Mittwoch, 6. November 2013

Ein initiativer Pfarrer berichtet

Helmut Schüller
Die Vortragsreihe Kirchen-Perspektiven begann heute mit dem Vortrag von Pfarrer Helmut Schüller zum Thema Reformen der Kirche.

Der Pfarrsaal war gesteckt voll, einige mussten auf die Bühne ausweichen. Sicher trug dazu auch der Name Schüller, eng gekoppelt mit der Pfarrer-Initiative bei.

Der Vortrag von Mag. Schüller begann naturgemäß mit dem II. Vatikanischen Konzil, von dessen Aussagen und Wirkungen er den Bogen bis heute spannte. Schon bald nach dem Konzil brachte Papst Paul VI. das Schreiben Lex Eccclesiae Fundamentalis raus, mit dem er auf die Erkenntnis reagierte, dass wir alle ein Kirchenvolk sind und daher über entsprechende Grundrechte verfügen müssen, wie sie uns durch die Taufe auch gegeben werden. Daraus folgt eine große Eigenverantwortung und Mitsprache des Volkes Gottes. Dieses Projekt aus den späten 60er Jahren wurde von Papst Johannes Paul II jedoch nicht weiter verfolgt, lt. Schüller ist dies das Hauptanliegen seiner Initiative.

Pfarrer Beranek und Schüller
Direkt kam Helmut Schüller damit zum Begriff Demokratie, die, wenn man es mit dem Konzil ernst meint, sich als logische Organisationsstruktur ergibt. Es müsse der Begriff Kirchenbürger etabliert werden, wie es teilweise schon beim Begriff Wirtschaftsbürger der Fall ist (den seit Stuttgart 21 bekannten Begríff Wutbürger nutzte Pfarrer Schüller nicht, Danke); der Begriff Bürger impliziere eben eine Mitverantwortung und Mitgestalten. Im Falle von Wirtschaftsbürger kann man durch sein bewusstes Konsumverhalten ja mitgestalten und so Verantwortung zeigen [Anm.: wie kann man das auf den Kirchenbürger umlegen?].

Natürlich durften die Themen Zölibat, Frauen als Priester, Wiederverheitratete Geschiedene und Ökumene nicht fehlen, sind sie doch auch bei den Punkten der Pfarrer-Initiative enthalten. Wichtig erschien dabei der Punkt, den Personen und ihren Problemen auf Augenhöhe zu begegnen. Schließlich erzählte Pfarrer Schüller auch von seinen persönlichen Erlebnissen im Rahmen der Pfarrer-Initiative, etwa wie er die Vorsprache bei der katholischen Glaubenskongregation erlebte (Anm.: eine kleine Parallelität zum Fall Galilei drängte sich mir auf]. Dabei wies er darauf hin, dass Rom nicht nur aus Papst Franziskus bestehe, sondern etwa auch aus vielen Bearbeitern von Posteingang und -ausgang. Ob die neue Marschrichtung von Franziskus sich nachhaltig durchsetzen werde, sei es lt. Schüller noch zu früh zu sagen. Er sehe auch die Gefahr, dass das Volk Gottes sich jetzt zurücklehne und erste Reihe fußfrei mal den Papst machen lasse.


Das "U"-Wort kam dann doch auch kurz zur Sprache (gemeint ist Ungehorsam). Es spielte aber in der weiteren Darstellung und der folgenden Diskussion keine Rolle.

