Montag, 11. August 2014

Am Pilgerschiff

Wieder gibt es einen Einblick in Geri's langen Weg, der bald nur mehr über zwei Länder führt. Vom Kloster Einsiedeln bis Fribourg begleitete ihn seine liebe Frau, Sigi, von der wir auch ein schönes Foto von unserem Stockerauer Pilger bekommen haben.
Am 11.August - das ist heute - erreichte er Genf und damit fast die Grenze zu Frankreich. Lesen Sie selbst seinen schon recht poetischen Tagebucheintrag:

Der erste Teil des Weges durch Frankreich
"Die Nacht war mittelprächtig, es war angenehm still, das Bett war gut, der Mann, der mit mir das Zimmer teilte, schnarchte nicht, nur lag er neben dem Fenster, und als ich das Zimmer betrat, schlief er schon und so konnte ich das Fenster nicht mehr öffnen und wir hatten in der Früh einen akuten Sauerstoffmangel!
Nach dem Frühstück machte ich mich auf den Weg zum Hafen, ich hatte nämlich schon lange beschlossen, über den Genfersee mit dem Schiff zu fahren und nach dem gestrigen Tag war das eine doppelte Wohltat! Statt 71km zu Fuß nur 3 km zum Hafen und dann 4 Stunden mit dem Schiff! Ich bin halt doch ein fauler Pilger! In einem meiner Bücher über den Jakobsweg habe ich einmal gelesen, dass früher die reichen Pilger das Schiff nahmen und die armen Pilger gingen zu Fuß. Heute, meinte der Autor, sei das umgekehrt, weil die Quartiere so teuer sind. Und das stimmt! Ich müsste zumindest 2 mal irgendwo übernachten und die Überfahrt kostete nur 43 Franken, so günstig ist selten ein Quartier!
Die Schifffahrt war gemütlich, es war ein alter Raddampfer. Während der Überfahrt dachte ich über meinen Weg nach, ich dringe immer tiefer in Regionen, die für mich sprachlich absolut unbekannt sind. Wie früher Abenteurer auf dem Raddampfer über Flüsse immer tiefer in den Dschungel in unbekannte Gegenden vorstießen, so nähere ich mich endgültig dem französischen Sprachgebiet. Eigentlich bin ich ja schon in diesem Gebiet, weil hier fast niemand mehr deutsch spricht, fast alle können nur mehr englisch als Zweitsprache und das in der Schweiz!
Das monotone Geräusch der Kolben, die immer im selben Rhythmus ihren Weg gehen, erinnerte mich an meine Beine, die auch immer einen Schritt nach dem anderen setzen, linker Fuß, rechter Fuß, linker Fuß, rechter Fuß. Und der Kopf, gleich dem Kapitän, gibt nur die Richtung und die Geschwindigkeit vor. Und so lange alles gut geht, denkt der Kopf nicht an die Beine und der Kapitän nicht an die Kolben.
Das gleichmäßige Geräusch hüllte mich ein, ich saß und lag in der Nähe des Motors, weil es wiedereinmal regnete. In Genf suchte ich wieder die Jugendherberge auf und genoss noch den ruhigen Nachmittag".

Buen Camino, lieber Geri, weiterhin. Oder ab jetzt Bon Voyage!

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