Montag, 14. April 2014

Der Brief der jungen Lehrerin

Haben Sie auch schon dieser Tage per e-Mail oder in Facebook einen Brief einer jungen Lehrerin aus Oberösterreich verteilt bekommen, in dem darauf hingewiesen wird, dass in Linz in den Schulen der Gruß "Grüß Gott" mit Rücksicht auf die moslemischen Mitschüler verboten wurde. Vielleicht haben Sie ihn in berechtigter Entrüstung auch weiterverteilt, wie es im Brief erbeten wird?

Dann sitzen Sie einem - in Internetzeiten gerechnet - uralten Hoax (einer Falschmeldung) auf, der bereits seit dem Jahr 2007 adaptiert auf Österreich, Deutschland und Schweiz als Kettenbrief verteilt wird. Als Quelle nehmen manche eher die rechtrechte Ecke an, sie ist aber unbekannt. Ich persönlich habe ihn dieser Tage mehrfach verteilt bekommen. Weiter unten gibt es ein paar gegoogelte Informationen aus dem Internet dazu, wobei der erste link auch den Inhalt des Kettenbriefes enthält.

Mir scheint es aber trotzdem wert, sich mit den Inhalten zu beschäftigen. Es geht um unser christliches Abendland und "Österreich zuerst" (so heisst der der Betreff).  Ich glaubte auch ohne Googeln nicht, dass das von einer oberösterreichischen Lehrerin stammt, sondern schon eher Stimmungsmache für die nahende Europa-Parlamentwahl sein wird..

Denn das Abnehmen von Kreuzen und das Weglassen vom lieben Gott aus unserem Gruss ist überhaupt nicht im Interesse unserer moslemischen Mitbürger. Sie, die Moslems, wissen genau, dass religiöse Symbole für jede Religion wichtig sind und haben immer wieder in Schulen das Kreuz verteidigt, um auch ihre Symbole zeigen zu dürfen. Es ist schon so, dass unter den Moslems auch etliche islamistische "Kreuzritter" sind, aber das ist eine kleine Minderheit. Ich erinnere nur an die Beschneidungsdiskussion wo die 3 monotheistischen Religionen in seltener Einheit sprachen.

Für unser historisch christliches Weltbild in Westeuropa sitzt der Gegenpol momentan ganz wo anders, nämlich in einem angriffslustigen Atheismus (siehe Kirchenprivilegien-Volksbegehren von 2013), der den lieben Gott samt Allah und Jahwe beim alten Eisen sieht, oder in einem alles-ist-in-ordnung-Relativismus, wo daher auch kein Platz für christliche Begriffe wie fastenzeitliche Umkehr ist. Und in diese Richtung weht auch der mediale Zeitgeist in unseren Breiten.

Noch ein Aspekt des Briefinhaltes: Viele weder christliche noch moslemische "österreichische" Mitbürger müssten entsprechend diesem "Brief"  das Land verlassen, denn sie lehnen die etablierten Religionen samt Kreuzen und Grüssen, wo Gott drin vorkommt, sehr deutlich ab.

Mir ist statt  populistischen Kraftakten wie diesem gefälschten  "Junglehrerinnen-Brief" eine intensive Diskussion (wie zum Beispiel in den Stockerauer Integrationsgesprächen) allemal lieber - ist auch mehr im Sinne der Frohen Botschaft. Und mir gefällt Papst Franziskus Wort in diesem Zusammenhang:  "Jeder kennt unsere Regeln, aber wer bin ich, dass ich Menschen, die anders denken, verurteilen darf".

Einige ältere links zum "Brief der jungen Lehrerin":

August 2011 in einem Blog  (hier gibt es auch den Inhalt des "Briefes"):
http://schreibfreiheit.eu/2011/08/19/offener-brief-einer-des-gesinnungsterrors-der-politikerinnen-mude-lehrerin/
November 2008 im OÖ ORF:
http://ooev1.orf.at/stories/319163
Dezember 2011 (auf einer von den Grünen gesponserten Seite):
http://www.stopptdierechten.at/2011/12/27/linz-oo-grus-gott-verboten/
Jänner 2011 (ein Artikel aus der deutschen Zeitung "Die Welt"):
http://www.welt.de/politik/deutschland/article12350181/Sorge-um-Gruess-Gott-in-Baden-Wuerttemberg.html

(wf - persönliche meinung)

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