Mittwoch, 30. April 2014

1000 Jahre Pfarre Stockerau - die Jahre 1000-1100

Die Autorin mit dem Hl. Stephanus
Wie versprochen wieder ein Beitrag zu Stockerau durch die Jahrhunderte, diesmal das erste Jahrhundert des letzten Jahrtausends.

Das bedeutendste Ereignis im 11. Jahrhundert ist für Stockerau zweifellos die erste Erwähnung Stockeraus im Zusammenhang mit dem Tod des heiligen Koloman. Bereits im Jahr 1017 erzählt Bischof Thietmar von Merseburg in seiner Chronik: „An der Grenze der Baiern und Mararenser wurde ein Pilger namens Coloman von den Bewohnern gefangen genommen, da sie ihn für einen Spion hielten. Damit er zu einem Geständnisse schreite, ist er schwer gepeinigt worden, doch habe er zu seiner Vertheidigung betheuernd angeführt, er ziehe als armer Diener Christi herum, worauf er unschuldig auf einen schon lange dürren Baum aufgehängt wurde. Nach einiger Zeit schnitt man in das Fleisch des so Hingerichteten, und es floss Blut heraus, die Nägel und Haare wuchsen, auch der Baum selbst wurde wieder grün und zeigte so an, dass er einen Märtyrer Christi trage. Markgraf Heinrich erfuhr dieses und ließ den Körper Colomans in Melk begraben.“ (Starzer, Geschichte der Stadt Stockerau, 1911)
Bischof Thietmar, geboren 975 und gestorben 1018, lebte zu dem Zeitpunkt, als Koloman zu Tode kam, in Mitteldeutschland in Merseburg im südlichen Sachsen-Anhalt. Aber er nannte damals keinen genauen Zeitpunkt und auch keinen Ort wann und wo dies geschah.
Die zweite Erwähnung der Ereignisse rund um den heiligen Koloman können wir den „Annalen von Niederaltaich“ entnehmen. In einem Kloster in Niederaltaich in Bayern berichtet ein unbekannter Mönch zum Jahr 1012: „Der hl. Coloman erlitt bei Stockarawe den Märtyrertod“. Die Annalen von Niederaltaich, diese tagebucharten Aufzeichnungen, wurden um das Jahr 1070 herum aufgeschrieben und bezeichnen im Unterschied zur ersten Erzählung den Ort und das Jahr des Todes des heiligen Koloman. Koloman kam aus Irland und war auf einer Pilgerreise ins Heilige Land unterwegs.
Das Leben der Menschen damals war geprägt von Misstrauen gegenüber den böhmischen und ungarischen Nachbarn und Angst vor kriegerischen Streitigkeiten. Stockerau lag in einem Grenzgebiet und im Norden von Stockerau verlief die Grenze zum böhmisch-polnischen Großreich.  Als dann ein fremder Mann hierher kam, dessen Sprache niemand verstehen konnte, befürchteten die hier lebenden Menschen, dass er ein Spion sei. Er wurde gefangen genommen, verhört, gefoltert und schließlich auf einem Baum aufgehängt. Nun geschah es, dass sich Wunder ereigneten. Der Leichnam verweste nicht, der Baum und der Strick an dem er hing, begannen zu grünen, kranke Menschen wurden nach Berührung mit Fleischstücken der Leiche wieder gesund und der Leichnam des heiligen Koloman war trotz aller erlittenen Folter und Marter völlig unversehrt. Daraufhin wurde die Leiche vom Baum abgenommen und bestattet. Im Jahr darauf gab es in Stockerau Hochwasser, von dem nur alleine das Grab des heiligen Koloman verschont blieb.
Auch Markgraf Heinrich I. erfuhr von den Wundern und ließ den Leichnam nach Melk, wo der Markgraf residierte,  überführen. In Melk  wurde der Leichnam am 13. Oktober 1014 feierlich  beigesetzt.



Mehr zu dieser Serie finden Sie hier oder über den Label "Stadtgeschichte". Die Labels der Beiträge finden Sie auf der rechten Seite, wenn Sie ganz nach unten scrollen.

Veröffentlicht in UNSERE STADT – November 2011
Autorin: Gabriele Gruber-Redl
Mit freundlicher Erlaubnis der Stadtamtsdirektorin Dr. Riedler

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Wir freuen uns über jeden Kommentar. Und da wir mit konkreten Menschen kommunizieren wollen, bitten wir Sie, nicht anonym zu kommentieren.