Freitag, 6. März 2015

Von Mossul nach Stockerau

Klingt wie  eine schöne Ferienreise, ist es aber nicht. Wir waren heute bei einem jungen Paar in Stockerau zu Gast, die dank von Verwandten, die schon viele Jahre in Stockerau wohnen, hier eine Bleibe gefunden haben, nachdem sie zu Hause in Mossul (Irak) wegen des Einmarsches der Islamisten der IS alles zurücklassen mussten und Ende letzten Jahres zunächst in die nahe Stadt Erbil fliehen mussten, die zum kurdischen Gebiet gehört. Sie sind Christen, die junge Frau, die in einem Monat das erste Kind erwartet, ist chaldäisch-katholisch, ihr Mann ist syrisch orthodox. Beide waren im Irak gut ausgebildet in anspruchsvollen Berufen (Hochspannungstechnik-Ingenieur und Informationstechnologie) tätig und sind nur knapp dem Töten durch die islamistischen Besatzer entkommen. Sie hatten sich entschlossen, nach Österreich zu kommen und versuchen nun, sich mit Hilfe der Verwandten und der Pfarrcaritas in Stockerau einzuleben. Beide sprechen als Muttersprache Arabisch, aber auch gut Englisch, auch Französisch, aber noch kein Deutsch. Das lernen Sie gerade.

Mossul am Tigris
Eine ehemals wohlhabende Stadt,
denn dort fließt das Öl.
Ich glaube, dass sich nur wenige hier in Stockerau von unseren Leserinnen und Lesern vorstellen können, was so eine Flucht für Menschen bedeutet,  die sich zu Hause schon einen Wohlstand in einer modernen Stadt geschaffen haben und gerade eine Familie begründen. Ihr gesamtes Besitztum in Mossul ist weg und in der Hand der IS. So bekommt mit den Menschen und ihren Geschichten der Krieg im Irak ein reales Gesicht und wird noch viel schrecklicher und realer, als man ihn je im Fernsehen erleben kann.

von links:W. Flandorfer, Familie Saed,
K. Flandorfer, Karl Hochfelsner
von der Pfarrcaritas.








(Foto und Bericht: W. Flandorfer)

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