Montag, 11. August 2014

1000 Jahre Pfarre Stockerau, die Jahre 1300 - 1400

Wie versprochen wieder ein Beitrag zu Stockerau durch die Jahrhunderte, diesmal das vierte Jahrhundert des letzten Jahrtausends.

Stockerau und Korneuburg lagen in einem Wettstreit um den Vorrang des Hauptmarktes für das Viertel unter dem Manhartsberg, das Weinviertel. Herzog Friedrich der Schöne bestimmte im Jahr 1327, dass auf der Donaustrecke zwischen Krems und Korneuburg nur diese beiden Städte das Recht hatten, „Getreide anzuschütten, Holz und Wein anzuziehen und weiter zu verfrachten“. Das bedeutete, dass nur Krems und Korneuburg mit Getreide, Holz und Wein Handel treiben durften. Diese Urkunde vom 5. April 1327 betonte ausdrücklich, dass Stockerau diese Rechte nicht zustanden.
Stockerau war aber bereits ein sehr bedeutender Ort. Die Donau, damals ein natürlicher, bequemer und wichtiger Verkehrsweg, floss direkt an den Häusern Stockeraus vorbei. Erst im 19. Jahrhundert wurde Stockerau durch den Eisenbahnbau von der Donau getrennt. Auch die Straßen von Böhmen, Mähren und dem Umland trafen in Stockerau zusammen und führten nach Wien weiter.
Die Bevölkerung Stockeraus handelte schon immer mit Produkten aus der Region. Aber jetzt versuchten sie, sich dieses Recht – dieses Privileg – von ihrem Herrscher bestätigen zu lassen. Und tatsächlich, nur wenige Wochen später, nämlich am 15. Juni 1327, erlaubte derselbe Herrscher, Friedrich der Schöne, den Bewohnern von Stockerau mit Getreide, Holz und Wein zu handeln.  Damit begann ein Streit zwischen Stockerau und Korneuburg, der vierhundert Jahre dauern sollte. Erst im Jahr 1732 konnten die Streitigkeiten zwischen den beiden Städten beigelegt werden. Krankheiten, Wetter, Naturkatastrophen und Raub und Plünderungen verhinderten eine erfolgreiche Weiterentwicklung Stockeraus und auch der umliegenden Orte.
Ende Juli 1338 kamen solche Schwärme von Wanderheuschrecken, dass sie beim Fliegen die Sonne verfinsterten und, wo sie sich niederließen, meilenweit den Boden bedeckten. Alles, was auf den Feldern war, wurde von ihnen abgefressen, nur den Weinstock ließen sie unberührt. Drei Jahre lang währte diese Plage. Im Frühjahr 1340 herrschte eine fünfwöchige sehr strenge Kälte und hierauf richteten Überschwemmungen ungeheuren Schaden an. Im Juni 1349 brach die Pest aus, welche bis in den September wütete, nach 10 Jahren kam sie wieder. (Starzer, Geschichte der Stadt Stockerau, 1911)
Die Adeligen, eigentlich Vorbilder und Beschützer, zogen beutelustig wie „Raubritter“ durch das Land. Ein Chronist aus jener Zeit berichtete: „Alle, die edel sein sollten, Ritter, Knechte, Knappen und etliche Herren waren Diebe und Verräter.“ In Mähren, hauptsächlich in Znaim, fanden sie Zuflucht. König Sigismund von Ungarn und Herzog Albrecht IV. von Österreich wollten diesem „Raubrittertum“ ein Ende bereiten und belagerten mit einem Heer die Stadt Znaim. Da aber eine Krankheit, die Ruhr, ausbrach, musste die Belagerung aufgegeben werden und das Heer kehrte wieder nach Hause zurück. Auch Herzog Albrecht IV. erkrankte an der Ruhr und wurde von Zaim nach Klosterneuburg gebracht, wo er am 14. September 1404 verstarb.

Veröffentlicht in UNSERE STADT – Februar 2012
Autorin: Gabriele Gruber-Redl
Mit freundlicher Erlaubnis der Stadtamtsdirektorin Dr. Riedler

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