Dienstag, 8. Juli 2014

1000 Jahre Pfarre Stockerau - die Jahre 1200-1300

Die Autorin mit dem Hl. Stephanus
Wie versprochen wieder ein Beitrag zu Stockerau durch die Jahrhunderte, diesmal das dritte Jahrhundert des letzten Jahrtausends.

In den Jahren 1230, 1235  und auch im Jahr 1239 kam es zwischen dem österreichischen Herzog Friedrich II. und den Böhmen zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Der böhmische König Wenzel wollte das Land nördlich der Donau. Nach einem Einfall des böhmischen Heeres in unserem Land im Herbst 1239 schlossen die beiden Herrscher im Jahr 1240 Frieden und vereinbarten eine Hochzeit zwischen den beiden Herrscherhäusern. Als jedoch Friedrich II. im Jahr 1246 in einer Schlacht starb, erlosch mit seinem Tod die männliche Linie der Babenberger und damit waren die österreichischen Länder herrscherlos.

Der Sohn des böhmischen Königs Wenzel, Ottokar von Böhmen, konnte schließlich den Sieg über die Herrscherfrage für sich entscheiden und wurde 1251 Herzog von Österreich. Nach der ersten Erwähnung im Jahr 1012 wird Stockerau über einen langen Zeitraum hinweg – nämlich 260 Jahre – nicht genannt.
Erst jetzt zum Jahr 1272 können wir wieder über Stockerau berichten. Damals wurde das doch schon bedeutende Dorf Stockerau von König Ottokar dem Schatzmeister und Grafen Aegidius überlassen.  Aegidius erhielt dadurch jährlich 2000 Mark an Einkünften. Doch Aegidius blieb nicht lange. Nach Streitigkeiten um den ungarischen Thron floh Aegidius zuerst zu König Ottokar, um dann doch wieder die Seiten zu wechseln, und nach Ungarn zurückzukehren.

Die Regierungszeit Ottokars von Böhmen in Niederösterreich ging zu Ende. Im Kampf gegen den deutschen König Rudolf I. wurde er von den Adeligen, die er durch seine Strenge verärgert hatte, nicht mehr erfolgreich unterstützt.  Und auch der erste österreichische Herrscher aus dem Hause Habsburg, Albrecht I. verärgerte durch seine Strenge den Adel. Er strich Vergünstigungen und Privilegien des Adels. Unzufriedenheit machte sich unter den Adeligen im Land bemerkbar.
Da können wir in der Geschichtsschreibung wieder von Stockerau lesen: Als im Jahr 1295 das Gerücht vom kranken und schließlich verstorbenen Herzog die Runde machte, versuchten sich die Adeligen von der unliebsam gewordenen Herrschaft zu befreien. Es kam zu Angriffen gegen die Anhänger des Herzogs. Wie peinlich für die aufständischen Adeligen, als bekannt wurde, dass das Gerücht um den Tod des Herzogs falsch war und der Herzog noch lebte. Die aufrührerischen Adeligen konnten nicht mehr so tun als sei nichts geschehen, sie beschlossen, sich zu versammeln, um über weitere Schritte zu beraten. Als Versammlungsort wurde Stockerau bestimmt. Hier trafen sich doch eine recht ansehnliche Zahl an Aufständischen.

Sie beschlossen, zwei Boten mit der Bitte um Hilfe an den böhmischen König Wenzel zu schicken. Um sich aber nach allen Seiten abzusichern, wurde auch eine kleine Delegation zu Herzog Albrecht I. entsandt mit der Forderung um Wiederherstellung und Anerkennung der alten Rechte und Privilegien. Da der Herzog auf die Forderungen des Adels nicht weiter einging, kam es zu einer weiteren Versammlung, diesmal in Trübensee. Im Jahr 1296 endete der Aufruhr mit einer Niederlage des Adels.

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Veröffentlicht in UNSERE STADT – Jänner 2012
Autorin: Gabriele Gruber-Redl
Mit freundlicher Erlaubnis der Stadtamtsdirektorin Dr. Riedler

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