Die zweite Halbzeit des Abends stand für Fragen zur Verfügung. Es gab die Möglichkeit in Blöcken von 3 bis 4 Zuhörern Fragen zu stellen, auf die dann Pfarer Schüller antwortete. Dabei ging es etwa um die zentrale Bedeutung der Zukunft der Eucharistiefeier. Weiterhin berichtete Pfarrer Schüller von einer vom Pfarrermangel betroffenen Pfarre in OÖ. Dort bildet der Pfarrgemeinderat so etwas wie einen Aufsichtsrat der Pfarre und bestellt ein Seelsorgerteam. Auch betonte Schüller die Reihenfolge Gott-Gewissen-Authorität, wie es auch in den Dokumenten des Vatikanum II steht. Im Zusammenhang mit der Frage der Wiederverheirateten versteht man nicht, dass gerade die Eucharistie als Ausschließungsinstrument genutzt wird. Schließlich antwortete Pfarrer Schüller auf die Frage, wie die Pfarrerinitiative und der Diözesane Erneuerungsprozess zusammenarbeiten bzw. sich gegenseitig im Wege stehen, dass die Pfarrer-Initiative keine "Firma in der Firma sei". Vielmehr arbeite man am gleichen Ziel.

Mag. Helmut Schüller besuchte das Pristerseminar Hollabrunn, Theologiestudium und Priesterweihe, dann Kaplan und HTL-Lehrer, Diözesanjugendseel-sorger. Cariats-Mitarbeiter und dann Caritas-Präsitent. Vom neubestellten Erzbischof von Wien, Christoph Schönborn, als Generalvikar bestellt.
Nach Meinungsverschiedenheiten mit dem Kardinal schließlich Pfarrer von Probstdorf (liegt im Marchfeld), Gründungsmitglied und sprecher der Pfarrer-Initiative. Heute auch Universitätsseelsorger in Wien, Studentenseelsorger und Geistlicher Assistent des Katholischen Akademikerverbandes.

Mehr finden Sie im Blog von Helmut Schüller und der Pfarrer-Initiative.

Ein interessanter Vortrag, der sich da bot. Im Jänner geht es mit den Kirchen-Perspektiven weiter, dann ist das Thema "Gemeinsames Priestertum aller Getauften" mit Pater E. Mitterstieler SJ an der Reihe.

(fjb)


Fotos: Bauer

Kommentare:

  1. Bernhard Kozljanic7. November 2013 um 20:54

    Was Jesus Christus wohl zu Veranstaltungen dieser Art sagen würde? (Oder anders gefragt: was er wohl noch alles aushalten muss?)

    Ist die Katze jetzt endlich aus dem Sack, ja? Einfach nur traurig!

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    1. Herr Kozljanic, als Verfasser des Artikels fühle ich mich angesprochen. Glauben Sie mir, Jesus Christus hat immer schon viel aushalten müssen. Was hier passiert ist, ist, dass ein im Amt befindlicher katholischer Priester von seinen Erfahrungen berichtet hat, aber auch seine Meinung kundtat. Nun bin ich bei einigen Punkten nicht einer Meinung mit Pfarrer Schüller, habe es aber als absolut bereichernd empfunden seine Meinungen direkt von ihm und nicht von den Medien in bereits aufbereiteter Form zu hören (Medien polarisieren gerne).

      In Anbetracht der großen heutigen Probleme ist es nicht zielführend, Personen oder Gruppen, die an einer Lösung arbeiten, von vorn herein von der Diskussion und Lösungsfindung auszuschließen. Es freut mich vielmehr, wenn in diesen stürmischen Zeiten alle auf dem Schiff bleiben (Apg 27, 30-31). Bitte seien Sie nicht einfach nur traurig, da steckt man selber den Kopf in den oben besagten Sack.

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    2. geri braunsteiner9. November 2013 um 00:15

      Ja ich frage mich auch oft, was Jesus wohl noch aushalten muss, für ihn war dieser Abend sicher wieder ein Lichtblick!
      Einfach nur traurig was in unserer Kirche von manchen Seiten vertreten wird.

