Sonntag, 5. April 2015

Predigt der Osternacht: Jesus nicht einbalsamieren

Dankenswerterweise dürfen wir die Predigt aus der Osternachtsfeier hier abdrucken, gehalten von Hauptzelebranten Kaplan Tomasz Iwandowski. Für alle, die nicht kommen konnten. Oder aber auch, wenn Sie mitgefeiert haben, um die Worte nochmals in Ruhe wirken zu lassen.

GESEGNETE OSTERN!


Stockerau, Osternacht 2015

"Das Leben geht weiter!", aber nur für die Hälfte der Europäer. Hast Du das gewusst? Für die andere Hälfte ist Gott tot, bleibt Jesus tot. Für sie hat er wahrscheinlich nichts mehr zu sagen, hat er keine Bedeutung mehr.
Für sie kann er nichts mehr tun.

So war das wohl auch für die drei Frauen, von denen uns der Evangelist berichtet. Für sie war Jesus tot. Es blieb ihnen nur die Möglichkeit zum Grab zu gehen, ihn einzubalsamieren, zu konservieren, zu mumifizieren. Sie wollten ihn möglichst lange so erhalten, wie er war. Sie wollten ihn in frommer Erinnerung behalten.

Wenn wir heute auch noch so denken, wenn auch wir Jesus für tot halten, dann ist verständlich, dass es so viele Versuche gibt ihn einzubalsamieren und zu mumifizieren: Wir mumifizieren Jesus in Traditionen und Geboten. Wir möchten das alles so belassen, wie es war. Und wenn wir den Stein einmal wegwälzen von all dem geschichtlichen Ballast, dann ist dahinter - nichts. Er, Jesus, ist nicht da.

Aber: Gott ist nicht tot. Jesus ist nicht tot. Das Leben geht weiter! Diese Erfahrung ist der erste Schock für die frommen Frauen. "Euer Öl und euren Balsam könnt ihr wegwerfen. Jesus lässt sich nicht konservieren. Er lässt sich nur immer wieder neu als der Lebendige erfahren! Geht nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen!" 

Wer Jesus bei den Toten sucht, der kann lange suchen. Der findet ihn nicht. Jesus ist schon längst in Galiläa. Und Galiläa - das ist überall dort, wo sich Leben abspielt. Wo Menschen die Höhen und Tiefen des Lebens erleben und miteinander teilen, wo sie sich gemeinsam mühen und freuen, lieben und leiden, lachen und weinen. Dort ist Jesus, der Anführer des Lebens.

Jesus will nicht in ein schön gepflegtes Grab gesteckt werden. Er will nicht nur ein ehrendes und frommes Gedenken. Er will, dass wir aus seinem Geist leben und ihm nachfolgen. Er will nicht nur, dass wir alljährlich der Gefallenen gedenken, sondern vor allem, dass wir den Frieden sichern. Er will nicht, dass die Messe ein Totenmahl wird in frommer Erinnerung an ihn, einen lieben Verstorbenen, sondern dass wir in uns die Bewusstheit wachhalten, dass er mitten unter uns lebt.

Darum hat er uns ja nicht einen Stein oder sonst einen leblosen Erinnerungsgegenstand hinterlassen, sondern Zeichen des Lebens: Brot und Wein. Darum ist jede Messe und jeder Sonntag eine Erinnerung an OSTERN:

"Macht den Lebenden nicht zum Toten! Lasst ihn unter euch lebendig sein! Denn er lebt und will, dass wir das Leben haben und es in Fülle haben." - hier und für immer. Denn das Leben geht weiter!

Im Alltag darf ich es oft erleben und den lebenden Jesus persönlich treffen.

  •  Wenn ich in den Augen der Kranken schaue und höre: „Herr Kpl. Ich habe keine Angst. Nach dem Tod kommt Leben“ – Auferstehung!
  • Wenn ich nach einem Begräbnis von den Angehörigen höre: „Wissen Sie, ich bin froh, weil meine Opa/Mama sicher im Himmel ist“ – Auferstehung!
  • Wenn ich einen Jugendlichen treffe, der ein schwieriges Leben hatte, der sagt: „Im Leben habe ich nur Scheiß aufgebaut. Es lohnt sich aber weiter zu leben, weil da oben jemand ist, der mir schon alles vergeben hat.“ – Auferstehung!

Ich sehe aber den lebenden Jesus in den lachenden Augen… (da war die spontane Geschichte aus der Arche <<gekürzt>>). Sie ist nicht nur für die Priester reserviert, diese Erfahrung kannst auch Du machen, wenn dein HERZ offen ist.

Und so bist DU heute schon dazu eingeladen Zeugin/Zeuge zu sein, dass das Leben dank des Auferstandenen viel weiter geht.

Viel Freude dafür!

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