Samstag, 11. Oktober 2014

Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen

Elisabeth Weber, die in Stockerau für die Katholische Frauenbewegung verantwortlich ist, hat uns auf einen Beitrag zum aktuellen Flüchtlingsthema hingewiesen. 

Gedanken von Traude Novy (Bild von ihrer Webseite), Bloggerin und begeistertes Mitglied der Katholischen Frauenbewegung, zum Umgang mit Flüchtlingen in Österreich:

Liebe Frauen,

Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen  (Mt. 25,35 – 37). Mit dieser Aussage stellt Jesus ein für allemal klar, worauf es für uns als Christinnen und Christen ankommt. Am Umgang mit Fremden und ausgegrenzten Menschen erweist sich die Glaubwürdigkeit unseres Bekenntnisses. Niemand – am allerwenigsten Jesus – sagt allerdings, dass das eine leichte Lebensaufgabe ist.

Die Nachrichten zeigen uns täglich Menschen, die nur um ihr Leben zu retten, fliehen müssen. Wir hören wöchentlich von gekenterten Flüchtlingsbooten im Mittelmeer. Dennoch erleben wir in vielen europäischen Staaten und leider auch in Österreich das unwürdige Schauspiel, dass niemand diese Menschen aufnehmen will. Länder und Gemeinden fürchten - nicht ganz unbegründet - den Zorn der Bevölkerung und sträuben sich, Plätze für Asyl Suchende zur Verfügung zu stellen. In einer solchen Situation, steht  unser Glaube auf dem Prüfstand.

Der von Jesus geforderte Einsatz für Fremde, Hungrige und Obdachlose verlangt von uns konkrete Taten. Es geht nicht zuallererst darum, selbst Unterkünfte für Asylsuchende zur  Verfügung  zu stellen, sondern darum, eine Veränderung in den Köpfen und Herzen der Menschen zu bewirken. Wir Christinnen und Christen sind dringend gefragt, wenn es darum geht,  die Einstellung in unseren Freundeskreisen und Gemeinden zu beeinflussen. „Fürchtet euch nicht!“ ist die Botschaft, die wir zu bringen haben. Das Motto des Familienfasttages, „Teilen macht stark“ kann jetzt ganz konkret seine Wirkmächtigkeit entfalten, indem wir Flüchtlingen ein Lebensrecht in unseren Gemeinden zugestehen. Wenn es uns wirklich wichtig ist, sind wir nicht machtlos. Wir können das fremdenfeindliche Klima in unserem Umfeld wandeln, wenn wir unsere Stimme für jene erheben, die das derzeit am dringendsten brauchen. 

Die Frauen der kfb haben eine lange Geschichte der Solidarität mit Benachteiligten. Die Aufnahme der Flüchtlinge im Jugoslawienkrieg ist vielen von uns noch in lebhafter Erinnerung. Knüpfen wir an diese Tradition an und machen wir uns überall dort, wo es uns möglich ist, für jene Frauen, Männer und Kinder stark, die unsere christliche Solidarität  herausfordern. Nützen wir die Stärke der Gemeinschaft unserer Frauengruppen, damit die reservierte und ablehnende Einstellung Fremden gegenüber, der wir überall begegnen, zu einer positiven Haltung  gewandelt werden kann. 

Traude Novy

PS.: Traude Novy hat das für Frauen geschrieben. Wir  wissen nicht, ob es auch einen Text speziell für Männer gibt, aber der Text passt schon auch für Männer. Und obwohl Frau Novy zurecht schreibt, dass es zuallererst ums Umdenken geht, legen wir ihnen dennoch nocheinmal den Aufruf von Pfarrer Markus Beranek und unserer Caritas ans Herz, wo es ganz konkret und dringend um Wohnungen in Stockerau für syrische Flüchtlingsfamilien geht.

Übrigens: Hier gibt es noch einen sehr persönlichen Beitrag in Traude Novys Blog zum Thema.

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