Sonntag, 21. Dezember 2014

1000 Jahre Pfarre Stockerau, die Jahre 1400 - 1500

In unserer Stadtzeitung gab es 2012 eine Serie von Berichten über die Geschichte der Stadt Stockerau im letzten Jahrtausend, die natürlich auch den Hintergrund der Pfarrgeschichte unserer im Jahr 2014 1000-jährigen Pfarre bildet. In den Weihnachtstagen hat manche und mancher von Ihnen vielleicht wieder Zeit wieder einen dieser Artikel zu lesen. Wir haben freundlicherweise von der Redaktion der Stadtzeitung und der Autorin Gabriele Gruber-Redl die Freigabe zur Veröffentlichung in unseren Medien bekommen. Hier ist wieder ein Jahrhundert. Alle bisherigen sechs Jahrhunderte finden Sie unter dem Tag "Stadtgeschichte".

Der „kaiserliche“ Markt Stockerau

Das bedeutendste Ereignis im 15. Jahrhundert war für Stockerau die Markterhebung durch Kaiser Friedrich III. am 5. April 1465. Als Belohnung für die Treue gegenüber dem Kaiser im Kampf um die Herrschaft in Österreich beschenkte der Kaiser all jene, die in dieser Zeit zu ihm gehalten hatten. Seine Möglichkeiten der Belohnung waren sehr eingeschränkt. Er vergab nur wenige Vermögenswerte wie Grund und Boden, was mit finanziellen Einkünften für die Beschenkten verbunden gewesen wäre.  Sondern er verteilte sehr großzügig Rechte, Freiheiten und „Gnaden“, wozu er als Herrscher berechtigt war.  Auch Stockerau wurde belohnt. Die Bitte der Stockerauer  an den Kaiser, das „Dorf Stockheraw zu einem Markt“ zu erheben, wurde vom Kaiser erhört und am 5. April 1465 wurde in Wiener Neustadt die Urkunde über die Markterhebung ausgestellt.
Im 18. Jahrhundert, 300 Jahre später, wurde zur Erinnerung an diesen so bedeutenden Tag für Stockerau, im Auftrag der Stadt von einem Maler ein Bild von diesem Ereignis gemalt. Dieses Bild befand sich im Sitzungssaal des Rathauses, von wo es in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg leider verschwand. An der Wand der „Kirchenschule“, Kirchenplatz Nr.2 befindet sich ein Sgraffito (siehe Bild) aus dem Jahr 1958, eine Wandmalerei, von dem Künstler Ferry Donat von eben diesem Bild.
Mit der Markterhebung verlieh Kaiser Friedrich III. den Einwohnern von Stockerau das Bürgerrecht und das Marktrecht. Das Marktrecht war die Erlaubnis, einen Markt abzuhalten. Nun durfte in Stockerau jeden Montag ein Wochenmarkt und einmal im Jahr, 8 Tage nach der Sonnenwende im Juni, ein Jahrmarkt abgehalten werden.

Ein unruhiges Jahrhundert
Auch dieses Jahrhundert war geprägt von Unruhe und politischen Auseinandersetzungen. Zu Beginn des Jahrhunderts sorgten die Hussitenkriege für großes Leid unter der Bevölkerung. Die Hussiten waren Anhänger des tschechischen Theologen Johannes Hus, der den Reichtum, den Ablasshandel, das Erlöschen von Sünden durch Bezahlung an die Kirche und die Sittenlosigkeit der römisch-katholischen Kirche anprangerte. Johannes Hus wurde zum Tode verurteilt und im Jahr 1415 auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Als seine Anhänger von Ämtern im Kirchen- und Staatsdienst ausgeschlossen wurden, kam es zu einem Aufstand, aus dem bald ein Krieg wurde. Bis nach Niederösterreich kamen  1426 und 1428 die Hussiten und verwüsteten das Land. Auch Stockerau wurde niedergebrannt und viele Bewohner kamen ums Leben.
Nur kurze Zeit konnte sich das Land erholen, schon entstand der nächste Konflikt. Kaiser Friedrich III. und sein Bruder Albrecht VI. stritten um die Herrschaft in den österreichischen Ländern. Als Albrecht auch Böhmen unter seine Herrschaft bringen wollte, kam es zu zwischen ihm und dem böhmischen König Georg von Podiebrad 1458 zu Kämpfen, die auch in der Nähe von Stockerau ausgetragen wurden.
Die Schäden, die durch den Streit der Brüder und dem Krieg entstanden, wurden durch Naturkatastrophen und Krankheit noch vermehrt. Eine sogenannte Brandsteuer wurde eingehoben, damit sich das Land rascher erholen könne. Das Geld verlor an Wert und die Preise für Entlohnung und Waren stieg in die Höhe. Die Unzufriedenheit im Volk war sehr groß. Da versammelten sich die Adeligen, trotz Versammlungsverbot des Kaisers, um über die schlechte Lage im Land zu beraten. Die erste dieser Versammlungen wurde in Stockerau abgehalten.
Die Bemühungen um Frieden zeigten keinen Erfolg. Erst als im Jahr 1463 Albrecht VI. starb, kam das Land zur Ruhe.  Zwei Jahre später, 1465, wurde Stockerau, wie auch andere Orte, für die Treue zum Kaiser mit der eingangs erwähnten Markterhebung belohnt. Leider währte der Frieden nicht lange und die Unzufriedenheit des Adels brachte wieder Unruhe und Machtkämpfe über das Land die bis zum Jahr 1491 dauern sollten. So konnte Stockerau seine neu erhaltenen Rechte und die Vorteile daraus nicht so bald nutzen.

Veröffentlicht in UNSERE STADT – März 2012
Autorin: Gabriele Gruber-Redl
Mit freundlicher Erlaubnis der Stadtamtsdirektorin Dr. Riedler

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