Mittwoch, 25. Februar 2015

Ein Thema, das einige interessierte

Wir haben bereits in der Ankündigung der Diskussion über das Fortpflanzungsgesetz  einige Details gebracht. Am Dienstag, 24.2., hatte nun die Veranstaltung - leider ohne Matthias Beck, der kurzfristig absagen musste - stattgefunden. An die 30 Gäste besuchten den Abend, naturgemäß viele Mitglieder des MKV und ÖCV, aber auch viele Gäste aus dem Umfeld der Katholischen Pfarre. Theodor Schmidt, Leiter des CV-Zirkels, begrüßte die Gäste und die Vortragenden. Wir versuchen, in den folgenden Zeilen einen oberflächlichen Eindruck von den Inhalten zu geben.

Karina Hellbert (Foto aus Xing)
Der Vortrag von Rechtsanwältin Karina Hellbert über die rechtliche Situation des kürzlich novellierten Gesetzes machte zunächst klar, warum die Novellierung notwendig wurde. Es steht einem EU-Mitgliedsstaat frei, neue Fortpflanzungsmethodiken grundsätzlich zu erlauben oder nicht. Die Einwände des Europäischen Gerichtshofes (auf Grund von Beschwerden aus dem Jahr 2000) und des Verfassungsgerichtshofes (auf Grund einer Zuweisung durch des Obersten Gerichtshof) basierten nur darauf, dass wer etwas erlaube, dies diskriminierungsfrei zu erlauben habe. Die Novellierung sollte nun diese Diskriminierungen ausbessern. Diskriminierung meint dabei das Thema Mann und Frau oder das Thema der sexuellen Ausrichtung von Paaren. Dabei ging es konkret darum, dass z.B. wenn eine Samenspende erlaubt ist, auch eine Eizellenspende erlaubt sein muss oder dass das, was für heterosexuelle Paare erlaubt ist, auch für homosexuelle Paare gelten muss. Aus dem Vortrag wurde schon auch klar, dass bei allen unterschiedlichen Meinungen in der Gesesllschaft der Gesetzgeber es sich auch bei der Novellierung nicht leicht gemacht hat. Dennoch ist es nicht klar, warum die Novelle nach so kurzer Diskussionsphase beschlossen wurde.

Markus Beranek (Foto: Beranek)
Aus dem Vortrag von Pfarrer Markus Beranek wurde klar, dass hier einfach ein grundsätzliches Problem unserer katholischen Kirche mit allen Methoden (und damit Gesetzen) da ist, bei denen Leben getötet wird, sei es, dass entnommene und dann befruchtete Eier nicht mehr eingepflanzt werden, da sie z.B. nicht benötigt werden oder genetische Probleme zeigen, oder sei es, dass ein Embryo früh oder spät abgetrieben wird. Für die katholische Lehre beginnt das Leben mit dem befruchteten Ei am 1. Tag. Darum ist alles, was nachher an Beseitigung dieses menschlichen Lebens durch Eingriffe des Menschen passiert, eine Tötung, die eine Sünde ist. Dieser klare Beginn des Lebens ist die Grund-Ursache aller Einwände, die es gegen diese Novellierung und das Gesetz überhaupt gibt. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch die Tatsache, dass die evangelische Kirche diese Novellierung gutgeheissen hat. Markus Beranek führte dies auf die größere Betonung des Individuum in der evangelischen Moraltheologie zurück. Aber auch in der katholischen Kirche ist natürlich zwischen einem grundsätzlichem Standpunkt und der Handlung einzelner Menschen in ihrer jeweiligen Situation zu unterscheiden. "Wer bin ich, um über sie zu urteilen" sagte unser jetziger Papst, dem das Thema Barmherzigkeit sehr am Herzen liegt,  einmal.

Dazu noch ein Zitat aus dem letzten Pfarrblatt, das ja dem Thema Leben gewidmet ist. Papst Franziskus sagte vor 7000 Ärzten im November 2014 unter anderem: "Dort, wo es menschliches Leben gibt, ist es falsch, es zu töten, um ein menschliches Problem zu lösen. Das hat nichts mit Fortschritt zu tun: Töten bedeutet heute noch dasselbe wie in der Antike."

Insgesamt war klar, dass dies ein Thema ist, das schon breitere Kreise der Gesellschaft interessieren sollte, besonders deshalb, weil man annimmt, dass die Eingriffe im Sinne des österreichischen Fortpflanzungsgesetzes und darüber hinaus in Ländern, die hier noch wesentlich freizügigere Gesetze haben,  wegen der zunehmenden Verschlechterung der Zeugungsfähigkeit auch jüngerer Männer im "Westen", aber auch wegen der fehlenden Unterstützung "frühen Kinderbekommens" in der Gesellschaft, von steigender Bedeutung sein wird.

Ein interessanter Abend mit vielen Informationen und einer lebendigen Diskussion. Eine gute Gelegenheit, sich zu diesem Thema eine Meinung zu bilden. Und auch die Bildung der eigenen Meinung wird wohl nicht so schnell abgeschlossen sein. Dazu hat das Thema viel zu viele Aspekte.

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