Samstag, 18. Januar 2014

Das gemeinsame Priestertum aller

Pater Elmar Mitterstieler und Pfarrer Markus Beranek
Im Rahmen der Vortragsreihe Kirchenperspektiven ging es am Mittwoch, den 15. Jänner, zum Thema
 Das gemeinsame Priestertum - Gleichheit, Würde und Priestertum aller in der Kirche
in medias res.

Stadtpfarrer Markus Beranek durfte Pater Elmar Mitterstieler SJ als Vortragenden gewinnen, der sich schon viele Jahre mit diesem Thema beschäftigt und ob der Aktualität dieses Themas ein begehrter Referent ist. Das Thema hat Pater Mitterstieler im Buch "Das wunderbare Licht, in dem wir leben" (siehe unten) niedergeschrieben. Interessierte an solch einem, wenn auch schwierigen, christlichen Kernthema gibt es doch viele und so blieben im Pfarrzentrum nur vereinzelt Sitzplätze frei.

 







Im folgenden sei ein kurzer Überblick über den Inhalt des Vortrags gegeben.

Am Beginn standen die folgenden beiden Zitaten aus dem Neuen Testament


Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht,
eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm.
ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde,
damit ihr die großen Taten dessen verkündet,
der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.
(1 Petr 2,9)

Christus liebt uns ....
er hat uns die Würde von Königen gegeben
und uns zu Priestern gemacht
für den Dienst vor unserem Gott und Vater.
(Offb 1,5f.)

Darauf (unter anderem) begründet sich die Vorstellung, dass das Priestertum uns alle umfasst, dass wir alle die Würde von Königen haben und zu Priestern gemacht sind. Das gemeinsame Priestertum aller in der Kirche war schon immer, von Jesus Christus an, vorhanden, lange vielleicht wie ein verschwundener Fluss, aber mit dem Konzil mit aller Deutlichkeit wieder an die Oberfläche gebracht. Es soll allen in der Kirche ihren Wert bewusst machen, so dass es eine Freude ist, heute Christ oder Christin zu sein. Es liegt darin auch die Chance, die Kluft zu überwinden, die es zwischen allen und dem Priesterstand gibt und uns so in die Gemeinschaft der Kirche ganz tief zusammenzufassen.

Das Konzil sagt, dass wir alle, in welcher Berufung wir auch stehen, die gleiche Würde und den gleichen Wert in unseren Tätigkeiten für die Kirche haben: Wir alle sind durch das Sakrament der Taufe zu einem heiligen Priestertum geweiht, nicht nur die Priester durch die Priesterweihe. Wir alle sind zur selben priesterlichen Fülle des Christseins geweiht, zu Königen, Priestern und Propheten.

Das heute gebräuchliche Wort Priester gründet sich aus dem Wort Presbyter (Älteste) und beschreibt damit jene, die Hirtenaufgaben in und an der Gemeinde, also in der Priesterschaft aller, haben. Dieser Aufgabe soll frei und gerne und nicht als Herren über die Gemeinde nachgekommen werden (1. Petrusbrief). So versteht sich das (Amts-)Priestertum als dienender Dienst an allen, auch um die Gemeinden zusammen zu halten, ihnen Organisation zu geben. Die im Amt Befindlichen haben die Pflicht, allen zum vollen Bewusstsein zu helfen.

Wir haben alle freien Zugang zu Gott, durch Jesus in der Taufe, in aller Freiheit. Wir brauchen also keinen Mittelsmann, unser Gewissen ist die höchste Instanz. Dies drückt sich in der Eucharistie dadurch aus, dass der Priester nicht Opfer von uns entgegenwirkt, sondern dass wir uns alle selbst als Opfer darbringen: Wir alle haben ein und dasselbe Opfer, uns selbst und unser Leben mit Jesus zusammen.

Gott sucht uns,
nicht das Unsrige.
(Augustinus)

Wir konzelebrieren in der Feier der Eucharistie mit dem, der der Feier vorsteht. Wir alle sind, als ganze Kirche, das Sakrament der Vergebung Gottes in dieser Welt. Ohne die alltäglich durch uns alle gelebte Vergebung hätte das Sakrament der Versöhnung keine Bodenhaftung. Wir alle haben die Kraft und Vollmacht des Fürbittgebetes in Liebe, und des (gegenseitigen) Segnens, wieder in unserem freien Zugang zum Vater in Jesus.

Wir alle sind berufen, die Großtaten Gottes zu verkünden, die gipfelt in der Erlösung in Jesus. Dabei ging Pater Mitterstieler auf die besondere Rolle der Frauen ein: sie sind am Ostermorgen die ersten Auferstehungszeugen und Erstverkünderinnen der Osterbotschaft - die Jünger haben von den Frauen die Osterbotschaft empfangen. Auch diese Erkenntnis ist ein Schatz, der noch nicht vollständig gehoben ist.

Wenn nun mehr und mehr Aufgaben der Gemeindeleitung an Mitchristinnen und Mitchristen übertragen werden, dann werden sie diesen Dienst aus der königlich-priesterlichen Fülle des Christseins tun können. Daraus folgt, dass sie sich in diesen Aufgaben dem Bereich des Amtsprietertums annähern. So können neue Dienste an Laien kraft ihrer Taufe übertragen werden. Der Heilige Geist, der Geist Jesu, tut sie - und wir mit ihm, mit allem Freimut.

Der Vortrag schloss mit der Betrachtung, was das zweite Hochgebet bedeutet, wieder unter dem Blickwinkel des gemeinsamen Priestertums von uns allen.

"Wir danken dir,
dass du uns berufen hast,
vor dir zu stehen und dir zu dienen."
(Zweites Hochgebet)


Der lange und intensive Applaus am Ende zeigte, dass Pater Mitterstieler die Anwesenden abholen und begeistern konnte. Somit war im Inoffizium noch für reichlich Diskussionsstoff gesorgt.


















Bibliogragfische Daten des Buches von P. Mitterstieler:

Elmar Mitterstieler
Das wunderbare Licht, in dem wir leben
echter Verlag, Würzburg 2011
ISBN 978-3-429-03391-0


Bildquelle: F. Bauer

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