem der Stockerauer Bürger Michael Gerstmayr genannt. Auch Kaiser Ferdinand II. unterstützte die Mönche mit jährlich „38 Stock Salz“ aus den Salzwerken von Gmunden. Die Gemeinde schenkte dem Orden 6000 Ziegel und für weitere 20.500 Ziegel wurde nur der halbe Preis verlangt.
Unter Kaiser Joseph II. wurde im Jahr 1783 das Kloster aufgehoben. Die Mönche mussten anfangs Juni 1784 das Kloster verlassen und die Gemeinde übernahm das Gebäude. Die Statue des heiligen Koloman und die Säule der „unbefleckten Empfängnis Mariens“ kamen von ihren ursprünglichen Standorten beim Kloster weg. An der Südseite der Stockerauer Pfarrkirche fand die Statue vom heiligen Koloman einen neuen Platz, wo sie sich auch heute noch befindet. Die Säule der „unbefleckten Empfängnis Mariens“ hat auf dem Platz vor dem Pflegeheim in der Landstraße einen neuen Standort.
Zunächst wurde das Gebäude von der Militär-Ökonomie-Commission genutzt, aber bereits 1786 wurde es verkauft und eine Bandfabrik darin eingerichtet. Die Besitzer des Anwesens wechselten im Lauf der Jahre mehrmals und damit auch die Verwendung. Erst im Jahr 1912 wurde anstelle der alten, mittlerweile leider verfallenen Gebäude  mit dem Bau des neuen Klosters begonnen, wie wir es heute kennen.

Quelle: Starzer, Dr. Albert: Geschichte der Stadt Stockerau, 1911

Schützenverein 1602

Der Schützenverein 1602 ist der älteste Verein Stockeraus der heute noch besteht. Aus dem 17. Jahrhundert stammen die ersten Nachrichten und Zeugnisse dieses Vereines. Die älteste noch erhaltene Schützenscheibe ist die sogenannte „Salzküffelscheibe“ aus dem Jahr 1602, die im Bezirksmuseum Stockerau zu sehen ist. Am 1. Oktober 1604 wandten sich der Ratsbürger Wolfgang Müller und der Marktschreiber Hans Schrembhammer mit einer Bittschrift an den Markt Stockerau, „das ain ordentliche Schießstatt alhie (in Stockerau) aufgerichtet würde“.
Ihre Bitte fand Zustimmung. Eine Schießstatt sollte an einem dafür geeigneten und sicheren Grundstück errichtet werden, wo kein Schaden entstehen konnte. Ein solcher Platz, damals „öd und wüst“, verlassen, von den Bewohnern nicht genutzt und verwildert, befand sich vor dem Markt Stockerau, zwischen Hausgärten und dem Mühlbach. Wie uns der Name schon sagt, wurde die Schießstatt an der heutigen Schießstattgasse errichtet, wo sich heute Automobilmuseum, Parkplatz und Tennisplätze befinden.  Im Jahr 1611 ging das Grundstück in den Besitz der Stockerauer Schützen über.

Quelle: Hainisch, Gerta: Ritter, Schlecker, Sau und Stroh – Die Geschichte der Stockerauer Schützen im 17. und 18. Jahrhundert, 2002

Veröffentlicht in UNSERE STADT – Mai 2012
Autorin: Gabriele Gruber-Redl
Mit freundlicher Erlaubnis der Stadtamtsdirektorin Dr. Riedler

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