Mittwoch, 14. Mai 2014

Ein polnischer Heiliger

Für das neue Pfarrblatt, das nächste Woche gedruckt wird, haben wir Maria Ubik, eine Stockerauerin, die aus Polen stammt, gebeten, über "ihren" Heiligen Papst etwas zu schreiben. Wenn das Herz voll ist, geht das Papier über - so mussten wir den Artikel im gedruckten Pfarrblatt leider ein wenig kürzen. Damit alle die Chance haben, Maria Ubiks "Liebeserklärung" im vollen Wortlaut zu lesen, gibt es diesen Artikel.

Ein polnischer Heiliger

Der Hl. Johannes Paul II ist für mich ein besonderer Mensch und ist ein Vorbild für mich. Es war authentisch, herzlich, empathisch, optimistisch, lustig und demütig. Ausserdem kommt er aus meiner Umgebung in Polen, was uns auch verbindet. Der besondere Bezug zur Gottesmutter Maria und dem Hl. Geist verbindet uns ebenfalls. Was er für uns Polen in der damals äußerst schwierigen politischen Situation getan hat, ist unbeschreiblich. Ich glaube, er hat keine Sekunde vergessen, dass er ein Pole ist. Er hat für uns immer einen guten Rat gehabt und uns aufgemuntert.
Ich erinnere mich an folgende lustige Geschichte aus meiner Schulzeit. Damals war der Papst gerade während einer Polenreisen in Krakau. Weil Wadowice, der Geburtsort von Karol Wojtyla, sich in der Nähe befindet, sagte jemand, dass er sicher Wadowice besuchen wird. Sofort strömten von überall her Leute dorthin, natürlich auch ich und meine Freundinnen. Wir waren schon sehr früh dort um einen guten Platz zu finden. Natürlich glücklich und voller Hoffnung auf ein Treffen mit unserem Papst ...! Alle haben gebetet und gesungen und gelacht und immer wieder hat einer gesagt "Er kommt bald, er kommt sicher!" Wir warteten und warteten und warteten... Leider war es aber falscher Alarm, wir würden noch heute warten. Aber dieser ganze Tag voller Hoffnung und Freude ist trotzdem unvergesslich geblieben.

Eines Tages besuchte ich zu Ostern meine Freunde in Rom. Meine Freundin erzählte mir vom Kreuzweg im Kolosseum am Karfreitag. Da wollte ich unbedingt hingehen, um bei unserem Papst dabei zu sein. Wir waren sehr früh dort und hatten einen Platz bei der sechsten Station (rein zufällig). Als diese Kreuzwegstation angefangen hat, war ich sehr berührt, alleine durch die Art, wie Johannes Paul II gebetet hat. Noch berührender war, als ich ihn dann unmittelbar vor mir sah. Diese Ruhe und tiefe Versunkenheit im Gebet lies mir die Gänsehaut auflaufen und ich hätte nichts sagen können. Ich war einfach überglücklich. Und am Ende des Kreuzweges gab es wie immer den Segen und Grußworte auf Polnisch (natürlich mit einem kleinen Scherz gewürzt). Dieses Bild von Johannes Paul II habe ich seither bei jedem Kreuzweg vor Augen, besonders am Karfreitag.

Ich war sehr stolz auf "meinen" Papst, weil er so viel für den Frieden gemacht hat. Weil für ihn immer der Mensch das wichtigste war und die Liebe füreinander im Mittelpunkt stand. Für ihn verband immer Respekt und Liebe alle Menschen, egal welche Nation, Religion, Altersstufe oder soziale Herkunft. Bei ihm waren alle Menschen gleich!

Persönlich getroffen hat es mich immer, wenn Leute ihn nicht wertgeschätzt und verurteilt haben. Da war ich irgendwie traurig.

Auch bei seiner letzten Österreichreise habe ich das Glück gehabt, mit meiner Familie am Heldenplatz dabei zu sein. Obwohl der Heldenplatz voll war, gab es für mich überraschend wenig Gedränge, da war ich von Polen viel, viel mehr gewohnt. Durch die negative Kritik, die ich dort erlebt habe, war ich anfangs schockiert und enttäuscht. Aber dann war ich erleichtert, dass der überwiegende Teil der Menschen dem Papst zujubelte und mit ihm gesungen und die Messe gefeiert hat.

Es hat mich auch sehr tief betroffen, wie der Papst in seinen letzten Lebensjahren leidend zu sehen war. Einerseits habe ich ihn bewundert, dass er trotz seiner schweren Krankheit seine Mission als Papst weitergeführt hat. Andererseits habe ich bei seinen Leiden Mitleid mit ihm gehabt. Er ist für mich ein wirklich großer Mensch, der sein Leiden in Demut getragen hat.

Ein besonders persönliches Erlebnis war für mich am Tag seines Todes, dem 2. April 2005. Viele Polen sind damals nach Rom gefahren, um in seinen letzten Stunden bei ihm zu wachen und zu beten. Auch ich wollte dort sein, aber irgendwie ist es nicht dazu gekommen. Trotzdem war ich immer geistig bei ihm und habe für seine Erlösung gebetet. Ich weiß nicht warum, aber plötzlich stand ich auf und habe eine Kerze nur für IHN angezündet. Keine drei Minuten später habe ich im Fernsehen von seinem Tod erfahren. Dieser Moment ist mir unter die Haut gegangen, eigentlich bis heute. 

Es freut mich sehr, dass er jetzt Heilig gesprochen ist!

Maria Ubik
Stockerauerin aus Polen



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