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    3. Bernhard Kozljanic9. November 2013 um 16:21

      "Es freut mich vielmehr, wenn in diesen stürmischen Zeiten alle auf dem Schiff bleiben (Apg 27, 30-31)." (Zitat Bauer)

      Lieber Herr Bauer,

      die Frage ist, ob Herr Pfarrer Schüller nicht längst schon von sich aus vom Boot ins Meer gehechtet ist und bewusst davonschwimmt? Dann müssten wir ihn (erstens) wieder zurückholen; und dies natürlich mit tauglichen "Rettungsbooten". Und es sei auch (zweitens) die Frage erlaubt, warum dann, wenn schon keiner vom Boot ausgeschlossen werden soll, nicht auch "echt" römisch-katholische Vortragende - also wirkliche "Rettungsboote" - sprechen dürfen. Ich hätte da auch schon ein paar gute Vortragende und Themen ;-)

      Mit bestem Gruß, Bernhard Kozljanic

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    4. Nun, das mit den Rettungsbooten ist in Apg wohl anders gemeint. Die wurden nämlich gekappt, das Schiff ist ohne Rettungsboote weiter getrudelt; man hat sogar das Getreide ins Meer geworfen. Und es wollten die Matrosen sich in den Rettungsbooten davon machen, nicht wer anderer.

      Ich hatte beim Vortrag jedenfalls nicht den Eindruck, dass Herr Schüller von Bord gegangen ist, da spielt vielleicht Wunschdenken mit. Vielmehr gehört das Annehmen von Widersprüchen zu einem Christen dazu, also zuzuhören, wenn jemand was anders sieht.

      Ich weis nun nicht, ob Pater Elmar Mitterstieler SJ bei Ihnen als "Echter" durchgeht, aber der ist bei der Vortragsreihe als Nächster dran ;-). Wäre schön, wenn Sie auch dabei sind.

      Herzliche Grüße, Franz J. Bauer

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    5. Bernhard Kozljanic10. November 2013 um 01:31

      Lieber Herr Bauer,

      besten Dank für Ihren Hinweis auf Herrn Pater Mitterstieler. Ich habe bis jetzt noch kein Buch von ihm gelesen, werde mich aber informieren. Und natürlich "prüfen", ob er ein "Echter" ist ;-)

      Die "Echten" sind so unglaublich wichtig für uns in der heutigen Zeit. Echte und kraftvolle "Ruderer" von "Rettungsbooten", die auch Herrn Pfarrer Schüller wieder "zurück an Land" holen.

      Mit herzlichem Gruß, Bernhard Kozljanic

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  2. geri braunsteiner9. November 2013 um 01:00

    Noch ein Nachtrag: "Was war eigentlich so unkatholisch an den Worten von Herrn Schüller?"

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    1. Bernhard Kozljanic9. November 2013 um 10:47

      Lieber Herr Braunsteiner,

      die Positionen eines Herrn Pfarrer Schüllers, Herrn Prof. Zulehners u.v.m. sind meiner Meinung nach "selektiv-katholisch" und auch sehr "politisch korrekt"; sie sind sicher nicht mehr römisch-katholisch. Das wären sie nur dann, wenn Herr Pfarrer Schüller z.B. voller Freude und Überzeugung "Werbung" gemacht hätte für den Katechismus oder etwa auch den "youcat" (Jugendkatechismus). Die Ansichten der "mainstream-katholischen" Gruppierungen sind davon aber (leider Gottes) Lichtjahre entfernt. Leider kapitulieren zunehmend auch Bischöfe (v.a. auch in D) vor der "normativen Kraft des Faktischen". Deshalb meine Traurigkeit. Sollten Bischöfe nicht danach trachten, nur und ausschließlich Jesus Christus zu "gefallen" und nicht so sehr den Medien?? Von daher glaube ich, dass Jesus Christus auch diesbezüglich viel aushalten muss.

      Mit liebem Gruß, Bernhard Kozljanic

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  3. Bernhard Kozljanic9. November 2013 um 11:41

    "Einfach nur traurig was in unserer Kirche von manchen Seiten vertreten wird." (Zitat Braunsteiner)

    Lieber Herr Braunsteiner, erlauben Sie mir bitte, auf einen nun wirklich paradoxen Zustand in der Katholischen Kirche hinzuweisen; Ihr obiges Zitat zeigt diesen nur zu allzu deutlich.

