Samstag, 6. September 2014

Der Zug der Zeit

So rechnet Google Maps. Fußweg von Irun nach Santiago.
Wir berichten wieder von Geris Weg, seinem Pilgerweg von Stockerau nach Santiago de Compostella, da er dieser Tage die 2000 km vollendet hat. Da es sich sonst mit seiner "Freizeit" nicht ausgeht, entschied Geri, ein Stück (etwa 150 km) bis ins spanische Irun  mit dem Zug zu verkürzen. Jetzt beginnt der spanische Weg. In seinem Tagebuch berichtet er über die Zugfahrt und den Beginn des spanischen Weges an der Küste, den er gewählt hat.

"Der Tag begann gut, ich hatte gut geschlafen, genoss viel frische Luft, und kein Schnarchen. Ich bin nicht ausgeraubt oder ermordet worden! Nur das Gewand war nicht ganz trocken geworden, der Morgentau war stärker! Das Frühstück war dann ganz ok und der Vermieter, den ich mein Vorhaben erzählte, wollte mich von meinem Plan abhalten und erklärte mir einen anderen Weg, geduldig hörte ich mir seine Version an, nickte artig und ging dann meinen Weg.
Die 10 km zum Bahnhof waren dann besser als erwartet, es war zwar noch relativ starker Nebel, aber wenig Verkehr und so kam ich 2 Stunden vor Abfahrt zum Bahnhof. Ich kaufte die Karten und wartete am Bahnhof. Das ruhige Sitzen war angenehm und ich las im Führer über Spanien. Als dann der Zug kam, kam auch ein lange Durchsage, auf französisch natürlich, und ich verstand es nicht, auch klar. Fast alle, die am Bahnsteig standen, suchten sich nun einen anderen Platz. Die Durchsage, so erklärte mir eine Frau, die meinen fragenden Blick sah, kündigte die Wagennummern an und nachdem sie meine sah, schickte sie mich auf meinen Platz (der stimmte zwar nicht genau, aber immerhin). Der Zug hatte 5 Minuten Verspätung und ich hatte 9 Minuten Zeit zum Umsteigen in Dax. Als der Zug ankam, fragte ich einen Mann am Bahnsteig und der erklärte mir irgendetwas wortreich, der Geste entnahm ich, dass ich die Stiegen hinunter und nach rechts musste. Ich ging hinunter und sah rechts zwei Aufgänge, ich nahm den ersten und der Zug nach Irun fuhr gerade ein. Es waren, besser gesagt, zwei Züge, die aneinander gekoppelt waren. Das wäre ja kein Problem. Nur fuhr der zweite nicht bis Irun und ich stieg natürlich in den zweiten ein. Dort suchte ich meinen Platz und fand im fünften Wagen einen Schaffner,  der mir erklärte, dass ich im falschen Zug bin und ich bei der nächsten Station wechseln müsse. Also wieder die 5 Wagen zurück, bei der Tür warten und bei der nächsten Station umsteigen. Aber ich kam nach Irun, die Wege des Herrn sind oft verschlungen, aber sie führen zum Ziel! Irun ist eine Großstadt mit 60.000 Einwohnern, in der ich eigentlich einen neuen Führer kaufen wollte. Aber ich fand dort nichts, nur ein Geschäft zum Einkaufen. Ständig verwendete ich meine französischen Vokabel (die paar, die ich kenne) und jetzt muss ich mich umgewöhnen!
Ich brauchte länger um aus Irun den richtigen Weg heraus zu finden, aber schließlich fand ich ihn, er wird hier oft einfach nur mit gelben Pfeilen markiert, die irgendwo auf Häusern, Bäumen oder Straßenlaternen gemalt sind. Ich stapfte also los. Um 16 Uhr sah ich eine Herberge, aber es war einfach zu früh und mein Führer schrieb, dass die nächste Station in 12 km ist. Das geht, dachte ich. Ich ging los, immer bergauf, und  schließlich kam ich an eine Weggabelung. Die eine Richtung stand für normaler Pilger,  die andere für bergerfahrene Pilger. Als echter Österreicher musste ich natürlich den zweiten Weg nehmen, auch mein Führer empfahl in. Es ging 500 Meter hinauf, dort ging man dann auf einer Hochebene mit tollem Ausblick, leider hielt ich mich dann nicht an den Führer und folgte dem angegebenen Wanderweg, der bis jetzt mit dem Pilgerweg ident war, und so ging ich etwas länger und kam erst um 1/2 8 bei meinem Quartier an. Das war aber voll, doch der Hausherr empfahl mir und einem Deutschen ein Privatquartier in der Nähe und wir gingen hin und bekamen ein Zimmer zu Zweit".

Jetzt in Spanien aber wirklich: Buen Camino!

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