    Heute müssen sich diejenigen rechtfertigen bzw. verteidigen, die treu zur Lehre der Katholischen Kirche (Katechismus) stehen. Ist das nicht paradox?? So, als müsste sich etwa ein Mathematiklehrer im Gymnasium nun plötzlich verteidigen, weil er das Einmaleins korrekt unterrichtet! Sollte es nicht genau umgekehrt sein?

    In der römisch-katholischen Kirche liegt aber nun genau dieser aberwitzige Zustand vor. Merkt das keiner? Vielleicht sollten gläubige Mathe- oder Physiklehrer einmal darauf hinweisen!

    Mit liebem Gruß, Bernhard Kozljanic

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    1. Bernhard Kozljanic9. November 2013 um 12:00

      Noch ein Zitat von einem Priester in Wien: "Ich bekomme immer dann die meisten Schwierigkeiten, wenn ich genau das verkünde, was im Evangelium steht!"

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  4. Das man in einer Pfarre es als Errungenschaft feiert, einen Kirchenrebellen eingeladen zu haben. ist schon bemerkenswert. Wenn ich an das Gestammel von Pfarrer Schüller zum Thema Auferstehung (in der Kronen Zeitung gut kommentiert von Jeannee), dann glaube ich er hat beim Theologiestudium teilweise gefehlt.

    Wenn ich mir meine Vorposter anschaue (Ich bekomme immer dann ... ), sieht man schon wie weit die Pfarre vom orthodoxen Weg der röm.-kath. Kirche weg ist. Dass diejenigen, die dort hingehen, von Schüller begeistert sind, ist klar. Sonst wären sie ja nicht dort gewesen. Wenn ich den Bericht lese, dann muss ich sagen keine Glaubensfragen beantwortet, sondern reinen Aktionismus (hat er vielleicht von den Grünen gelernt?).

    Dass Schüller vielleicht deshalb "heiß" auf die Kirche ist, weil ihm Kardinal Schönborn die Abberufung als Generalvikar bei der Tür durchgesteckt hat (Bravo Herr Kardinal Sie kennen das Zustellgesetz!) mag nur ein böses Gerücht sein.

    In den USA hat Schüller Redeverbot bekommen. Die ewigen Fragen, warum dürfen die Priester nicht heiraten usw. gehören an den Stammtisch, sind aber keine Bereicherung im Jahr des Glaubens. Wenn die Kirche sonst nichts hervorbringt, als diesen Vortrag, wird die Neuevangelisierung immer ein frommer Wunsch bleiben...

    Die wahren Probleme von Priestern erfährt man nicht bei Schüller, sondern gibt es dazu Studien, die aber unter Verschluss gehalten werden. Die Kirche kennt die Nöte ihrer Priester sehr genau. Sie eignen sich aber nicht zum Demokratiespielen wie es Schüller verlangt. Glaubensfragen kann man nicht durch Abstimmung entscheiden. Da kann es noch so viele Mehrheiten für etwas geben...

    Das Argument Pluralismus oder auch eine andere Meinung hören, beeindruckt mich nicht. Im Islam z.B. gibt es viele Lehrmeinungen ... und jeder behauptet für sich Recht zu haben. Wen wundert es dann, wenn die Leute auch sagen alles was von der Kirche kommt ist wischi,waschi!

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    1. Ich jedenfalls bin nicht hingegangen, weil ich von Pfarrer Schüller so begeistert war, sondern weil ich abseits der Massenmedien mal direkt sehen wollte, was und auch wie er es sagt.
      Wie weit die Pfarre vom orthodoxen Weg weg ist, sollte man gar nicht rauslesen können, schließlich handelt es sich um die Ansichten von Pfarrer Schüller und nicht von - ja was eignetlich: Pfarrer, PGR, Pfarrgemeinde, Redaktion des Magazins? Oder ist das Zu-Wort-kommen-lassen schon unorthodox?

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